Kursverluste in der Größenordnung von 80 bis 90 Prozent innerhalb von zwei Jahren - wer dabei nur an die Werte des mittlerweile abgeschafften Neuen Marktes denkt, liegt daneben. Denn mit den Versicherungswerten Allianz und Münchener Rück können mittlerweile gestandene Dax-Unternehmen locker mit beinahe jedem internationalen Kursdesaster mithalten.
Die Aktie der Münchener Rück baut am Freitag die Kursverluste mit einem Minus von mehr als elf Prozent weiter aus, nachdem sie bereits am Donnerstag wegen enttäuschender Geschäftszahlen und einer Bonitätsherabstufung mehr als zehn Prozent an Wert verloren hatten. Die Herabstufung ist nicht alles, denn auch der Ausblick ist negativ. Das bedeute nichts anderes, als dass noch mehr nachkommen könnte. Mit einem Kurs von 59,25 Euro erreichte das Papier im Tagesverlauf schon den tiefsten Stand seit sieben Jahren.
Unternehmen im Kreuzfeuer von Gerüchten
„Auf Basis von Informationen aus der Telefonkonferenz vom Donnerstag hat die Münchener Rück einen Nettovermögenswert von 38 Euro je Aktie, was bedeutet, dass die Titel derzeit mit einem Aufschlag von 70 Prozent gehandelt werden, während beispielsweise die Swiss Re nur einen Aufschlag von 25 Prozent hat“, sagte ein Frankfurter Händler. Außerdem scheint es am Markt Gerüchte zu geben, nach denen die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley den fairen Wert der Aktie lediglich mit 40 Euro bezifferten.
Im Fokus steht die Kapitalausstattung des Unternehmens. Das Eigenkapital lag zum Jahresende mit 13,9 Milliarden Euro deutlich unter dem von der Gesellschaft selbst ermittelten Kapitalbedarf von 15,6 Milliarden Euro. Die Differenz, die sich seit Jahresanfang angesichts der schwachen Aktienmarktentwicklung erheblich vergrößert haben dürfte, soll durch die Emission einer nachrangigen Anleihe gedeckt werden. Durch das weiterhin hohe Aktien-Exposure ist die Kapitalausstattung jedoch vom anhaltend volatilen Börsenumfeld abhängig. Daher dürfte eine Kapitalerhöhung zu einem späteren Zeitpunkt nicht völlig ausgeschlossen sein.
Überkreuzverflechtung als zusätzlicher Nachteil
Die Münchener Rück und die Allianz leiden auch unter ihrer Überkreuz-Verflechtung. Denn das wirkt wie eine Spirale nach unten. Verliert die Aktie des einen an Wert, sinken gleichzeitig die Reserven des anderen und lassen so auch dort den Wert der Reserven schmelzen. Neben den schwindenden Reserven gibt es auch Bedenken bezüglich der operativen Aktivitäten. Dort verbucht das Unternnehmen mit einer Combined Ratio von größer als 100 nicht nur Verluste, sondern Marktteilnehmer haben auch Bedenken bezüglich möglicher Risiken, die sich die Rückversicherer mit ihrem Engagement bei Kreditderivaten eingehandelt haben. Sie sollen sich in diesem Bereich stark engagiert haben und nun auf Grund der schwachen Konjunktur, zunehmenden Insolvenzen und strapazierter Bonitäten entsprechend leiden. Das Problem dabei ist vor allem die mangelnde Transparenz, da solche Kontrakte nur bedingt in den Bilanzen auftauchen.
Vor diesem Hintergrund mögen die Bewertungen noch so verlockend sein und mögen die Analysten noch so optimistisch sein, die Lage ist zu undurchsichtig. Der Chart sieht katastrophal aus und bietet bisher kein erkennbares Zeichen auf eine Entspannung. Damit verbietet sich ein Engagement beinahe von selbst.