Gleich zwei Unternehmen werben um die Gunst der Aktienanleger an der Frankfurter Börse. Dabei hat das laufende Jahr bisher enttäuschend wenig Börsengänge gebracht (siehe Kasten). Die Hess AG, ein Hersteller von Außen- und Architekturbeleuchtung in Villingen-Schwenningen, hat am Montag Details zum geplanten Börsengang genannt. Zudem strebt die Schweizer Immobiliengesellschaft Peach Property mit ihrem deutschen Ableger an die Frankfurter Börse. In der vergangenen Woche hatte die größte deutsche Wohnimmobilien-Gesellschaft, die Deutsche Annington Immobilien AG, ihren Börsengang angekündigt.
Anleger können im Rahmen einer Kapitalerhöhung 2,3 Millionen Hess-Aktien in der Preisspanne von 20 bis 23 Euro zeichnen, die an der Frankfurter Börse vom 19. Oktober an gehandelt werden sollen. Zusätzlich bietet das Unternehmen eine mögliche Mehrzuteilung von 345.000 Aktien aus dem Eigentum der Gründerfamilie Hess an. Der erhoffte Bruttoerlös des Börsengangs liegt damit zwischen 46 und 53 Millionen Euro.
Hess plant vorerst keine Dividende
Sollten alle Hess-Aktien plaziert werden, wird dies die Aktionärsstruktur stark verändern. Bisher befindet sich Hess zu 71,4 Prozent im Besitz der Familie. Die Private-Equity-Gesellschaft HPE Pro Institutional Fund P.V. hält seit dem vergangenen Jahr die restlichen 28,6 Prozent der Anteile. Nach dem Börsengang werden sich 50,7 Prozent der Anteile in Streubesitz befinden, während sich die Beteiligung von Hess auf 33,3 Prozent und die von HPE Pro auf 16 Prozent reduziert. Eine Dividende soll für die Geschäftsjahre 2012 und 2013 nicht gezahlt werden.
Gegründet im Jahr 1948 als Gießerei, zählt das Unternehmen heute etwa 360 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in rund 50 Ländern. Über Emdelight, die seit diesem Jahr zu Hess gehört, war das Unternehmen unter anderem an der Beleuchtung des Commerzbank-Turms in Frankfurt beteiligt. Christoph Hess führt Hess seit dem Jahr 2007 in dritter Generation. Den Erlös aus dem Börsengang will er in den Ausbau des internationalen Vertriebs, die Markterschließung von Schwellenländern und die Weiterentwicklung der LED-Technologie investieren. Damit, sagt Hess, passe man sich an ein Marktumfeld an, das neben höherem Energiebedarf von strengerer Regulierung bestimmt werde. Allein in Europa müssten wegen unterschiedlicher Leuchtmittel-Verbote bis 2015 rund 18 Millionen Leuchten ausgetauscht werden.
In den nächsten Wochen will auch der Schweizer Immobilienentwickler, Peach Property Group AG, seine deutsche Tochtergesellschaft an die Börse bringen. Dabei will das Unternehmen wohl auch vom neu erwachten Interesse an Wohnimmobilien in Deutschland profitieren. Peach Property hat sich auf den Luxusmarkt spezialisiert und bezeichnet sich als zweitgrößten Anbieter in der Bundesrepublik. Beim Börsengang der deutschen Tochtergesellschaft zielt das Unternehmen mit Sitz in Zürich auf den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Dabei soll nach eigenen Angaben eine Aktienminderheit plaziert werden. Details sollen im Börsenprospekt genannt werden, teilte Peach Property auf Anfrage mit. Dasselbe gilt für den angestrebten Emissionserlös.
„Streben nach nachhaltigem Mehrwert“
Peach Property ist in Deutschland durch die Objekte „Yoo Berlin“ und „Harvestehuder Weg 36“ in Hamburg bekanntgeworden. Neben Neubauten zielt das Unternehmen im Weiterverkauf auf sanierte Liegenschaften und auf den Kauf und Unterhalt ganzer Wohnungsbestände. Ein bekanntes Sanierungsprojekt ist die ehemalige Zentrale des Stahlkonzerns Hoesch in Dortmund. Laut Thomas Wolfensberger, Chief Executive Officer der Unternehmensgruppe in Zürich, sollen die erwarteten Mittel aus dem Börsengang dem weiteren Ausbau der „Pipeline“ und der Beschleunigung des Wachstums in Deutschland dienen. Für das erste Halbjahr nennt die Pressemitteilung einen Nettogewinn von 3,4 Millionen Euro, der den Wert von 2011 übertreffe.
Vor der deutschen Gesellschaft war die schweizerische AG im November 2010 an die Börse Zürich gegangen. Diese Aktienplazierung brachte den Anlegern aber trotz des boomenden Immobiliengeschäftes im Kernmarkt Schweiz bisher eine herbe Enttäuschung. Der aktuelle Kurs liegt mit 14,50 Franken zwar über dem bisherigen Tief von 10,30 Franken. Aber der Ausgabepreis vor knapp zwei Jahren hatte 32 Franken betragen. Auf Anfrage verweist das Management auf die „langfristige Ausrichtung“ und das „Streben nach nachhaltigem Mehrwert“. Oliver und Thomas Wolfensberger sind mit zusammen 35,5 Prozent die größten Aktionäre. Im vergangenen Jahr entstand in der Gruppe ein Verlust von 11 Millionen Franken.
Den Börsengängen von Hess und Talanx dürften bis zum Jahresende in Deutschland kaum noch weitere folgen. Das ist aus Investmentbanken zu hören. Ein Grund ist die mehrmonatige Vorbereitung eines solchen Projekts, das sich auch bei guter Börsenverfassung nicht schnell realisieren lässt. Überdies hätte die aus Sicht der neuen Anleger missratene Börseneinführung von Facebook und das Hin und Her um den Börsengang von Talanx für negative Publizität gesorgt.
Zumindest für größere Börsengänge ist weniger die Stimmung in Deutschland als die Stimmung in London entscheidend, wo die Preise oft „gemacht“ werden. Deutsche Anleger – ob große oder kleine – interessieren sich oft wenig für Aktien, und so sind Plazierungen am deutschen Markt häufig vom Wohlwollen ausländischer Großanleger abhängig. (gb.)