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Gastkommentar Wie aus Opfern Gewinneraktien werden

04.07.2003 ·  „Was fällt, das steigt auch wieder“. Nach diesem Motto wählt der ehemalige Börsenjournalist und Vermögensverwalter John Dorfman teilweise seine Aktien aus. Einige sieht er auch weiter fallen. Die verkauft er „leer“.

Von John Dorfman für Bloomberg News
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Eines der Themen in meiner Kolumne, auf das ich ganz besonders stolz bin, ist die vierteljährliche „Opferliste“, die den Standard & Poor's Index im Durchschnitt deutlich übertroffen hat.

Diese Liste besteht aus einigen Aktien, die im abgelaufenen Quartal malträtiert wurden und meiner Meinung nach das Zeug zu einem Comeback haben. Jetzt ist es Zeit für Opferliste Nummer 13.

Opferlist Nummer zwölf schlägt S&P 500

Werfen wir zunächst einen Blick zurück. Die vorangegangenen elf Opferlisten schlagen den S&P 500 vom Zeitpunkt ihres Erscheinens bis Ende März 2003 im Schnitt um 23 Prozentpunkte. Die am dritten April veröffentlichte Opferliste Nummer zwölf hatte bis vergangenen Dienstag 33 Prozent zugelegt. Thor Industries, der weltweit größte Hersteller von Wohnmobilen und Wohnwagen, war mit einem Plus von 54 Prozent Spitzenreiter unter vier Titeln. General Dynamics stieg um 34 Prozent, La-Z-Boy um 29 Prozent und R.J. Reynolds Tobacco Holdings um 15 Prozent. Im Vergleich dazu verbesserte sich der S&P 500 um 13 Prozent. Alle Zahlen beziehen sich auf die Gesamtrenditen einschließlich Dividenden.

Nun zur Nummer 13. Aberglauben lasse ich außen vor. Das zweite Quartal meinte es gut mit dem Aktienmarkt. Die meisten Titel konnten mit dem 15-prozentigen Kursgewinn im S&P 500 mithalten. Dennoch stehen einige Opfer zur Auswahl: 35 Aktien mit einem Marktwert von 500 Millionen Dollar oder mehr sackten im zweiten Quartal um zehn Prozent oder noch tiefer ab.

Fehltritte von Tenet Healthcare bereits eingepreist

Eine Aktie, die sich meiner Meinung nach erholen wird, ist Tenet Healthcare. Das im kalifornischen Santa Barbara ansäßige Unternehmen betreibt über 100 Krankenhäuser, plus zahlreiche Zentren für ambulante Operationen, häusliche Pflegedienste, psychiatrische Anstalten, private Krankenversicherungen (HMOs) und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen. An Sorgen fehlt es Tenet nicht. Das amerikanische Justizministerium untersucht derzeit einige seiner Preisstrategien.

Bei Anlegern mit gutem Gedächtnis wird dies unangenehme Erinnerungen wachrufen: Mitte der neunziger Jahre zahlte das Unternehmen - damals noch unter dem Namen National Medical Enterprises - eine Geldbuße an den Bundesstaat Kalifornien und die US-Regierung, um den Vorwurf des Versicherungsbetruges und Patientenmißbrauches zu beschwichtigen. Noch schlimmer ist, daß Tenet seine Gewinnprognosen im vergangenen Jahr dreimal nach unten korrigierte. Vor einer Woche verpaßte Moody's den Anleihen des Unternehmens ein Junk-Rating.

Warum bin ich also der Meinung, daß sich die Tenet-Aktie erholen wird? Der Titel ist derart billig, daß bereits unzählige Fehltritte eingepreist sind. Die Tenet-Aktie notiert derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als sechs und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von weniger als 0,4.

Great American Financial Resources verzeichnet seit zehn Jahren Gewinne

Zweitens empfehle ich Great American Financial Resources, eine Versicherungsgesellschaft aus Cincinnati unter der Leitung des Finanziers Carl Lindner. Die ebenfalls von Lindner geführte American Financial Group besitzt ungefähr 87 Prozent der Aktienanteile von Great American. Wie Tenet verzeichnete auch Great American in jedem der vergangenen zehn Jahre einen Gewinn. Die Aktie ist außerdem recht günstig: das KGV beträgt neuen und das KUV 0,6.

Da Great American so klein ist und mehrheitlich von einem anderen Unternehmen kontrolliert wird, taucht der Versicherer in den Medien fast gar nicht auf. Auch die Analysten an der Wall Street schenken dem Unternehmen keine Beachtung. Ein mangelnder Bekanntheitsgrad ist aber keine Sünde, sondern mitunter sogar eine Tugend.

Roadway wird vom Aufschwung profitieren

Als nächstes steht Roadway auf meiner Liste, das größte Transportunternehmen der Vereinigten Staaten. Nach zwei Jahren magerer Gewinne soll Roadway in diesem Jahr voraussichtlich 2,44 Dollar je Aktie einfahren. Das wäre dann sein zweitbestes Jahr seit dem Börsengang. Im Juni senkte Roadway seine Gewinnschätzungen für das zweite Halbjahr und begründete dies mit dem rauhen Preiswettbewerb in der LKW-Branche und der Tatsache, daß die Lieferungen der Einzelhändler hinter ihrem Planziel zurückgeblieben seien. Meines Erachtens werden diese Probleme etwas nachlassen, wenn sich die Konjunkturlage allmählich verbessert. Roadway notiert mit einem KGV von 13 und einem KUV von 0,19, in meinen Augen attraktive Bewertungen.

Payless ShoeSource ist günstig bewertet

Mein letzter Kandidat ist Payless ShoeSource, der größte Schuheinzelhändler in Amerika. Seine Anleger bereitete das Unternehmen auf kümmerliche Umsätze und Gewinne in diesem Jahr vor, zum Teil da sich Sandalen und andere Sommerschuhe aufgrund der ungewöhnlich kühlen Witterung weniger gut verkauft haben.

Normalerweise werde ich stutzig, wenn ein Unternehmen das Wetter als Entschuldigung vorbringt. In diesem Fall scheint es mir aber recht plausibel. Payless steht allerdings noch weiteres Ungemach bevor. Möglicherweise wird das Unternehmen gegen die Auflagen (Vereinbarungen) seiner Bankdarlehen verstoßen und die Rating-Agenturen drohen damit, seine Anleihen auf Junk-Status herabzustufen. Ich glaube indes, daß sich das Unternehmen gerade noch aus der Affäre ziehen wird, auch ohne ein größeres Trauma wie etwa eine Insolvenz. Und wegen der gegenwärtigen Schwierigkeiten ist die Aktie günstig. Sie wird mit einem KGV von neun und einem KUV von 0,3 gehandelt.

Überschuldung kann zu Leerverkäufen führen: Millennium Chemicals und ...

Von Zeit zu Zeit scheint es mir angebracht, darauf hinzuweisen, daß mir Aktien nicht einfach nur deswegen gefallen, weil sie im Keller gelandet sind. Es gibt kein Newtonsches Gesetz, das besagt, alles was fällt, muß auch wieder aufsteigen.

So habe ich beispielsweise zwei Titel leerverkauft, die im zweiten Quartal unter die Räder geraten sind. Eines dieser Unternehmen ist Millennium Chemicals, das eine Schuldenlast von 323 Prozent des Eigenkapitals aufweist, in acht der letzten neun Jahre rote Zahlen geschrieben hat und unter Umständen unter den steigenden Erdgaspreisen leiden könnte.

.. IMC Global

Der andere Titel ist IMC Global, der weltweit größte Hersteller von Phosphatdünger. Auch dieses Unternehmen wird meiner Ansicht nach Einbußen erleiden, sollten die Erdgaspreise in den kommenden Jahren steigen. Die Verschuldung von IMC beträgt 540 Prozent seines Eigenkapitals, darüber hinaus wurden in den vergangenen zwei Quartalen Verluste verzeichnet.

Kursverluste allein reichen nicht aus, um mir eine Aktie schmackhaft zu machen, führen aber auch nicht zur Disqualifikation des Titels. Viele Leute interessieren sich nur dann für eine Aktie, wenn sie zugelegt hat. Das ist nur natürlich, aber da man ja günstig kaufen und teuer verkaufen soll, ist es mitunter eine gute Idee, das zu kaufen, was gerade an Wert verloren hat.

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