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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Gastbeitrag Aktien-Schätze im Internet

19.05.2006 ·  Fondsmanager Ryan Jacob konzentriert sich auf eher unbekannte Internet-Aktien, die einerseits werthaltig sind und andererseits Wachstumspotential bieten. Hier einige von ihm beobachteten Werte.

Von Timothy J. Mullaney, Business Week
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Der von Ryan Jacob gemanagte Jacob Internet Fund gehört zu den wenigen Fonds, die ausschließlich auf Internetaktien setzen. Sein Wert steigt, wenn diese Papiere gerade begehrt sind, und sinkt, wenn sie nicht gefragt sind. In der jüngsten Zeit hat der Fonds mit einem Volumen von 125 Millionen Dollar eine günstige Entwicklung verzeichnet: im laufenden Jahr hat er um 13 Prozent und in den vergangenen zwölf Monaten um 50 Prozent zugelegt.

Der 36jährige Fondsmanager, der Ende der neunziger Jahre zum Medienstar wurde und Ende 1999 direkt vor dem Markteinbruch seinen eigenen Fonds auflegte, tendiert zu unbekannteren Unternehmen. Auf den ersten Blick wirkt die Zusammensetzung des Fonds uneinheitlich und fast so, als ob nur kleine Tüftelunternehmen vertreten seien, bei denen keine nennenswerten Ereignisse zu erwarten seien. Die fünf größten Positionen sind CDC, WebMethods, Sohu.com, Google und Yahoo. Des weiteren hält der Fonds Anteile an Napster, der Internet-Pokerseite Partygaming und iVillage, das in Kürze von NBC Universal übernommen werden soll.

Regelmäßige Gewinne

Im persönlichen Gespräch kann Jacob überzeugende Gründe dafür vorbringen, daß er auf werthaltige, unbekannte Aktien setzt. Von den 25 größten Positionen wurden, so Jacob, zehn nach Wertgesichtspunkten ausgewählt. Häufig, wie bei Napster, war der Grund, daß ihr Marktwert zum großen Teil auf in der Bilanz vorhandenen Barwerten beruht. Bei den übrigen 15 Positionen handelt es sich eher um Wachstumswerte, wie man sie in einem Internetfonds erwarten würde. „Wir haben versucht, werthaltige und wachstumsorientierte Papiere zu mischen, damit uns nicht wieder so etwas passiert wie 2000 und 2001“, erläutert Jacob.

Der Einbruch bei Internetaktien hat ihn gelehrt, Gewinne eher mitzunehmen und bei Verlusten früher auszusteigen. „Ich bin mir nicht sicher, ob man seine Aktien in einem volatilen Markt wirklich längerfristig halten sollte“, führt er aus. Zwar liegt er nicht immer richtig - das tut niemand -, aber angesichts der Tatsache, daß er seit fünf Jahren jährlich Renditen von knapp 14 Prozent erzielt, sollte man seine Argumente durchaus ernst nehmen. Jacob konzentriert sich derzeit auf die folgenden fünf Investitionen bzw. Themenkreise:

1. Jacob kauft Google und Yahoo

Seit das Internet existiert, weisen die führenden Unternehmen der Branche wie Ebay, Amazon.com und Google die höchsten Kennzahlen auf. Nach Auffassung von Jacob ist dies jedoch nicht mehr der Fall, da Nischenwerte wie aQuantive und Netflix inzwischen bessere Kennzahlen haben. Google handelt derzeit bei rund 371 Dollar, also dem 39fachen des für dieses Jahr geschätzten Gewinns pro Aktie von 9,45 Dollar. Jacob hält diesen Kurs für attraktiv. „Viele sind der Auffassung, wir sollten im Hinblick auf Google vorsichtiger sein. Aber bisher kommt niemand an dessen Marktstellung heran“, erläutert er. „Google war im Jahr 2005 unser größter Fehler - unsere Position war zu klein.“

Löst das Thema Klickbetrug, das den Analysten Anlaß zu Befürchtungen gibt, bei ihm keine Besorgnis aus? Nicht besonders, sagt Jacob, da die Vergabe der Suchwerbeplätze im Auktionsverfahren den Klickbetrug recht wirksam bekämpfe. Darüber hinaus sei nicht gewiß, welcher prozentuale Anteil der Klicks auf suchbezogene Werbebanner tatsächlich von Wettbewerbern oder Betrügern komme, die die Werbekosten durch tausendfaches Klicken auf das Banner nach oben treiben wollen, so daß der Werbende für die Hits zahlen muß, obwohl niemand Ware von ihm kaufen will.

„Wenn es so schlimm wäre, wüßten die Werbetreibenden ja, daß es nicht funktioniert“, meint Jacob. Nach seiner Auffassung zeigt das rasche Wachstum der Unternehmen, daß Werbetreibende, die genau nachvollziehen können, wie kostengünstig Suchwerbung ist, sie immer noch für attraktiv genug halten, um darauf zu setzen.

2. Napster schafft es dieses Mal

Napster, die ehemalige Musiktauschbörse im Internet, wurde im Jahr 2001 von Musikkonzernen in den Bankrott getrieben, die sie beschuldigten, sie begünstige Produktpiraterie. Seither wurde sie als legale Plattform für kostenpflichtige Downloads und beworbene Hörbeispiele wieder eröffnet. Hier liegt Napster weit hinter der Seite iTunes von Apple Computers zurück. Und Napster verbrennt weiterhin Geld.

Jacob hat Napster in diesem Jahr in den Fonds aufgenommen und inzwischen drei Prozent des Fondsvermögens darin investiert, weil das Unternehmen über rund 103 Millionen Dollar Bargeld und kurzfristige Vermögenswerte sowie eine Marktkapitalisierung von 167 Millionen Dollar verfügt. Rund 600.000 Abonnenten zahlen den kostenpflichtigen Premium-Service, am 1. Mai wurde die werbefinanzierte Plattform freigeschaltet. Darüber hinaus hat Napster seine Cashflow-Verluste in den vergangenen Quartalen verringert, was Jacob hoffen läßt, daß das Unternehmen bald rentabel wird.

„Es handelt sich um ein Nischenunternehmen, das sich nur an die 25 Prozent des Marktes richtet, die nicht von Apple abgedeckt werden“, gibt Jacob zu. „Angesichts der Werthaltigkeit sind die Abwärtsrisiken jedoch begrenzt.“ Jacob argumentiert, Napster werde voraussichtlich übernommen, wenn es nicht rentabel genug werde, um unabhängig zu bleiben.

3. Das Internet in China entwickelt sich gut

Jacob kennt all die Gründe, warum sich zahlreiche Anleger vom chinesischen Internet fernhalten: nicht prognostizierbare Umsätze, noch weniger prognostizierbares Verhalten der chinesischen Regierung und sich rasch ändernde Geschäftsmodelle, aufgrund derer zunächst attraktive Aktien wie der Online-Spielehänder Shanda Interactive Entertainment oder der Stellenmarkt 51job von einem Tag auf den anderen abstürzen. „Bei Shanda habe ich mir die Finger verbrannt“, gibt er zu. Drei seiner sechs größten Positionen sind immer noch chinesische Internetaktien, und kürzlich hat Jacob Anteile an der chinesischen Suchmaschine Baidu.com gekauft. Warum? „Dies ist zweifellos ein Wachstumsmarkt, und wir gehen davon aus, daß all diese Unternehmen davon profitieren werden“, erklärt er.

Er findet CDC attraktiv, weil die Marktkapitalisierung von 500 Millionen Dollar durch 200 Millionen Barmittel gestützt wird. Die Beteiligung des Unternehmens an einem Internetmedien- und Spielkonzern, der an der Hongkonger Börse mit rund 350 Millionen Dollar bewertet wird, interessiert ihn. CDC verfügt auch über eine Abteilung für Unternehmenssoftware, die sich auf Übernahmen in den Bereichen Ressourcenplanung für Unternehmen und Customer Relationship Management stützt. Dieser Zweig werde vom Markt anscheinend kaum beachtet, so Jacob. Die Softwarebereiche entwickelten sich zwar nicht übermäßig günstig, sind seiner Auffassung nach jedoch unterbewertet.

Wenn sich CDC von seinem Softwaregeschäft trennen würde, was das Unternehmen nach eigener Aussage erwägt, sollte der Wert des Unternehmens nach Auffassung von Jacob deutlicher zutage treten, so daß der Aktienkurs steigen sollte. „Beide Unternehmensbereiche sind gerade so rentabel, und das Mediengeschäft im Internet wächst rasant“, sagt Jacob.

4. Kleine Softwareaktien sind attraktiv

„Im Wachstumsbereich unseres Portfolios sind wir insbesondere im Bereich Internetwerbung und Medien optimistisch, im werthaltigen Bereich erscheinen uns dagegen Softwareunternehmen mit geringer Marktkapitalisierung am attraktivsten“, führt Jacob aus. So ein Unternehmen ist zum Beispiel Webmethods, das Jacob für attraktiv hält, weil die Marktkapitalisierung von 500 Millionen Dollar durch rund 135 Millionen Dollar Barmittel gestützt wird.

Webmethods stellt Software zur Integration und Optimierung von Geschäftsprozessen her. Das Unternehmen schrieb im vergangenen Geschäftsjahr, das im März endete, zum ersten Mal schwarze Zahlen, und für das laufende Jahr wird ein Gewinn von 38 Cents pro Aktie prognostiziert. Damit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die Aktie bei 24.

5. Keine Angst vor einer Blase

Jacob kann über die Auffassung, der Internetsektor befinde sich im Anfangsstadium einer neuen Blase. Skeptiker führen an, daß viel Wagniskapital in Netzwerk-Internetseiten wie MySpace.com oder Blogs fließt und auch finanziell unsichere Unternehmen wie Vonage oder Alien Technology an die Börse gebracht werden sollen.

„Man kann zwar die Multiples für diese Auffassung ins Feld führen, die Lage ist aber ganz anders“, sagt er. „Die Unternehmen wachsen in einem ansprechenden Tempo, und auch Margen und Betriebsgewinne sind vorhanden.“ In Wirklichkeit sei an ganz anderen Märkten eine Blase festzustellen. „Wir bekommen nicht genügend Aufmerksamkeit, weil wir nicht Gold oder Zink halten.“

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