11.07.2003 · Wer auf Aktien setzt, die raketenhaft steigen, kann hart landen. Das hat zumindest John Dorfman für Bloomberg News beobachtet. Im Vergleich mit rein zufällig gewählten Papieren schneiden solche Werte schlecht ab.
Von John Dorfman, für Bloomberg NewsViele Leute kaufen Aktien, die wie Raketen nach oben schießen, nur um einige Zeit später mit einem dumpfen Aufprall wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Wo sind die Überflieger von gestern?
Jedes Jahr im Juli, wenn es in Amerika brütend heiß ist, schaue ich mir die zehn Aktien mit den besten Gewinnen seit Jahresbeginn an. Die heißesten Favoriten waren Tollgrade Communications vor drei Jahren, Priceline.com vor zwei Jahren und Crown Cork & Seal (jetzt Crown Holdings ) vor einem Jahr.
Seit ich über diese Titel geschrieben habe, ist Tollgrade um rund 84 Prozent gefallen, Priceline um circa 51 Prozent; Crown hat um 5,2 Prozent zugelegt. Ich stellte diese Überflieger einer wenig glamourösen Vergleichsgruppe gegenüber, die ich Smudge Portfolio (2000), Trudge Portfolio (2001) und Sludge Portfolio (2002) taufte.
„Smudge 'n Trudge“
Das Smudge Portfolio entstand, indem ich einen Filzstift nahm und mit geschlossenen Augen die Börsennotierungen bemalte. Zwischen Juli 2000 und Juli 2001 schnitt dieses wahllos zusammengewürfelte Portfolio weit besser ab als die Spitzenreiter. Beide Gruppen verloren an Wert, aber während das Smudge Portfolio um nur 16 Prozent nachgab, sackten die von den Anlegern im Juli 2000 so hoch geschätzten Überflieger um satte 65 Prozent ab.
Das Trudge Portfolio vom Juli 2001 enthielt Titel, die unter dem Buchwert (Eigenkapital je Aktie) notierten. Dabei handelte es sich um glanzlose und unbeliebte Aktien. Wie man sich hätte denken können, schlug das Trudge Portfolio die Überfliegertitel. Es büßte 7,3 Prozent ein, während das Gewinnerportfolio um 28 Prozent einbrach.
Im gerade abgelaufenen dritten Jahr diente das Sludge Portfolio als Vergleichsgruppe - die 10 Titel, die seit Mitte Juli 2002 am schlechtesten abgeschnitten hatten. Sowohl dieses Portfolio als auch die Gewinneraktien machten sich besser als ich erwartet hatte. Das Sludge Portfolio legte vom 17. Juli 2002 bis zum 8. Juli 2003 um 76 Prozent zu, während die Momentumtitel 33 Prozent hinzugewannen.
Ein sehr glaubwürdiges Ergebnis für die Momentumaktien. Dennoch: Es unterstreicht mein Argument, daß eine sinkende Aktie genauso gut sein kann wie eine steigende Aktie, wenn nicht sogar noch besser. Um in die Analyse aufgenommen zu werden, muß ein Titel einen Marktwert von 500 Millionen Dollar oder mehr aufweisen.
Die heißesten Aktien dieses Sommers
Werfen wir jetzt einen Blick auf die heißesten Anwärter in diesem Jahr. Sie wurden anhand der Bloomberg-Datenbank ausgewählt (Stand: Dienstagabend).
Westell Technologies
Westell Technologies ist der diesjährige Spitzenreiter mit einem Gewinn von 813 Prozent. Der Titel begann das Jahr mit 1,20 Dollar und notierte am Dienstag bei 10,96 Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Aurora, Illinois, stellt Geräte für die Bereitstellung von Hochgeschwindigkeits-Diensten im Internet über Kupferleitungen her. Nach sieben Verlustjahren in Folge verzeichnete Westell im Geschäftsjahr 2003 (bis März) nun einen Gewinn von 14 Cents je Aktie. Im laufenden Geschäftsjahr, so glauben die Analysten, wird das Unternehmen annähernd 30 Cents je Aktie erzielen.
Das könnte sich meines Erachtens als optimistische Spekulation erweisen. Selbst wenn es der Fall wäre, scheint mir der Titel mit dem 78fachen der letzten vier Quartalsgewinne, dem 16fachen des Buchwertes und dem 3,4fachen der Umsätze recht teuer.
Ask Jeeves
Ask Jeeves Konnte um 597 Prozent zugelegen. Das im kalifornischen Emeryville ansässige Unternehmen betreibt eine namhafte Internet-Suchmaschine. Nach vier Jahren in Folge mit Verlusten, die jedoch von Jahr zu Jahr geringer ausfielen, schrieb Ask Jeeves in seinen letzten beiden Quartalen wieder schwarze Zahlen.
Für das Jahr 2003 gehen die Analysten davon aus, daß Ask Jeeves ungefähr 28 Cents je Aktie erwirtschaften wird. Das freut mich durchaus, doch finde ich die Bewertung des Titels - das 19fache des Buchwertes und das 9fache der Umsätze - schockierend. Ein KGV liegt nicht vor, da die Gewinne für die zurückliegenden vier Quartale weiterhin negativ sind. Auf Basis der für 2003 geschätzten Gewinne beträgt das KGV 63.
Sonus Networks
Der drittgrößte Gewinner seit Jahresbeginn ist Sonus Networks aus Westford in Massachusetts, ein Hersteller von Telekommunikationsgeräten. Der Titel des Unternehmens hatte bis Dienstag um 526 Prozent zugelegt, von 1,00 Dollar auf 6,26 Dollar. Sonus erbrachte im Jahr 2000, dem ersten Jahr seines aktiven Vertriebs, Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 52 Millionen Dollar. Im Jahr 2001 stiegen die Unternehmensumsätze auf 173 Millionen Dollar, gingen im Jahr darauf aber auf 62 Millionen Dollar zurück. Im jüngsten Quartal beliefen sich die Umsätze auf 16 Millionen Dollar, gegenüber 21,2 Millionen Dollar im ersten Quartal des Vorjahres.
Sonus hat noch nie einen Jahresüberschuß verzeichnet, auch wenn die Verluste in diesem Jahr voraussichtlich auf circa sieben Cents je Aktie zurückgehen sollen. Meiner Meinung nach wären die Anleger schlecht beraten, fast das 25fache der Umsätze und das 24fache des Buchwertes für diesen Titel zu bezahlen.
Align Technology
Align Technology liegt mit einem Plus von 384 Prozent auf Platz vier. Dieses in Santa Clara, Kalifornien ansässige Unternehmen richtet Zähne. Es stellt transparente Zahnspangen her.
Aligns Umsätze sind jetzt fünf Quartale in Folge gestiegen, und die Unternehmensverluste haben sich im letzten Quartal auf sieben Cents je Aktie verringert. Das ist alles schön und gut, aber beim 11fachen des Buchwertes und dem neunfachen der Umsätze würde ich ganz bestimmt nicht anbeißen.
Süßere Früchte
Die anderen sechs Gewinnertitel bis Anfang Juli sind XM Satellite Radio Holdings (378 Prozent), AQuantive (315 Prozent), MGI Pharma (283 Prozent), Dynegy (263 Prozent), Conexant Systems (250 Prozent) und Amkor Technology (247 Prozent).
AQuantive fuhr in seinen vier letzten Quartalen auf kumulativer Basis einen Gewinn von fünf Cents je Aktie ein. Die übrigen fünf Unternehmen schrieben rote Zahlen. Meiner Ansicht nach werden die meisten der diesjährigen Überflieger ihren Investoren bis zum Juli nächsten Jahres ordentliche Verluste bescheren.
Um die Tradition fortzusetzen, werde ich diese Titel dem Fudge Portfolio gegenüberstellen. Das Fudge Portfolio enthält die Aktien von vier Süßwaren- oder Kaugummifabrikanten: Hershey Foods, J.M. Smucker, Tootsie Roll Industries und William Wrigley . Ich wette, meine Süßwarenaktien werden süßere Früchte tragen als die Riege der Spitzenreiter.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |