23.12.2002 · Nicht selten straft der Markt Einzelaktien übertrieben ab. Bloomberg-Kolumnist John Dorfman stellt vier solcher Werte vor.
Von John Dorfman, Bloomberg NewsNeun von zehn ist kein schlechtes Ergebnis. In jedem Quartal veröffentliche ich eine Liste mit einer Handvoll Aktien, die vom Markt schlecht behandelt worden sind, sich aber meiner Meinung nach wieder erholen werden. Seit dem Erscheinen der ersten Liste dieser „Marktopfer“ im Juni 2000 haben in neun von zehn Fällen meine Favoriten den Standard & Poor's-500-Index übertroffen.
Der durchschnittliche Vorsprung jeder „Opferliste“ betrug, gemessen vom Erscheinungsdatum der Kolumne bis Anfang vergangener Woche, 29 Prozentpunkte. Aber reden wir lieber von den Gewinnen, da es sich in den letzten beiden Jahren als relativ einfach dargestellt hat, den S&P 500 zu schlagen und dennoch Geld zu verlieren. Sieben von zehn Listen haben echte Gewinne eingefahren - im Hinblick auf den schlimmsten Bärenmarkt seit der großen Depression kein schlechtes Ergebnis, muss ich bescheiden zugeben.
Die Liste der „Marktopfer“ in diesem Quartal
Ich weiß nie genau, wann ich vielleicht selbst zum nächsten Opfer werde, aber es lohnt sich sicherlich dennoch, es zumindest wieder einmal zu versuchen. Hier ist also meine elfte „Opferliste“: vier Werte, die zwischen dem 30. September und dem 17. Dezember 2002 um mindestens 15 Prozent gefallen sind. Der S&P 500 hat im gleichen Zeitraum um elf Prozent zugelegt.
Ich habe meine Suche auf Aktien beschränkt, die zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von höchstens 15 gehandelt werden, um meinem Ruf als Geizhals gerecht zu werden. Zudem habe ich Unternehmen ausgeschlossen, deren Schulden höher als ihr Eigenkapital sind. Der Grund: Es macht mir Angst, hohe Summen zu schulden. Nachdem ich mit Hilfe des Computers die Spreu vom Weizen getrennt hatte, blieben 19 Kandidaten übrig. Ich habe mich auf die folgenden vier Unternehmen eingeschossen: Cigna, Activision, Laboratory Corp. of America und Standard Register.
Sammelklagen machen Cigna zu schaffen
Cigna ist die drittgrößte US-amerikanische Krankenversicherungsgesellschaft, die auch einige medizinische Selbstverwaltungsorganisationen (im US-Gesundheitssystem Managed-Care-Organisationen genannt) betreibt. Die Aktie erreichte zum Jahresende 2000 einen Kurswert von 132,30 Dollar und wurde Anfang des Quartals zu einem Kurs von 70,75 Dollar gehandelt. Zurzeit bewegt sich der Kurs nur noch bei 43 Dollar. Dies entspricht einem KGV von sechs, einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,3 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (Nettowert des Unternehmens; KBV) von 1,4.
Was hat Cigna verbrochen, um nur eine solch niedrige Bewertung zu erhalten? Das Unternehmen hat einfach das Pech, in einem stark regulierten Markt tätig zu sein. Außerdem befindet sich die Gesellschaft im Visier von Anwälten, die sich auf Sammelklagen spezialisiert haben. Eine Gruppe von 400.000 Ärzten behauptet, dass sie bei der Leistungsabrechnung für die medizinische Versorgung ihrer Patienten von Cigna betrogen worden sei und hat eine dementsprechende Klage eingereicht. Die Versicherungsgesellschaft konnte schließlich einen Vergleich über 200 Millionen Dollar schließen, dieser war in der vergangenen Woche jedoch von einem Richter blockiert worden. Nun droht wahrscheinlich eine Gerichtsverhandlung. Dies stellt einen Unsicherheitsfaktor dar, der den Markt abschreckt.
Die Anleger befürchten zudem, dass Organisationen wie Cigna ihre Gebühren nicht schnell genug erhöhen können, um mit den ins Unendliche steigenden Kosten für die Gesundheitsfürsorge Schritt halten zu können. Analysten rechnen damit, dass Cigna in diesem Jahr nur 6,56 Dollar je Aktie erwirtschaften wird, nach 7,06 Dollar im Jahr 2001 und 6,84 Dollar im Jahr 2000. Ich kenne viele Unternehmen mit schlechteren Gewinnaussichten als Cigna, die mit einem höheren KGV gehandelt werden. Daher ist diese Versicherungsgesellschaft Opfer des allgemeinen Pessimismus geworden, so dass ich sie in meine Liste aufgenommen habe.
Activision: Überhöhte Prognosen überschatten gute Fundamentaldaten
Das nächste Unternehmen auf meiner Liste ist Activision, der zweitgrößte Hersteller von Videospielen in den USA. Die Aktie hat das Quartal mit einem Kurs von 23,93 Dollar begonnen, jetzt liegt er bei 12,75 Dollar. Anleger waren ernüchtert, als das Unternehmen vergangene Woche bekannt gab, dass der Umsatz des laufenden Quartals auf 362 Millionen Dollar - und damit deutlich unter die frühere Prognose in Höhe von 435 Millionen Dollar - fallen wird.
Die Tatsache, dass Activision seine Prognose verfehlt hat, überschattet einige wichtige Fundamentaldaten. So sollte eher hervorgehoben werden, dass das Unternehmen seit 1995 Jahr für Jahr rentabel ist.
Videospiele werden sich niemals durch langweilige, aber stetige Gewinne, wie sie in den Branchen Pharmazie oder Tabak üblich sind, auszeichnen. Dennoch, bei einem KGV von zehn, einem KBV von 1,1 und einem KUV von gerade einmal eins, erscheint die Activision-Aktie in meinen Augen attraktiv. Hinzu kommt, dass man nicht viele „Marktopfer“ findet, die weniger als ein Prozent Schulden in Relation zum Eigenkapital aufweisen.
Laboratory Corp.: Geplante Akquisition sorgt für Unmut
Das Unternehmen Laboratory Corp. of America führt landesweit im Auftrag von Ärzten, Krankenhäusern und Health-Management-Organisationen medizinische Tests durch. Der Kurs der Aktie ist mittlerweile von 33,78 Dollar zu Beginn des Quartals auf 23 Dollar gefallen.
Der Kursverfall wurde am 4. Oktober 2002 ausgelöst, als das Unternehmen seine Gewinnprognose für das dritte Quartal gegenüber den Analystenschätzungen um zehn Prozent senkte. Begründet wurde diese Korrektur nach unten mit dem Wettbewerb durch Krankenhäuser und Ärzte, die ihre Test selbst durchführten.
Die Anleger sind zudem unglücklich über die von Laboratory beabsichtigte Akquisition von Dianon Systems, einem Spezialunternehmen für Krebsdiagnostik. Einige denken, dass der Kaufpreis in Höhe von 598 Millionen Dollar zu hoch sei. Andere sind darüber entsetzt, dass Dianon letzte Woche die Vereinbarung getroffen hat, 4,8 Millionen Dollar zu zahlen, um eine Klage aus der Welt zu schaffen. Das Unternehmen soll Medicare und anderen staatlichen Gesundheitsprogrammen zu viel berechnet haben.
Ich denke, dass die Leute auf die schlechten Nachrichten überreagieren. Bei einem KGV von 13, einem KBV von 2,2 und einem KUV von 1,4 ist Laboratory meiner Ansicht nach ein attraktiver Wert.
Positive Dividendenrendite bei Standard Register
Auch mein viertes und letztes „Opfer“, Standard Register, passt ins Bild. Seit Quartalsbeginn hat die Aktie 25 Prozent verloren, ihr Kurs liegt nun bei 18 Dollar. Letzten Sommer hatte die Aktie noch mit einem Kurs von 35 Dollar geliebäugelt. Standard Register verkauft Systeme für das Formular- und Dokumentenmanagement. Das Unternehmen musste in vier aufeinanderfolgenden Jahren sinkende Gewinne vermelden. Der letzte Unruheherd entstand, ähnlich wie bei Activision, durch die kürzlich erteilte Empfehlung an die Analysten, ihre Gewinnschätzungen für das laufende Quartal zu senken. Die Analysten rechnen nun für das laufende Jahr mit einer Steigerung der Gewinne um 37 Prozent auf 1,25 Dollar je Aktie. Dieser Wert liegt dennoch deutlich unterhalb des Niveaus von rund zwei Dollar der Jahre 1996 bis 1999.
Was mich an Standard Register festhalten lässt, ist die Dividendenrendite in Höhe von 5,1 Prozent. Diese Relation ist bemerkenswert, insbesondere da sich die meisten Unternehmen in dieser Hinsicht eher im negativen Bereich bewegen. Hinzu kommt, dass Präsident Bush derzeit den Kongress unter Druck setzt, die Steuern auf Dividendeneinnahmen zu senken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |