18.03.2008 · Eine Erleichterungsrally führt an den internationalen Börsen zu deutlichen Kursgewinnen, insbesondere bei den Finanzwerten. Dabei dürften sie die Rentabilität der vergangenen Jahre nicht so schnell wieder erreichen können.
Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage und Wochen erholen sich die internationalen Börsen am Dienstag vor Ostern deutlich. Die Anleger spekulieren darauf, dass die amerikanische Notenbank mit massiven Zinssenkungen und sonstigen Stützungsmaßnahmen in der Lage sein werde, die amerikanische Wirtschaft rasch und deutlich aus der Rezession zu katapultieren, in der sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit befindet.
Die Anleger gehen inzwischen davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins sogar um einen vollen Prozentpunkt von gegenwärtig noch drei auf dann zwei Prozent senken wird. Diese Erwartung zeigt sich zumindest am so genannten Fed Fund Future.
Kurserholung bei Finanzwerten, obwohl die Gewinne der Unternehmen einbrechen
Sie fühlen sich kurzfristig in dieser Erwartung bestätigt, da amerikanische Investmentbanken wie Goldman Sachs und Lehman Brothers im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zwar aufgrund hoher Abschreibungen deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen mussten im Vergleich mit dem Vorjahr. Allerdings seien die Zahlen weniger schlecht ausgefallen als befürchtet. Zudem sei beruhigend, dass die Lage bei Lehman Brothers nicht so dramatisch sei wie bei Bear Stearns. Diese Bank musste am vergangenen Wochenende aufgrund von Liquiditätsschwierigkeiten in einer inzwischen höchst umstrittenen Aktion mit Unterstützung der Zentralbank in die Arme von JP Morgan „gerettet“ werden.
Auf dieser Basis scheinen die Kursgewinne an den Börsen gerechtfertigt zu sein. Immerhin war es in der Vergangenheit immer wieder gelungen, die amerikanische Konjunktur mit solchen Aktionen relativ schnell wieder in Schwung zu bringen. Optisch sehen Aktien auf Basis durchschnittlicher Gewinnschätzungen zudem attraktiv aus. Das gilt vor allem auch dann, wenn man sie mit den extrem niedrigen Renditen an den Rentenmärkten vergleicht.
Fragt sich nur, ob solche Vergleiche der gegenwärtigen Lage auch angemessen sind. Immerhin liegt der Anteil der Unternehmensgewinne in historischer Betrachtung deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Dabei dürften die Margen aufgrund steigender Kosten und zunehmender Konkurrenz eher fallen als steigen. Das gilt vor allem für die Finanzunternehmen, die sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich entwickeln und indirekt die Finanzmärkte mit nach oben ziehen konnten.
Finanzunternehmen dürften die Rentabilität der vergangenen Jahre nicht so schnell wieder erreichen können
Dazu haben die im Trend fallenden Zinsen ebenso beigetragen, wie das Aufkommen neuer Finanzinstrumente und Märkte. So konnten Unternehmen wie Bear Stearns vom amerikanischen Immobilienboom profitieren, der von der zunehmenden Verbriefung und Vermarktung von Hypotheken getrieben wurde. Inzwischen ist bekannt, wie weit solchen Entwicklungen laufen können und wie sie enden mögen.
Da der Boom der vergangenen Jahre kaum wiederholbar sein dürfte, ist erstaunlich, wieso Anleger davon ausgehen, dass die Finanzunternehmen auch künftig wieder die Rentabilität der vergangenen Jahre erreichen würden. Immerhin ließen sich die überdurchschnittlichen Gewinne und Margen der vergangenen Jahre nur aufgrund des hohen Risikoappetits und der zunehmenden Verschuldung im Rahmen einer gleichzeitig boomenden Weltkonjunktur erzielen.
Alle diese Parameter lassen sich künftig in Frage stellen. Eine Studie von Goldman Sachs zeigt, dass Branchen, die sich in Boomphasen überdurchschnittlich entwickelten, danach mehrere Jahre unterdurchschnittlich abschnitten. Zudem würden die Gewinne der Finanzunternehmen von den jüngsten Hochs um 56 Prozent fallen, wenn sie auf den längerfristigen Trend zurückfallen sollten. Er unterstellt ein Gewinnwachstum je Aktie von sieben Prozent im Jahr. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die gegenwärtigen Kursgewinne bei den Banken- und Versicherungswerten mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Denn sie sind wahrscheinlich nicht dauerhaft.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.276,45 | +2,48% |
| EUR/USD | 1,3157 | +0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.722,00 $ | +0,61% |
| Bund Future | 138,53 € | +0,15% |