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Fiskalstreit : Erleichterung über Einigung in Amerika

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Aktienmärkte haben auf die Einigung im amerikanischen Fiskalstreit mit hohen Kursgewinnen reagiert. Allerdings ist der Klippensprung vorerst nur verschoben. Denn über die Anhebung der Schuldengrenze muss in zwei Monaten wieder verhandelt werden.

          Die buchstäblich im letzten Moment erreichte Einigung im Fiskalstreit der Vereinigten Staaten hat in aller Welt zu kräftigen Wertsteigerungen von Risikoanlagen geführt. Die Kurse auf den Aktienmärkte legten in Europa um durchschnittlich mehr als 2 Prozent zu. So stieg der Euro-Stoxx-50, Index der wichtigsten Aktien im Euroraum, um 2,9 Prozent auf gut 2700 Punkte. In Amerika waren einige Details der Einigung schon durchgesickert, als die Börsen im alten Jahr noch geöffnet waren. Dort stieg der Aktienindex Standard &Poor’s am Mittwoch in den ersten Handelsminuten des neuen Jahres um 2 Prozent auf rund 1450 Punkte.

          Ohne die politische Einigung hätten - so befürchteten es viele Ökonomen - die Ausgabenkürzungen und höheren Steuern die amerikanische Wirtschaft so sehr belastet, dass sie möglicherweise für einige Zeit geschrumpft wäre. Dabei sieht der nun zwischen Demokraten und Republikanern erzielte Kompromiss durchaus einige Steuererhöhungen vor. Doch die sind weitgehend auf besonders einkommensstarke Haushalte beschränkt. Vor allem aber sind die Ausgabenkürzungen für zwei Monate ausgesetzt. Insbesondere die Fortführung von Nothilfen für Arbeitslose gilt als stabilisierend für die Wirtschaft. Analysten der Société Générale schätzen den dämpfenden Einfluss der nach dem Kompromiss weniger ausgabefreudigen Fiskalpolitik und der relativ geringfügigen Steuererhöhungen für wohlhabende Amerikaner gleichwohl auf 0,7 bis 0,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftstätigkeit. Zuvor lag die Schätzung der Bank noch bei 1,2 Prozent. Andere Banken wie Barclays erwarten eher eine Belastung von 1,5 Prozent. Trotz dieser Effekte rechnen sie aber mit einem Wachstum der amerikanischen Wirtschaft um gut 2 Prozent in diesem Jahr.

          Dollar verliert leicht an Wert

          Wäre es jedoch zu einer abrupten Ausgabenkürzung und stärkeren Steuererhöhungen gekommen, so lautete zuvor die weitverbreitete Befürchtung auf den Märkten, dann hätte es kein Wachstum gegeben. Zusätzliche Steuern von 536 Milliarden Dollar und Ausgabenkürzungen um 109 Milliarden Dollar wären ausgelöst worden und hätten zu einer Rezession führen können.

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          Entsprechend positiv war am ersten Handelstag des neuen Jahres die Marktreaktion an den Aktienbörsen. Allerdings wurde die Erleichterung nicht auf allen Märkten geteilt. Der Dollar zum Beispiel verlor leicht an Wert und wurde im späten Geschäft mit 1,32 Dollar je Euro gehandelt. Zwischenzeitlich hatten sogar 1,33 Dollar für einen Euro gezahlt werden müssen. Auch gegenüber anderen Währungen zeigte sich der Dollar schwächer. Zudem verloren amerikanische Staatsanleihen an Wert. Wegen vermiedener Ausgabenkürzungen und nicht ausreichender Gegenfinanzierung durch zusätzliche Einnahmen werden sich die Vereinigten Staaten noch mehr als zuvor durch Anleihen finanzieren müssen. Die Banken rechnen für dieses Jahr nun mit neuen Anleihen im Wert von rund 1070 Milliarden Dollar.

          Neue Verhandlungen in zwei Monaten

          Der Schuldenstand der Vereinigten Staaten beträgt derzeit rund 16,4 Billionen Dollar. In den nächsten zwei Monaten muss Präsident Barack Obama eine Anhebung der Schuldengrenze erreichen, um eine abermalige Fiskalklippe, wie die erzwungene abrupte Ausgabenkürzung in der Kurzform bezeichnet wird, zu vermeiden. Der Belastungsfaktor für die Märkte könnte also in einigen Wochen wieder hochkochen.

          Die beschlossenen Steuererhöhungen seien nur ein kleiner Beitrag zur Haushaltskonsolidierung, heißt es in einem Kommentar der Fondsgesellschaft Aberdeen. Die wirklich harten Entscheidungen stünden bei den Staatsausgaben noch bevor. „Bis ein langfristiger Plan vereinbart ist, der das Haushaltsdefizit auf 3 Prozent der Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten reduziert, werden die Investoren nervös bleiben“, schreibt Mark Turner, der bei Aberdeen für die Vermögensallokation zuständig ist.

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