22.09.2005 · Der BVB siegt wieder - zumindest am vergangenen Spieltag. Weniger erfolgreich verlief das Geschäftsjahr. Bevor die BVB-Aktie Erfolge feiert, muß Dortmund wohl erst die Champions League gewinnen.
2:0 - endlich mal wieder ein klarer Sieg für die wahrlich schon lange nicht mehr erfolgsverwöhnte Dortmunder Borussia. Und schon werden Hoffnungen wach: Der baumlange Stürmer Jan Koller, der den Verein zum Ende der Saison verlassen wird, will versuchen die Gelb-Schwarzen „möglichst in den Uefa-Cup zu schießen“.
Das wäre auch ein Wunschtraum der finanzielle Verantwortlichen des Vereins. Denn die zusätzlichen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben werden dringendst gebraucht. Das verrät allein ein Blick auf die am Mittwoch vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2004/2005.
Rekordergebnis mit falschem Vorzeichen
Borussia Dortmund hat wieder einmal ein Rekordergebnis eingefahren. Allerdings trägt es die falschen Vorzeichen. 78,7 Millionen Euro Verlust hat der Verein verzeichnen müssen, nachdem er die Teilnahme an einem lukrativen internationalen Wettbewerb verfehlt hat. Das waren 16,6 Prozent mehr als im Vorjahr und lag sogar über dem Umsatz der KGaA, der wegen der Mindereinnahmen aus der Fernsehvermarktung und im Kartenverkauf um 22 Prozent auf 73,9 Millionen Euro zurückging.
Die Erlöse aus Kartenverkäufen sanken um 14 Prozent auf 17,5 Millionen Euro, die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung gleich um 23 Prozent auf 26,4 Millionen. Transfererlöse fielen so gut wie keine mehr an. Nach 13 Millionen im Vorjahr wurden im vergangenen Geschäftsjahr nur noch 729.000 Euro verbucht. Das Merchandising brachte zehn Prozent weniger ein, lediglich die Sponsoren drückten mit 26,4 Millionen Euro zwei Prozent mehr ab als im Vorjahr.
Als ob diese Zahlen nicht schon schlimm genug wären, hatten die Verantwortlichen noch mehr Negatives auf der Pfanne. So fielen einmalige Aufwendungen für Markenwertrisiken in Höhe von 24 Millionen Euro an. Das kann letztlich nur bedeuten, daß die ausbleibenden sportlichen Erfolge auch auf den Wert der Marke durchschlagen. Gerade die will Geschäftsführer Hans-Joachim jetzt besonders vermarkten, vorzugsweise die Namensrechte. Das Unternehmen sei sich noch nicht mit einem konkreten Partner einig, „aber wir sind mit einigen Interessenten in Gesprächen.“
Spielergehälter sollen weiter sinken
Außerdem hat der BVB seine kompletten Rücklagen von 150,2 Millionen Euro aufgelöst, um die Verluste der beiden vergangenen Jahre auszugleichen. Auch danach blieb ein Bilanzverlust von 1,8 Millionen Euro. Operativ hofft die Geschäftsführung nach früheren Angaben 2005/06 auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Damit steht die Borussia jetzt praktisch nackt da. Sportliche Mißerfolge und weiter sinkende Erlöse könnten den Verein im kommenden Geschäftsjahr vor nicht mehr zu bewältigende Probleme stellen.
Immerhin sind die bilanziellen Verbindlichkeiten auf 89 von 118,2 Millionen Euro gesunken. Dies, so die Geschäftsführung, sei ein weiteres Indiz für die erfolgreiche Umsetzung des Sanierungskonzeptes. Das soll auch insofern weiter geführt werden, als die Personalkosten für den Lizenzspieler-Kader weiter gesenkt werden. Statt 36,6 Millionen Euro will die Borussia in der laufenden Saison nur noch 26,7 Millionen Euro für die Gehälter von Rosicky & Co. ausgeben.
Ob das Sanierungskonzept den Verein auf die Erfolgsspur bringen wird, darf bezweifelt werden. Zu befürchten ist, daß die Gehaltseinsparungen dazu führen, daß sich der Kader qualitätsmäßig weiter ausdünnt. Jan Koller wird gehen und Rosicky steht schon lange auf der Verkaufsliste. Unter diesem exorbitanten Druck spielt es sich auch nicht gut Fußball. Bleiben Erfolge weiter aus, könnte der Umsatz weiter zurückgehen. Ob dann das finanzielle Gleichgewicht erreicht wird, ist offen.
„Nicht auf dem Weg zur grauen Maus“
Mit einem völligen Scheitern der Sanierungsbemühungen ist dann zu rechnen, wenn die Sparmaßnahmen den Abstieg aus der ersten Bundesliga bewirken sollten. Dann wäre im Ernstfall ein Lizenzverlust möglich und Dortmund würde womöglich das Schicksal des ebenfalls gelb-schwarzen, früheren Bundesligisten Dynamo Dresden teilen, der 1995 aus der 1. Liga zunächst in die Regionalliga absteigen mußte, zwei Jahre in der Oberliga verbrachte und erst nach rund zehn Jahren den Weg zurück in den bezahlten Fußball schaffte.
Doch soweit ist es nun wirklich (noch) nicht. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht den BVB trotz der prekären wirtschaftlichen Lage noch nicht einmal „auf dem Weg zur grauen Maus“. Der Klub wolle, ähnlich wie in den vergangenen Jahren Werder Bremen, mit kluger Personalpolitik den Absturz ins Mittelmaß verhindern. „Neue Schulden zu machen, wäre jedoch lächerlich“, sagt der Geschäftsführer. Auch Watzke hofft jedoch, außerordentliche Erlöse erzielen zu können. „Die Qualifikation für den Uefa-Pokalwettbewerb der nächsten Saison habe ich weiter auf dem Schirm.“
Die Anleger haben die Borussen-Aktie jedenfalls schon lange nicht mehr auf dem Schirm. Das Allzeithoch erreichte das Papier am Tag des Börsenganges vor rund fünf Jahren bei 10,05 Euro. Seitdem ist es nur abwärts gegangen. Im Januar fiel die Aktie auf ihr Allzeittief von 1,87 Euro. Nach der Akzeptanz des Sanierungskonzepts im Februar schoß der Kurs noch einmal auf 2,87 Euro hoch, fiel dann aber rasch wieder und notiert aktuell bei 2,25 Euro. Charttechnisch ist die Aktie nicht viel wert. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei rund 0,6. Damit ist das Papier zwar nicht allzu teuer bewertet. Doch was eine Fußball-Aktie eher als Bewertungszahlen braucht, um an der Börse Erfolge feiern zu können, sind Tore und Siege auf dem Platz - Fußball ist eben viel Emotion und eher weniger Kalkül.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |