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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Gastkommentar Aktie von Daimler-Chrysler wandelt auf schmalem Grat

 ·  Sprung über den langfristigen Abwärtstrend oder Fall unter den mittelfristigen Aufwärtstrend - diese Frage stellt sich bei der Aktie von Daimler-Chrysler. Mit entsprechenden Konsequenzen, so Charttechniker Wieland Staud.

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Wer Kimi und Coulthard fahren sieht, der darf sich an unsere Kicker erinnert fühlen. Denn das, was da vom einstigen "integrierten Technologiekonzern" und von der heutigen Weltautomobil AG auf die Piste geschickt wird, hat italienisches Format - bevor Schumi die Dinge in die Hand nahm.

Es gibt wohl wenige Aktien deutscher Unternehmen, deren Entwicklung mit demselben hochgradig emotionalen Interesse von einer breiten Öffentlichkeit verfolgt wird wie Daimler-Chrysler. Auch nach einem Jahrhundert steht weltweit ein Mercedes noch immer für das Ideal eines fahrenden Untersatzes made in Germany. Niemand wird aber ernsthaft bestreiten wollen, daß es unter dem guten Stern seit Jahren nicht mehr sonderlich rund läuft. Objektives Maß für dieses Scheitern ist die Kursentwicklung der Aktie. Zu Buche stehen erstens maximale Verluste in der Baisse von rund 75 Prozent und zweitens nur vergleichsweise bescheidene Zugewinne nach der Wende von momentan etwas mehr als 60 Prozent.

Schlechte Performance im direkten Vergleich mit Konkurrenten

Eine Entwicklung, die vor allem dann an Dramatik gewinnt, wenn man gleichzeitig einen Blick auf die Aktie des größten Konkurrenten wirft. BMW notiert gegenwärtig nicht etwa wie Daimler-Chrysler mehr als 60 Prozent, sondern nur 25 Prozent unter dem einst erreichten historischen Höchstkurs. Und auch das ist kaum zu glauben: Der Konkurrent von der Isar erreichte erst im Mai 2002 - mitten in der Baisse - sein bisher gültiges Rekordhoch. Daimler-Chrysler hingegen hatte schon ab der Jahresmitte 1999 an der allgemeinen Hausse überhaupt nicht mehr teilgenommen.

Damit aber genug lamentiert. Die wenig berauschende Vergangenheit liegt hinter und eine möglicherweise strahlende Zukunft vor uns. Am Tage der Bekanntgabe der De-facto-Trennung von Mitsubishi erreichte die Aktie von Daimler-Chrysler mit Kursen um 39,50 Euro ein erstes Mal den langfristigen Abwärtstrend und damit auch das im Februar genannte Erholungsziel. Gegenwärtig notiert sie nach der kleinen zwischenzeitlichen Schwäche erneut exakt auf dem Niveau des langfristigen Abwärtstrends. Man mag sich kaum ausmalen, was alles passieren könnte, wenn die Aktie den kritischen Wert von 38,50 Euro überspringen würde. Auf einen Schlag wäre das Jammertal auch analytisch durchschritten und die Aktie reif für einen echten Freudensprung. Dessen Ziel läge möglicherweise sogar binnen weniger Wochen minimal bei 44 Euro und im Idealfall sogar bei 50 Euro. Aber viel wichtiger noch: Daimler-Chrysler würde damit auch per definitionem wieder in einem langfristigen Aufwärtstrend notieren. Damit wäre der Weg nach oben für noch deutlich höhere langfristige Ziele geebnet und Kimi und Juan-Pablo wieder eine Wette wert.

Aktie vor kritischer Phase

In den vorangegangenen Sätzen taucht ungewohnt oft, aber leider berechtigterweise der Konjunktiv auf. Das muß so sein, weil der Boden für den Bruch dieses Trends analytisch zwar bereitet ist. Was aber fehlt, ist der Vollzug. Unangenehmer noch: Schaut man ein zweites Mal auf den Kurs der Aktie, dann wird klar, daß sie momentan auf einem ziemlich schmalen Grat wandelt. Nur zweieinhalb Euro unter dem langfristigen Abwärtstrend wartet mit dem mittelfristigen Aufwärtstrend eine ebenso kritische Zone auf die Aktie. Sollte dieser Trend mit Kursen unter 36 Euro unterschritten werden, dann kehren sich die Vorzeichen binnen Minuten um, und die Bullen müßten nolens volens für längere Zeit den Bären das Feld überlassen. Denn dann stünden Kurse um 32 Euro und vielleicht sogar noch darunter ziemlich sicher auf dem Dienstplan.

Unterstützung erhält diese "Am-Scheideweg-Einschätzung" von den Charts der beiden anderen großen Autoaktien. Gelingt BMW und VW kurzfristig noch ein Zugewinn von 2 bis 3 Prozent, dann, aber eben auch nur dann hat die letztgenannte das Tal der Tränen erst einmal hinter sich (Kursziel: 39 Euro), und BMW kann sich Richtung 41,50 Euro orientieren.

Der gewohnt kurze Blick auf den Deutschen Aktienindex Dax: Nach der auch analytisch zufriedenstellenden Entwicklung der ersten drei Juniwochen schwächelte er zu Wochenbeginn mal wieder kräftig. Das ist zwar keine Entwicklung, die grundsätzlich Anlaß zu größerer Sorge gibt, und auch nichts, das die weiter gültige Kurszielspanne von 4400 bis 4500 Punkten in Frage stellt; aber schon ein beachtenswerter Hinweis darauf, daß es gilt, die Dinge mit erhöhter Aufmerksamkeit zu verfolgen, um dann, wenn es darauf ankommt, die Reißleine zu ziehen. Der analytische Stoppkurs notiert unverändert auf der vor drei Wochen vorgestellten Marke von 3726 Punkten. Darunter wäre selbst in dieser Verfassung die deutsche Nationalmannschaft oder McLaren-Mercedes die bessere Wahl.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2004, Nr. 145 / Seite 24
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