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Finanzwerte US-Banken leiden unter Kosten für notleidende Kredite

02.01.2003 ·  Die Aktien amerikanischer Banken scheinen zwar günstig zu sein. Doch die Risiken sind noch hoch - vor allem im Bereich der Firmenkredite.

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Großes Rätselraten ob der Ergebnisse der führenden US-Banken im vierten Quartal 2002 wird es nicht geben, wenn die Zahlen in der Woche vom 13. Januar an veröffentlicht werden. Denn die meisten der großen Finanzhäuser haben bereits durchblicken lassen, dass sie in den drei letzten Monaten des abgelaufenen Jahres unter Kosten im Zusammenhang mit Not leidenden Krediten oder Gerichtsverfahren gelitten haben.

Insgesamt schauen die US-Großbanken auf ein turbulentes Jahr zurück. Fatal war vor allem die Kreditvergabe an Unternehmen der Branchen Telekommunikation, Kabel, Einzelhandel, Luftfahrt und Energie. In die Schlagzeilen gerieten Institute wie die Citigroup und J.P. Morgan Chase zudem durch ihre Rolle bei Finanzgeschäften mit inzwischen bankrotten Unternehmen wie Enron und WorldCom. Auch die Praktiken im Aktien-Research sorgten für Aufregung.

Kredite an Großunternehmen sind problematisch

Vergleichsweise gut entwickelt haben sich nach Meinung von Beobachtern 2002 die Citigroup und die Bank of America. Sie konnten vor allem vom Geschäft mit Endkunden wie Hypotheken und Kreditkarten profitieren. Die Qualität der an Verbraucher vergebenen Kredite sei relativ stabil und gut. Als problematisch dürften sich im vierten Quartal erneut die Kredite an Großunternehmen erwiesen haben, speziell an die aus den Krisenbranchen, schreibt Analyst Judah Kraushaar von Merrill Lynch. Der Konkurs von United Airlines werde das Ergebnis einiger Banken ebenso schmälern wie Rückstellungen für mögliche Kreditverluste in der Energiewirtschaft.

Die Bank of America hat bereits angekündigt, im vierten Quartal Rückstellungen für Not leidende Kredite von 1,2 Milliarden Dollar vorgenommen zu haben. Dies sei der höchste Betrag für diesen Posten seit dem vierten Quartal 2001. Seinerzeit waren es 1,4 Milliarden Dollar vor Steuern. Zudem wurde mit dem zuletzt angekündigten Betrag die Erwartung der Analysten um rund 300 Millionen Dollar übertroffen. Das Ergebnis werde wegen der Rückstellungen um etwa 0,12 Dollar je Aktie geringer ausfallen. Dies werde durch einen Ertrag nach Steuern aus der Beilegung einer Steuerstreits mit dem Internal Revenue Service von 488 Millionen Dollar oder 0,32 Dollar je Aktie ausgeglichen. Bank of America erwartet nach Berücksichtigung der genannten Posten im vierten Quartal einen Gewinn von rund 2,5 Milliarden Dollar. Analysten sehen den Gewinn vor Sonderposten bei 1,52 Dollar, bisher waren sie von 1,45 Dollar ausgegangen. Vor Jahresfrist lag der Gewinn bei 1,28 Dollar, im dritten Quartal bei 1,45 Dollar.

Auch die Citigroup hat schon Hinweise gegeben, die Rückschlüsse auf das Ergebnis des vierten Quartals zulassen. Sie werde eine Belastung von etwa 1,5 Milliarden oder 0,29 Dollar je Aktie ausweisen, die zum Teil mit der Untersuchung der Aktien-Research-Praktiken zusammenhänge. Vor Bekanntwerden der Belastung waren Analysten von einem Gewinn je Aktie von 0,75 Dollar ausgegangen. Nun werde mit 0,54 Dollar nach Berücksichtigung der Belastung gerechnet verglichen mit 0,69 Dollar vor Jahresfrist und 0,74 Dollar im dritten Quartal.

J.P. Morgan Chase hat die “rote Flagge noch nicht gehisst“

J.P. Morgan Chase hat nach Aussage von Beobachtern zwar im Vergleich mit ihren Mitbewerbern das schwierigste Jahr hinter sich. Trotz dem habe das Institut bisher - noch - nicht die “rote Flagge gehisst“, hieß es. Es warte auf den Ausgang eines Rechtsstreits mit elf Versicherungen auf Grund von Verlusten aus Beziehungen zu Enron. Eine Entscheidung werde für Donnerstag oder Freitag dieser Woche erwartet. J.P. Morgan Chase habe noch keine Rückstellungen für mögliche Kreditverluste vorgenommen. Schlecht entwickelt habe sich bei der Bank zuletzt auch der Eigenhandel, meint Analyst Andrew Collins von U.S. Bancorp Piper Jaffray. J.P. Morgan dürfte das vierte Quartal mit einem Gewinn von 0,36 Dollar beendet haben nach 0,12 Dollar vor Jahresfrist und 0,16 Dollar im dritten Quartal.

Kreditausfälle überschatten auch die Ergebnisse der Bank of New York. Sie hat Rückstellungen für diesen Fall von 390 Millionen Dollar angekündigt. Zudem würde eine Belastung von 240 Millionen Dollar auf Grund von Verlusten aus Verträgen mit der United Airlines sowie anderen möglichen Einbußen im Luftfahrtsektor ausgewiesen, hieß es vor Kurzem. Analysten gehen davon aus, dass die Kreditkosten das Ergebnis von Bank of New York um 0,32 Dollar schmälern werden. Der Gewinn im vierten Quartal werde nun bei 0,21 Dollar je Aktie gesehen nach 0,45 Dollar im Vorjahr und 0,11 Dollar im Vorquartal.

Mit Kursgewinn-Verhältnissen zwischen 9,85 und knapp 13 auf Basis der Schätzungen für das Jahr 2003 scheinen die Papiere der Banken zunächst nicht überteuert zu sein. Charttechnisch sieht allerdings höchstens die Bank of America einigermaßen attraktiv aus. Insgesamt dürfte sich die Branche nur dann aufdrängen, wenn sich die Konjunktur in den USA stabilisiert. Anzeichen dafür sind zwar da, aber die Risiken sind noch sehr groß.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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