16.01.2001 · Obwohl die Biotechnologie-Aktien unter Druck stehen, ist Christian Garbe, Analyst bei der SZ-Bank überzeugt, dass die Branche auch in den kommenden Jahren zu den dynamischsten Wirtschaftszweigen zählt.
Von Christian Garbe, Biotechnologie-Analyst bei der GZ-BankDer Biotechnologiesektor ist schon seit 20 Jahren ein sehr volatiler Markt. Anfang des letzten Jahres noch freuten sich Besitzer von Biotechnologie-Aktien über atemberaubende Gewinne. Im Vergleich zu anderen Technologiewerten wie etwa den Internet-, Software- und IT-Anbietern konnten sich die Biotechnologieaktien lange dem Abwärtstrend in der New Economy entgegenstellen. Die Entwicklung seit Dezember zeigt jedoch , dass auch der Biotechnologiesektor unter Druck gerät.
An der Nasdaq haben die Biotechnologiewerte seit Mitte Dezember gemessen am Amex-Biotechnologie-Index und dem Nasdaq-Biotechnologie-Index rund 25 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Dies kam nach zwei Jahren satter Steigerungen. So hatte der Amex-Index 112 und 60 Prozent und der Nasdaq-Index Gewinne von 120 und 20 Prozent verzeichnet.
Zu den stärksten Verlierern zählen in den USA Unternehmen wie Protein Design Labs und Idec Pharmaceuticals. In Deutschland vollzog sich eine identische Entwicklung am Neuen Markt. Die Aktie von Qiagen, eines der namhaftesten Biotech-Unternehmen, gab wegen der zukünftigen Wachstumsaussichten stark nach.
Diese Entwicklung wirft zwei fundamentale Fragen auf: Einerseits müssen die Ursachen für die starke Aufwertung der Biotechnologieaktien in den vergangenen zwei Jahren identifiziert werden. Andererseits ist eine Prognose über die zukünftige Entwicklung des Sektors für die Investoren von zentraler Bedeutung.
Übertriebene Euphorie
Die Achterbahnfahrt der Biotechnologieaktien begann im letzten Jahr zunächst mit überschäumender Euphorie. Durch die Entschlüsselung des Human Genomes schien die Tür zu Milliardenmärkten geöffnet. Selbsternannte Biotech-Gurus setzten Kursziele für Unternehmen, die bei fundierter Betrachtung kritisch zu sehen waren. Die Aussicht auf lukrative Gewinne lockte jedoch die Investoren an und trieb die Biotech-Kurse nach oben. Aktienmärkte sind dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage ausgesetzt, die Frage nach einer angemessenen Bewertung spielt in Phasen der Übertreibung nur eine untergeordnete Rolle.
Bewertungsmodelle angreifbar
Zweifellos ist die Biotechnologie ein Innovationsschritt in der Entwicklung von Diagnostika und Pharmaka, der als ein Meilenstein gelten kann. Wissenschaftliche Erkenntnisse bedeuten aber nicht zwangsläufig unlimitierte Geldflüsse. Nur in den seltensten Fällen fallen Märkte vom Himmel. Vielmehr entstehen neue Businessmodelle in einem von der Pharmaindustrie institutionalisierten Marktumfeld. Eine Einschätzung über Erfolg und Misserfolg der neuen Businessmodelle erfordert einige Erfahrung im strategischen Geschäftsfeldaufbau und im operativen Geschäft. Die Anwendung der Discounted Cash Flow-Methode - oder neuerdings der Real Options-Methode zur Bewertung der Unternehmen ist nur Handwerkszeug, das entscheidend von den gesetzten Prämissen abhängt.
Fusionswelle steht bevor
Es besteht unter Fachleuten dennoch kein Zweifel: Die Biotechnologie wird in den kommenden Jahren eine neue Größenordnung erreichen und sich zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige entwickeln. In drei bis fünf Jahren könnten in den USA zahlreiche Biotechnologieunternehmen die Gewinnschwelle erreichen. Die Turbulenzen an den Börsen werden dazu führen, dass Fusionen und Akquisitionen die Landschaft innerhalb des Bio- und Gentechnologiesektors drastisch ändern wird. Es ist wahrscheinlich, dass im Laufe der Dekade bis zu 20 Unternehmen eine Größe erreichen werden, wie die beiden Biotech-Pioniere Amgen und Genentech. In der Zukunft könnten zu diesem Kreis Unternehmen wie Immunex, Millennium Pharmaceuticals, Human Genome Science aufschließen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |