Home
http://www.faz.net/-gv7-otyc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gastkommentar „Die Aktie von Fannie Mae ist ein klarer Verkauf“

21.05.2004 ·  Einmal im Jahr stellt Vermögensverwalter und Bloomberg Kolumnist John Dorfman Aktien vor, bei denen er auf fallende Kurse setzt. Im vergangenen Jahr ging die Strategie schief. Nun schlägt er neue Kandidaten vor.

Von John Dorfman, Bloomberg News
Artikel Lesermeinungen (0)

Da die Probleme im Irak noch lange nicht gelöst sind, die Terrorismusgefahr anhält und demnächst sehr wahrscheinlich auch noch die Zinsen steigen werden haben einige anspruchsvollere Anleger im April und im Mai ihre Leerverkäufe aufgestockt. So werden jene Positionen genannt, die auf fallende Kurse spekulieren.

Der Anleger leiht sich die Aktien von anderen und verkauft sie sofort an der Börse. Später kauft der die Aktien wieder und gibt sie zurück. War die Aktie in der Zwischenzeit gefallen, so könnte der Anleger die Differenz als Gewinn einstreichen.

„Leerverkäufe“ sind bei steigenden Kursen gefährlich ...

Der „Leerverkauf“ ist allerdings gefährlich, wenn man die eingegangenen Positionen nicht täglich überprüft. Denn wenn die Aktien entgegen der Erwartung steigen, kann man mehr verlieren als man ursprünglich eingesetzt hat. Dabei gibt es nach oben keine Grenze. Trotzdem verkaufe ich für einige meiner Kunden mit einer hohen „Risikotoleranz“ Aktien leer.

In den vergangenen drei Jahren habe ich jeweils im Mai einige Aktien genannt, die ich leerverkaufen wollte. Die ersten beiden „Listen“ fielen um 21 und 15 Prozent in den zwölf Monaten danach. Wer meinem Rat gefolgt ist, konnte einiges Geld verdienen. Der S&P 500 fiel in den zwei betrachteten Perioden um elf und 13 Prozent.

Im vergangenen Jahr hat diese Strategie allerdings versagt. Denn die betrachteten Aktien stiegen um 26 Prozent, währen der S&P 500 lediglich um 17 Prozent zulegte. Als „Short-Seller“ hätte ich fallende Kurse vorgezogen. Die Aktie der Apollo Gruppe legte um 57 Prozent zu, obwohl ich im vergangenen Mai dachte, sie sei überbewertet. Die Papiere der Four Seasons Hotels legten um 56 Prozent zu, obwohl die Aktie mit einem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von 46 und einem Kurs-Umsatzverhältnis (KUV) von 5,8 bewertet war. Das schien mir teuer zu sein in Zeiten, in denen die Reiseindustrie in Schwierigkeiten steckte. Ich dachte außerdem, die Feindseligkeiten im Irak würden die Gewinnentwicklung beeinträchtigen. Das taten sie auch, allerdings nur kurzzeitig.

... denn auch teure Aktien können mit dem Markt mitsteigen

Mit einem KGV von 68 und Kurs-Buchwert (KBV) von 46 schien mir auch die Aktie von Gilead Sciences überteuert zu sein. Aber sie legte von Mai bis Mai um 29 Prozent zu. Auch das Papier von Amylin Pharmaceuticals stieg um acht Prozent. Mein einziger Erfolg war die Weigt-Watchers-Aktie, die um 21 abspeckte, da das Gewinnwachstum abnahm. Der Wettbewerb von anderen Diätprogrammen, vor allem wohl der Atkins-Diät, mag dafür verantwortlich gewesen sein. Apollo, Four Seasons, Amylin und Weight Watchers war ich im vergangenen Jahr „short“. Die ersten drei kaufte ich mit etwas geringeren als den oben genannten Verlusten zurück. Weight Watchers bin ich immer noch short.

Wir wollen sehen, ob ich mit meiner diesjährigen Auswahl besser abschneiden kann. Meine „Kandidaten“ sind Ligand Pharmaceuticals, XM Satellite Radio Holdings, Moody's, Fannie Mae und Amylin.

Ligand stellt Schmerz- und Krebsmittel her. Das sich am besten verkaufende Produkt des Unternehmens ist das Schmerzmittel Avinza. Alle sechs Broker, sie sich mit der Aktie beschäftigen, empfehlen die Aktie zum Kauf. Ich bin anderer Meinung. Das Unternehmen ist seit dem Jahr 1992 an der Börse und in sämtlichen Jahren Verluste eingefahren. Das KBV liegt bei 22 und das KUV bei 8,6. Die Verschuldung liegt bei 287 Prozent des Eigenkapitals.

Neue „Verkaufskandidaten“: Gilead, XM, Moody's, Fannie Mae, Amylin

Die Aktie von XM hat ein KUV von 37 und ein KBV von 7,3. Das Unternehmen erzielt keinen Gewinn. In den vergangenen sieben Jahren fielen nicht nur Verluste an, sondern sie nahmen auch noch von Jahr zu Jahr zu. Ich habe die Aktien sowohl für Kunden als auch für das eigene Konto leerverkauft.

Moody's ist ein der zwei größten amerikanischen Ratingagenturen und veröffentlicht zusätzlich Finanzinformationen. Wenn in den Jahren 2004 und 2005 die Zinsen steigen, dann dürften Unternehmen weniger Anleihen ausgeben. Mit einem KGV von 25, einen KBV von 98, einem KUV von 7,5 und einer Verschuldung von 301 Prozent der Eigenkapitals scheint die Aktie eher hoch bewertet zu sein.

Fannie Mae wurde im Jahre 1938 als eine Abteilung der Regierung gegründet und im Jahr 1968 privatisiert. Das Unternehmen erwirbt von Banken Hypotheken, die zum Teil „verpackt“ und als Wertpapiere weiterverkauft werden. Da es insgesamt aber auf einem riesigen Berg von Hypotheken sitzt, muß es sich gegen steigende Zinsen absichern. Dazu nutzt es derivative Produkte. Das führt nach meiner Meinung zu ziemlich großen Risiken.

Zuletzt verkaufe ich wieder die Aktie von Amylin, obwohl diese Strategie im vergangenen Jahr fehlgeschlagen ist. Das Unternehmen, das Diabetesprodukte herstellt, ist seit dem Jahr 1992 an der Börse und hat seitdem Verluste produziert. Die Verschuldung liegt bei 620 Prozent des Eigenkapitals, die Bewertung ist himmelhoch: das KUV liegt bei 24 und das KBV bei 67. Ich habe nichts gegen diese fünf Unternehmen. Ich gehe allerdings davon aus, daß ihre Aktien eher fallen als steigen werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%