27.02.2004 · Mit steigenden Börsen geraten die jüngsten Bilanzskandale leicht in Vergessenheit. John Dorfman von Bloomberg News nennt trotzdem Kriterien, die bei der Unternehmensbewertung Mißtrauen erwecken sollten.
Von John Dorfman, Bloomberg NewsHeutzutage - nach Skandalen wie im Fall von Enron oder WorldCom - stellen sich die Anleger häufig die Frage, ob die Gewinne eines Unternehmens wirklich so gut sind, wie sie zu sein scheinen. Auch wenn sie nie ganz sicher sein können, ist es durchaus möglich, die Chancen zu den eigenen Gunsten zu erhöhen.
Hier ist eine Liste mit 13 Anzeichen für überhöhte Gewinne. Mit einem Unternehmen, das diese Warnsignale aussendet, kann natürlich auch alles in bester Ordnung sein. Ich ziehe es jedoch vor, in Unternehmen zu investieren, auf die nur wenige oder keines dieser Kriterien zutreffen.
1. Bezahlt das Unternehmen Steuern?
Enron Corp., das 2001 Gläubigerschutz gemäß Chapter 11 beantragte, hatte 25.000 Mitarbeiter und war laut dem Magazin „Fortune“ eines der meistbewunderten amerikanischen Unternehmen. Nur Wenige wußten, daß Enron Verbindlichkeiten in enormer Höhe in dem Bilanzposten „Special Purpose Entities“ versteckte, also Unternehmen, die mit der Durchführung verschiedener Projekte betraut waren. Die Anleger hätten auch noch ein anderes Warnsignal wahrnehmen können. Von 1996 bis 1999 wies Enron seinen Aktionären gegenüber Gewinne von mehreren hundert Millionen Dollar aus. Dem Finanzamt gegenüber gab das Unternehmen jedoch an, es habe drei Milliarden Dollar aufgelaufene Verluste. Gesunde und profitable Unternehmen zahlen in der Regel Steuern.
2. Mißachtet das Unternehmen US-GAAP?
US-GAAP steht für Generally Accepted Accounting Principles. Das sind die amerikanischen Grundsätze ordnungsmäßiger Rechnungslegung, die vom Financial Accounting Standards Board, einem Selbstregulierungsorgan, festgelegt wurden. Leider halten sich viele Unternehmen nicht an US-GAAP. Wenn man feststellt, daß ein Unternehmen deutlich sichtbar Proforma- und Betriebsgewinne ausweist - und Gewinne nach US-GAAP in der Fußnote oder überhaupt nicht aufführt - sollte man das als Warnung nehmen. JDS Uniphase Corp. (JDSU) zum Beispiel machte 2001 einen Verlust von mehr als 50 Milliarden Dollar nach US-GAAP und schaffte es dennoch, einen Betriebsgewinn auszuweisen.
3. Nehmen die Vorräte laufend zu?
Wenn ein Unternehmen wesentlich größere Vorräte hat als im Vorjahr, sollte man sich fragen, warum das so ist. Vielleicht ist die Ware des Unternehmens nicht mehr in Mode, die Kunden haben Probleme mit dem Produkt oder der Markt für das Produkt ist kleiner als vom Unternehmen vermutet.
4. Steigen die Forderungen?
Forderungen sind Geld, das einem Unternehmen von jemandem - in der Regel von seinen Kunden - geschuldet wird. Wenn diese Position deutlich höher ist als im Vorjahr, kann das ein Warnsignal sein. Bedauerlich für den Lieferanten, dessen Kunden finanzschwach sind oder sich mit der Zahlung Zeit lassen, weil sie mit den Produkten oder dem Service des Unternehmens unzufrieden sind.
5. Wie sieht es mit der Dividende aus?
Unternehmen, die keine Dividenden zahlen, sagen in der Regel, daß sie das Geld anderweitig besser einsetzen können - für die Expansion des Unternehmens, den Bau neuer Anlagen oder den Rückkauf von Aktien zum Beispiel. Kann sein. Aber um Dividenden zu zahlen muß man Barauszahlungen leisten und vielleicht fehlen dem Unternehmen dafür einfach die liquiden Mittel.
6. Verkaufen Unternehmensangehörige ihre Aktien?
Wenn leitende Angestellte und Vorstände eines Unternehmens die Aktien ihres eigenen Unternehmens kaufen, halte ich das für ein gutes Zeichen. Verkaufen sie, ist das weniger gut. Natürlich können die Verkäufe darin begründet sein, daß sie Geld brauchen, um ihre Kinder aufs College zu schicken, ein Haus zu kaufen oder sich scheiden zu lassen. Aber eines ist sicher: Niemand verkauft Aktien, wenn er überzeugt ist, daß sie steigen werden.
7. Sind die außerordentlichen Aufwendungen allzu „ordentlich“?
Unternehmen klammern die Auswirkungen „außerordentlicher Aufwendungen“ bei der Berechnung ihrer Betriebsgewinne aus. Bei mißbräuchlicher Anwendung dieser Regelung können Unternehmen sämtliche Aufwendungen, die ihnen ungelegen kommen als „außerordentlich“ einstufen. Laut einem Bericht der BusinessWeek vom 24. März 2003 wies International Paper Co. in elf von zwölf der im Dezember 2002 endenden Quartale außerordentliche Aufwendungen aus. Ohne diese Anpassungen wäre der ausgewiesene Gewinn 46 Prozent niedriger ausgefallen.
8. Stehen Verkäufe von Betriebsgrundstücken oder Tochtergesellschaften an?
Wenn ein Unternehmen einen Unternehmensbereich oder eine Tochtergesellschaft verkauft, tut es das vielleicht, weil es der Unternehmensstrategie so besser entspricht. So würde es jedenfalls in den Pressemitteilungen des Unternehmens heißen. Es ist unwahrscheinlich, daß man zu hören bzw. lesen bekäme „Wir haben das Geld wirklich dringend gebraucht!“.
9. Spart das Unternehmen an der Forschung?
Ausgabenkürzungen im Bereich Forschung und Entwicklung können die Gewinne für ein Quartal oder sogar für einige Jahre positiv beeinflussen. Langfristig führen sie in den meisten Branchen zu einer rückläufigen Entwicklung.
10. Hat das Unternehmen die Investitionen drastisch zurückgefahren?
Kürzungen der Investitionen in neue Anlagen oder Ausrüstung können einem Unternehmen dabei helfen, „die Zahlen besser aussehen zu lassen“. Allerdings nur vorübergehend.
11. Werden die Umsätze richtig verbucht?
Nehmen wir einmal an, Sie haben ein Software-Unternehmen, das Software an eine Fluggesellschaft für deren Reservierungssystem liefert. Sie haben mit der Fluggesellschaft vereinbart, daß sie erst bezahlen muß, wenn eventuelle Programmfehler behoben sind und die Software zu ihrer Zufriedenheit funktioniert. Das sind voraussichtliche Umsätze, die noch nicht als Umsatz verbucht werden dürfen. Erst wenn die Produkte und Dienstleistungen geliefert bzw. erbracht sind und die Zahlung erfolgt oder ausreichend gesichert ist, darf der Umsatz verbucht werden.
12. Ist die Währung ausschlaggebend?
Es ist nichts Falsches an Gewinnen aufgrund von Währungsschwankungen, aber solche Gewinne versiegen in der Regel nach einem oder zwei Jahren. 2003 profitierten unter anderem Citigroup, Coca-Cola und General Motors vom schwachen Dollar. Ein großer Teil ihrer Umsätze wurde außerhalb der Vereinigten Staaten erzielt und in Dollar sahen diese Umsätze einfach nach mehr aus.
13. Gibt es versteckte Verbindlichkeiten?
Enron war das Paradebeispiel für versteckte Verbindlichkeiten. Wenn Verbindlichkeiten zu einer „Special Purpose Entity“ oder einem vermeintlich separaten Unternehmen verschoben werden, wirken sich die Kosten für das Bedienen dieser Verbindlichkeiten nicht unmittelbar auf die Gewinne aus. So oder so fallen diese Verbindlichkeiten letztlich trotzdem auf die Muttergesellschaft zurück.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |