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Gastkommentar Trübe Aussichten für die Unternehmensgewinne

 ·  Der Aufschwung ist ausgeblieben. Amey Stone von BusinessWeek Online befürchtet, dass viele Unternehmen ihre Gewinnprognosen reduzieren müssen.

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Jetzt befinden wir uns also im September 2002, und die bevorstehenden Neubewertungen könnten besonders ungünstig ausfallen. Zahlreiche Analysten haben ihre Prognosen unter der Voraussetzung aufgestellt, dass sich die Unternehmensausgaben im zweiten Halbjahr deutlich erholen würden. Dies ist aber noch nicht eingetreten.

Das dritte Quartal begann im Juli gleich mit einer schlechten Nachricht. Die Bilanzskandale erschütterten das Anlegervertrauen. Seither hat sich der Aktienmarkt wieder erholt, und im August klangen die Nachrichten etwas positiver. In den kommenden Wochen sollten die Anleger jedoch weiterhin wachsam bleiben.

Anzahl der Gewinnwarnungen höher als üblich

Der Markt tritt soeben in die Vorankündigungsphase ein, in der die Unternehmen in jedem Quartal die Wall Street darauf vorbereiten, dass sie ihre ursprünglich prognostizierten Gewinne nicht realisieren können. Die Anzahl der Gewinnwarnungen ist bereits höher als üblich. Dem Research-Unternehmen First Call zufolge lagen die angekündigten Gewinne der Unternehmen, die dem S&P 500 angehören, zu 52 Prozent unter den Erwartungen und lediglich zu 22 Prozent darüber. Im zweiten Quartal waren zum entsprechenden Zeitpunkt nur 38 Prozent der Gewinnankündigungen niedriger als erwartet, 34 Prozent jedoch höher.

Joe Cooper, einem Analysten bei First Call, zufolge dreht sich damit der Trend der letzten Quartale um, in denen sich die Relation von negativen und positiven Gewinnankündigungen verbessert hatte. Die meisten Gewinnwarnungen dürften erst in den letzten beiden September- beziehungsweise den ersten beiden Oktoberwochen veröffentlicht werden. Aber im Quartalsverlauf werden die Ankündigungen in der Regel ungünstiger.

Winterdepression im Herbst

Laut Cooper ist der Trend bedrohlich. Aber er stellt angesichts der seit Monaten immer wiederholten Warnungen keine Überraschung dar. Noch am 1. Juli prognostizierten die Beobachter, dass die Gewinne der im S&P 500 notierten Unternehmen im dritten Quartal um 16,6 Prozent ansteigen würden. Jetzt erwarten sie noch ein Wachstum von elf Prozent. Angesichts der üblichen Entwicklung der Gewinnkorrekturen dürfte diese Zahl nach Auffassung von Cooper weiter sinken - voraussichtlich um weitere fünf Prozentpunkte.

Es ist ein weiteres beunruhigendes Zeichen, dass die Analysten laut Cooper ihre Prognosen für das vierte Quartal ebenso - und in demselben Tempo - zurücknehmen. Noch am 1. Juli wurde für das vierte Quartal ein Gewinnwachstum von 27,7 Prozent erwartet; jetzt rechnen die Beobachter nur noch mit 22,6 Prozent. Cooper zufolge ist dies eine völlig beispiellose Entwicklung. Die Gewinnerwartungen seien bereits jetzt, drei Wochen vor Beginn des Quartals, um fünf Prozentpunkte gesenkt worden.

Schneckentempo der Erholung schlägt auf die Anlegerstimmung

Mark Zandi, Chefvolkswirt von Economy.com, legt großes Gewicht auf die Tatsache, dass zu Anfang des Jahres alle auf eine rasche Erholung der Gewinne hofften. Bisher findet diese jedoch nur im Schneckentempo statt. Daher macht sich seiner Auffassung nach Enttäuschung breit.

Gibt es auch gute Nachrichten? Die meisten Anleger befürchten nicht, dass die USA in eine „double-dip“-Rezession abgleiten könnten. Zandi setzt die Wahrscheinlichkeit dafür allerdings immer noch mit 33 Prozent an. Wahrscheinlicher ist, dass die Erholung der Gewinne noch längere Zeit lahmt, wobei die positiven Entwicklungen vor allem auf Kostensenkungen zurückzuführen sind. Trip Jones, Vice-President bei der Investmentgesellschaft Fulcrum Global Partner, weist aber darauf hin, dass Kostensenkungen allein nicht zu einem ertragreichen Unternehmen führen und dass weniger das Ausmaß der Verluste als vielmehr die Dauer der Durststrecke das Problem sei.

Auch Analysten rechnen mit ungünstiger Entwicklung

Selbst die hinsichtlich der Gewinnentwicklung sehr viel optimistischeren Analysten gehen von einer ungünstigen Entwicklung der Ankündigungen aus. Derzeit fürchten die Unternehmen nichts mehr, als die Wall Street zu enttäuschen. Daher sind ihre Prognosen äußerst konservativ.

Nach Auffassung von Milton Ezrati, Senior Economist und Stratege bei Lord Abbett & Co., werden die tatsächlichen Gewinne die Anleger positiv überraschen. Allerdings werde es zahlreiche negative Ankündigungen geben, da sich die Unternehmensleitungen nicht zu optimistisch geben wollten. Sie würden lieber die Zahlen schlecht reden und dann umso besser abschneiden.

Anlass zur Vorsicht bleibt bestehen

Sam Stovall von S&P geht weiterhin davon aus, dass der Tiefpunkt am Aktienmarkt im Juli 2002 erreicht wurde. Er rechnet jedoch für die kommenden Wochen mit einem neuerlichen Abschwung, in dem auch diese Tiefstände wieder gestreift werden könnten.

Die Anleger wollen den Schock der Bilanzskandale ebenso wie die mit dem 11. September verbundene Trauer hinter sich lassen. Und sicherlich sieht es in Zukunft wieder besser aus. Aber wiederholt enttäuschte Hoffnungen auf einen Anstieg der Unternehmensgewinne könnten in den nächsten Wochen erneut Anlass zur Vorsicht geben.

Amey Stone ist Associate Editor für BusinessWeek Online. Sie analysiert die Marktentwicklung für Street Wise und schreibt in ihrer Kolumne Mutual Funds Maven über Investmentfonds.

Quelle: @mibe
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