Auf dem Frankfurter Flughafen geht es aufwärts. Der Betreiber Fraport hat im November einen deutlichen Anstieg der Passagierzahlen verbuchen können. Damit setzte sich die Erholung der Nachfrage, die wegen des Irak-Krieges und der Lungenkrankheit Sars im Frühjahr zurückgegangen war, fort. Zudem ist das Frachtaufkommen gestiegen.
Von dem Anstieg der Zahlen von Menschen, die vom Rhein-Main-Flughafen in den Urlaub oder zur Geschäftsreise abheben sowie vom vermehrten Umschlag von Frachtgütern hat die Aktie von Fraport indes nicht profitiert. Am Donnerstag gab sie gegen den allgemeinen Trend um 0,22 Prozent auf 22,65 Euro nach. Zudem hat sie sich in den vergangenen Wochen meist seitwärts mit Blick nach unten bewegt. Dies dürfte auch vorerst so bleiben.
Transatlantikflüge wieder mehr gefragt
Insgesamt seien am Frankfurter Flughafen im November rund 3,8 Millionen Fluggäste abgefertigt worden, fünf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, teilte der im MDax gelistete Flughafenbetreiber am Freitag mit. Vor allem Reisen nach Nordamerika, Fernost und Afrika seien gefragt gewesen. Das Passagieraufkommen von Januar bis November habe in Frankfurt mit rund 44,9 Millionen nur noch um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen, was auch auf die Folgen der im Frühjahr vor allem in Asien und Kanada grassierenden Lungenseuche Sars zurückzuführen ist. „Mit dieser positiven Entwicklung konnte nach dem Irak-Krieg und den Auswirkungen von Sars niemand rechnen", erklärte Fraport-Chef Wilhelm Bender laut Reuters. Bender erwartet für das Gesamtjahr ein Minus von höchstens 0,5 Prozent.
Auch bei der Luftfracht konnte Fraport im November einen Zugewinn verbuchen. Das Frachtaufkommen habe sich um 3,2 Prozent auf 147.110 Tonnen erhöht. Insbesondere ausgeweitete Angebote nach Asien, Zentral- und Südafrika sowie Mittelamerika hätten deutliche Zuwächse gebracht. Von Januar bis November seien insgesamt über 1,4 Millionen Tonnen Luftfracht umgeschlagen worden, ein Plus von zwei Prozent gegenüber 2002.
Fraport sieht stabile Ertragslage
Für das Gesamtjahr 2003 rechnet der Flughafenbetreiber mit einer stabilen Ertragslage. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll auf Vorjahreniveau liegen; 2002 hatte Fraport knapp 242 Millionen Euro erreicht, doch unter dem Strich stand ein Verlust von 120 Millionen Euro. Nachdem die Gewinnbeteiligung der Aktionäre wegen des Scheiterns eines Terminal-Projektes in Manila und daraus resultierenden Abschreibungen in Höhe von 290 Millionen Euro zuletzt ausgefallen war, will Fraport für 2003 wieder eine Dividende zahlen. Im nächsten Jahr will Fraport den Betriebsgewinn um fünf bis zehn Prozent steigern und rechnet wegen einer Erhöhung der Landegebühren auch mit einem um fünf Prozent höheren Umsatz.
Insofern geben die aktuellen Zahlen zur Geschäftsentwicklung und der Ausblick durchaus Anlaß zur Hoffnung. Daraus einen baldigen Höhenflug der Fraport-Aktie abzuleiten, wäre indes voreilig. Denn mittelfristig steht und fällt die Attraktivität des Frankfurter Flughafens nicht zuletzt mit der Frage, ob die gewünschte Landebahn wie geplant gebaut werden kann. Zweifel sind erlaubt, da die Europäische Kommission vor einigen Wochen hat wissen lassen, die Planung sei mit europäischem Recht nicht ganz in Deckung zu bringen (EU-Kommission rügt Planungen für Flughafen-Ausbau). Nur: Auch und gerade am Ausbau hängt die Wachstumsperspektive, schließlich will Fraport nicht von der Konkurrenz in London und Amsterdam abgehängt werden.
Aktie günstig bewertet, aber nicht im Aufwärtstrend
Was die Börsianer von den Bedenken der EU-Kommission halten, ist am Kursverlauf abzusehen. Im Zuge der Bekanntgabe ging die Aktie flott in den Sinkflug über, wobei sie sich aus dem mittelfristigen Aufwärtstrend verabscheidete. Zwar hat sie sich kurz darauf erholt, bewegt sich seitdem aber seitwärts mit fallender Tendenz. Den langfristigen Abwärtstrend hätte das Papier erst bei rund 26 Euro geknackt. Zuvor müßte der - mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 für dieses und 12,75 für das nächste Jahr nicht hoch bewertete - Titel aber Widerstände bei 23,50 Euro und 24,85 Euro nehmen.
Erst dann setzte er Kaufsignale. Zumindest bis dahin muß man diese Aktie nicht haben, die sich binnen Jahresfrist etwas schlechter entwickelt hat als der Dax.