13.06.2005 · Obwohl die Geschäfte in Antalya die Passagier- und Frachtbilanz von Fraport trüben, legt die Aktie zu und läuft auf ein neues Hoch zu. Sie ist aber ehrgeizig bewertet, was Analysten mit der Suche nach „sicheren Werten“ begründen.
Die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport setzt im MDax ihren Höhenflug fort. Dabei hat das Unternehmen gerade lediglich gemischte Nachrichten zum Passagier- und Frachtaufkommen geliefert, die auch kritische Töne nach sich gezogen haben. Nachdem die Aktie im frühen Handel schon gut 1,5 Prozent auf 34,94 Euro gewonnen hatte, verzeichnet sie aktuell einen Kursgewinn von 1,05 Prozent und kostet 34,78 Euro.
So könnte die Notiz ein neues Rekordhoch auf Schlußkursbasis markieren. Die bisherige Bestmarke liegt bei 34,80 Euro und datiert vom 11. Juni 2001; das Allzeithoch im Handelsverkauf steht bei 35,20 Euro.
Fraport ist binnen Jahresfrist nicht nur dem bullenstarken MDax enteilt, sondern auch klar besser gelaufen als die Papiere der Konkurrenten in London und Wien. Deshalb wirkt die Aktie inzwischen ehrzeizig gepreist. Unter Analysten wird der Bewertungsaufschlag mit der Vorliebe deutscher Anleger für „sichere Werte“ begründet. Entsprechend äußerte sich Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) im Gespräch mit FAZ.NET.
Mehr Fluggäste und Fracht in Frankfurt, aber...
Der Frankfurter Flughafen hat im Mai die Zahl der Passagiere und das Frachtaufkommen wie schon in den Vormonaten gesteigert. Mit 4,5 Millionen Fluggästen seien am zweitgrößten europäischen Flughafen 2,6 Prozent mehr geflogen als ein Jahr zuvor, teilte die Betreiberfirma Fraport mit.
Am türkischen Flughafen Antalya, wo Fraport ein Terminal betreibt, brachen die Passagierzahlen jedoch wie im April um mehr als 60 Prozent ein. Seit April wird ein großer Teil des Verkehrs in Antalya über ein neues Terminal gesteuert, an dem Fraport nicht beteiligt ist, wie Reuters anmerkt. Die Luftfracht in Frankfurt nahm um 3,2 Prozent auf gut 152.000 Tonnen zu, den bislang besten Wert im Monat Mai, wie Fraport berichtete.
Die Verkehrszahlen von Fraport sind nach Einschätzung des Analysten Nils Machemehl von M.M. Warburg nur mäßig gut. Der Flughafenbetreiber brauche höhere Passagier- und Frachtzahlen, um das angekündigte Ziel 2005 eines Gesamtwachstums von drei Prozent zu erreichen, sagte er zu Dow Jones-vwd. Auf Passagier- und Frachtaufkommen habe das Unternehmen allerdings wenig Einfluß. Der Verlust an Passagieren am türkischen Flughafen Antalya sei katastrophal
NordLB stuft Aktie auf „reduzieren“ herunter
Auch Per-Ola Hellgren von der LRP verwies auf den türkischen Ableger. Die Geschäfte in Antalya entwickelten sich schlecht, da der Flughafen ein neues Terminal eröffnet habe, wo Fraport nicht aktiv sei. Allerdings mache Antalya nur einen kleinen Teil der Geschäfte von Fraport aus, schränkte der Analyst ein. Die Passagierzahlen von Fraport im Mai sind auf dem Flughafen Frankfurt im Einklang mit der Erwartung von Hellgren gestiegen. Das Frachtgeschäft sehe im Vergleich zu den schwachen Ergebnissen der Lufthansa der vergangenen Wochen gut aus.
Hellgren sieht wie M.M. Warburg und Helaba Trust die Fraport-Aktie als Halte-Position an. Dagegen empfiehlt die NordLB seit Montag, den Titel im Portfolio zu reduzieren, also zu verkaufen. Zur Begründung führen die Analysten aber nicht die erwähnten Makel in der Passagier- und Frachtbilanz an, sondern den Kursverlauf: Sie sehen die Aktie mit 33 Euro als gut bezahlt an. Aus ihrer Sicht ist sie zu sechs Prozent überbewertet.
Wachstumsphantasie dürfte eingepreist sein
Auf jeden Fall ist Fraport mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,8 höher bewertet als die Konkurrenz in London und Österreich: Die BAA plc kommt wie die Flughafen Wien AG auf ein KGV von 14,3. Zwar hat Fraport wegen des anstehenden Ausbaus mehr Wachstumsphantasie für sich, aber diese dürfte ebenso längst eingepreist sein wie das Bemühen, Kosten zu senken („Zukunftsvertrag“ bei Fraport: Mehrarbeit gegen Job-Garantie). Auch ist die Dividendenrendite von 2,1 Prozent im MDax nicht herausragend.
Vor diesem Hintergrund sollten Anleger, die den Titel besitzen, ihn behalten. Ein neues Rekordhoch dürfte als technisches Kaufsignal interpretiert werden. Eine andere Frage ist, wieviel Luft nach oben die Anleger dem Titel noch gewähren: Es gibt „sichere Werte“ mit Versorger-Charakter, die günstiger sind und eine höhere Dividendenrendite aufweisen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |