06.02.2012 · Die Deutsche Börse macht ihr einfachstes Segment für die Börsennotiz dicht. Das First Quotation Board war immer mehr Ziel von Kriminellen geworden. Die meisten Aktien werden Anleger nicht vermissen.
Von Daniel Mohr und Martin HockDie Deutsche Börse schließt ihr Segment für die einfache Neuaufnahme auf den Kurszettel. Wie der Börsenbetreiber am Montag mitteilte, wird das First Quotation Board voraussichtlich im dritten Quartal geschlossen.
Die 447 dort notierten Gesellschaften sollen bis dahin die Gelegenheit erhalten, sich für den etwas strenger regulierten Entry Standard zu qualifizieren. Den Anlegern soll die Möglichkeit gegeben werden, die Aktien noch zu verkaufen, bevor sie an keiner Börse mehr notiert sein könnten.
Das First Quotation Board war 2008 als Segment gegründet worden, in dem Unternehmen, die noch an keiner anderen Börse notiert sind, besonders leichten Zugang zum Aktienmarkt erhalten sollten. Dies wurde jedoch immer mehr von Kriminellen ausgenutzt. "Wir haben eine massive Häufung von Verdachtsmomenten auf Kurs- und Marktmanipulation, Betrug und Anlagebetrug", sagt Michael Zollweg, Leiter der Handelsüberwachung an der Frankfurter Wertpapierbörse. "Das systemische Risiko dafür ist in einem wenig regulierten Markt wie dem First Quotation Board hoch."
Es gebe organisierte Gruppen, die nichts anderes machten, als Unternehmen mit markanten Geschäftsmodellen wie Seltene Erden, Ölexploration oder Biotech an die Börse zu bringen, ohne dass dahinter jedoch ein realer Geschäftsbetrieb stünde. "Von Asien bis Amerika werden dann Investoren für diese angeblichen Kursraketen angeworben", sagt Zollweg.
Da oft der Verweis auf den Handel an der Frankfurter Börse erfolgt, will die Deutsche Börse diesen Machenschaften keine Plattform mehr bieten und damit ihre Reputation schützen. In den nächsten Wochen sollen zudem die Anforderungen für den Entry Standard verschärft werden. Alle dort notierten Unternehmen müssen dann einen Prospekt erstellen und regelmäßiger über ihren Geschäftsbetrieb berichten. Der Entry Standard und das Second Quotation Board für Zweitlistings bilden dann den Freiverkehr (Open Market). Strenger reguliert bleiben wie bisher der General Standard und der Prime Standard.
Anleger werden die meisten dieser Aktien kaum vermissen. Die überwiegende Anzahl der Unternehmen lässt sich kaum dokumentieren, bisweilen noch nicht einmal ermitteln, ob es sie wirklich gibt. Unter denen, für die es einige Daten gibt, befinden sich viele, die kaum der Erwähnung wert sind. Für die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Gravity Holdings wird die Marktkapitalisierung mit gerade einmal 40.000 Euro angegeben. Bei einem Kurs von 0,2 Cent je Aktie kein Wunder.
Bekannte Namen und Firmen mit größeren Umsätzen lassen sich nur wenige finden. Zu den vertrautesten dürfte womöglich der Finanzinvestor Aurelius gehören. Dieser wurde vom Gründer des früheren Beteiligungsunternehmens Arques, das es zeitweilig bis in den MDax geschafft hatte und heute Gigaset heißt, ins Leben gerufen. Bekannt wurde Aurelius vor einigen Jahren durch die erfolgreiche Übernahme des angeschlagenen Spirituosen-Herstellers Berentzen.
Manche Namen möchten Investoren vielleicht lieber vergessen - so etwa aktuell Solar Millennium. Andere sind vor allem finanzaffinen Internetnutzern bekannt, wie etwa das Finanzforum Wallstreet Online oder der Investor GSC Portfolio, der aus dem Dienst German Small Cap Research hervorging. Auch die Going Public Media ist im First Quotation Board notiert.
Um viele Namen ist es auch still geworden, wie etwa die Vegas77 Entertainment, die noch vor einigen Monaten den Online-Casino-Markt aufrollen wollte und für deren Aktie von unbekannten Börsendiensten massiv per unerwünschten Fax-Zusendungen und via anderen umstrittenen Kanälen getrommelt wurde.
Heute ist die Internetpräsenz auf eine Adressseite zusammengeschrumpft. Ausgerufene Kursziele von 41 Euro hat die Aktie nie erreicht. Vielmehr ist der Kurs seit der großen Werbeaktion um rund 95 Prozent auf derzeit 1,17 Euro gefallen.
Ein alter Bekannter ist auch die Letsbuyit Group. Zu Zeiten des Neuen Marktes warb sie mit bunten Ameisen für eine Art Sammelbestellungsmodell, das via Internet Tiefstpreise garantieren sollte. Das scheiterte und erst 2009 kehrte Letsbuyit als Preisvergleich wieder zurück. Die Börsennotierung wurde im vergangenen September wieder aufgenommen. Mal sehen,. ob nach Einstellung des First Quotation Board Letsbuyit bleiben wird.
Die weitaus meisten Gesellschaften stammen indes aus Großbritannien und Kanada. Die überwiegende Anzahl ist an den Heimatbörsen nicht notiert. Allein das schon muss misstrauisch machen, da naturgemäß die Kapitalbeschaffung im Heimatland günstiger und einfacher sein müsste.
Noch nicht einmal jedes dritte Unternehmen hat seinen Sitz in Deutschland, mehr als jedes fünfte aber in Großbritannien und noch mehr in Kanada. Mehr als 5 Prozent sind sogar in einem Steuerpardies von Guernsey bis zu den Cayman Islands ansässig. Fehlen wird den Anlegern das First Quotation Board alles in allem also wohl nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |