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Flughafenbetreiber Recht teure Fraport-Aktie dürfte von Paket-Verkauf profitieren

27.10.2005 ·  Der Bund trennt sich von seiner Beteiligung an der Fraport AG. Dadurch erhöht sich die Zahl der frei handelbaren Aktien erheblich. Der Titel wird für ausländische Investoren attraktiver, sagen Analysten. Er ist zwar recht teuer, hat aber einen Lauf.

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Nicht immer wird eine an sich gute Nachricht an der Börse auch umgehend mit Kursaufschlägen belohnt. So geschehen am Mittwoch bei Fraport: Der Bund hat seinen Anteil von bisher 18,2 Prozent an dem Unternehmen größtenteils veräußert. Dergleichen wird unter Investoren grundsätzlich gutgeheißen. Gleichwohl gab die Aktie im Verlauf bis zu 4,3 Prozent ab, erholte sich aber zum Teil wieder und ging mit einem Minus von lediglich 0,8 Prozent bei 39,73 Euro aus dem Handel. Die Umsätze mit Fraport-Anteilen waren gut zehnmal höher als sonst.

Die im Mittelwerteindex MDax gelistete Aktie kostet trotz der seit Anfang Oktober erlittenen Kursverluste noch 11,4 Prozent mehr als am Ende des ersten Handelstages im Juni 2001 und 39 Prozent mehr als vor einem Jahr. Mithin hat sich das Papier binnen Jahresfrist besser entwickelt als der MDax, der wiederum den Dax abgehängt hat.

Und Besitzer des Papieres dürfen angesichts des nun erhöhten Streubesitzes auf eine weiterhin ordentliche Entwicklung hoffen. Denn Fraport-Chef Wilhelm Bender hat diese Woche erst die Umsatz- und Gewinnprognose bestätigt, derzufolge die Erlöse um drei Prozent und das Ergebnis um fünf bis zehn Prozent steigen sollen. Der Titel ist zwar höher bewertet als der MDax und auch im Branchenvergleich teurer - doch das stört Anleger bisher nicht. Und der Trend stimmt.

HVB: Aktie wird durch Paketverkauf attraktiver

Die Verkauf der vom Bund gehaltenen Anteile an dem Flughafenbetreiber wird das Unternehmen an der Börse attraktiver machen, besonders für nordamerikanische Anleger, wie die Hypo-Vereinsbank in München meint. Begründung: Das Gewicht im MDax und die Umsätze mit Fraport-Aktien werden steigen, so die Analysten weiter. Gleichwohl empfehlen sie das Papier nicht zum Kauf. Denn der von der Bank errechnete faire Wert liegt bei 37 Euro.

Ähnlich argumentiert Helaba Trust. Auch das Frankfurter Institut sieht das Papier als zu teuer an und blickt dabei nach Großbritannien: Der aktuelle Bewertungsaufschlag zum britischen Flughafenbetreiber BAA plc, der ähnlich günstige Wachstumsperspektiven habe, sei zu hoch. Zum Vergleich: Die Fraport-Aktie kostet fast das 21fache des in diesem Jahr erwarteten Gewinns, das BAA-Papier lediglich das 14,4fache.

LRP: Notiz dürfte wieder steigen

Das Bankhaus M.M. Warburg in Hamburg rät dagegen frisch zum Kauf der Fraport-Aktie. Durch den Verkauf des Bundes-Pakets erhöhe sich die Zahl der handelbaren Aktien, was grundsätzlich gut sei. Zudem sei bis 2011 nicht mit weiteren ähnlich großen Verkäufen zu rechnen, da das Land Hessen und Frankfurt die Mehrheit an dem Konzern bis zu jenem Jahr halten müßten, sagte Analyst Nils Machemehl dieser Zeitung. Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz beurteilt den Verkauf der Bundes-Anteile als vorteilhaft. Der Kurs dürfte in den nächsten Tagen wieder steigen, wenn der Markt die abgegeben Stücke aufgesogen habe, sagte Hellgren voraus.

Unter dem Strich wirkt Fraport als komfortable Halte-Position. Die Bewertung stellt einen Risikofaktor dar - zumal die erwartete Dividendenrendite von 2,26 Prozent ordentlich, aber keineswegs überragend ist. Wer spekulativ veranlagt ist, wettet auf den positiven Effekt des erhöhten Streubesitzes.

Ob der Titel aber so bald seinen Bestwert wieder erreichen kann, wird sich weisen. Das Rekordhoch steht bei 43,30 Euro und datiert vom 4. Oktober dieses Jahres. Um diese Region zu erklimmen, muß die Notiz über die vom Zwischenhoch vom August gebildete technische Hürde bei 39,75 Euro klettern. Vorbörslich wird die Aktie beim Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz zu 39,39/39,87 Euro gestellt, also etwas tiefer als beim Handelsschluß am Mittwoch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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