26.06.2008 · Die Investmentbanken haben in ihrer Paradedisziplin, der Übernahmeberatung, im ersten Halbjahr ein schwaches Bild abgegeben. Die Banken machen in der klassischen Beratung von Übernahmen und Fusionen kaum noch Geschäft.
Die Investmentbanken haben in ihrer Paradedisziplin, der Übernahmeberatung, im ersten Halbjahr ein schwaches Bild abgegeben. Nach Zahlen des Finanzdatenkonzerns Thomson Reuters sind die internationalen Gebühreneinnahmen für die Beratung von Fusionen und Übernahmen in den ersten sechs Monaten 2008 auf weniger als ein Drittel der Summe des Vorjahreszeitraums geschrumpft.
Weil vor allem große Übernahmetransaktionen ausblieben, sind die führenden Banken überproportional betroffen. Der Marktführer Goldman Sachs beispielsweise verzeichnet einen Einbruch der Gebühreneinnahmen auf 241 Millionen Dollar und damit ein Siebtel dessen, was im ersten Halbjahr 2007 eingenommen wurde.
Stellenstreichungen aufgrund sinkender Einnahmen
Einige der großen Investmentbanken haben in den vergangenen Wochen bereits reagiert und Tausende Stellen in der Übernahmeberatung gestrichen. Der größte amerikanische Finanzdienstleister Citigroup und die führende Wall-Street-Bank Goldman Sachs trennen sich beispielsweise derzeit von jeweils rund 10 Prozent ihrer Mitarbeiter im Investmentbanking, zu dem neben der Übernahmeberatung auch die Emission von Wertpapieren gehört.
Mit am stärksten betroffen von der Rosskur sind diejenigen Abteilungen, die Finanzinvestoren bei Firmenkäufen betreuen. Denn dieser Teil des Marktes ist durch die Krise auf den Kreditmärkten zuletzt dramatisch eingebrochen. Im Gesamtjahr 2007 gaben die Beteiligungsfonds, angeheizt von einer Flut billigen Fremdkapitals, noch fast 800 Milliarden Dollar für Übernahmen aus. Nachdem sie von den Banken aber seit Beginn der Krise kaum noch Kredite erhalten, haben Private-Equity-Fonds im ersten Halbjahr gerade einmal gut 100 Millionen Dollar ausgegeben. „Private Equity hat sich auf den Rücksitz zurückgezogen", kommentiert dies Leon Saunders Calvert, Übernahmefachmann von Thomson Reuters.
Der Bedeutungsverlust der Beteiligungsfonds ist auch der Hauptgrund dafür, dass der gesamte Übernahmemarkt im ersten Halbjahr ins Schlingern geraten ist. Auf der gesamten Welt brach das Volumen der angekündigten Transaktionen um 37 Prozent auf 1,53 Billionen Dollar ein. Anders als die Beteiligungsgesellschaften waren einige Unternehmen nach wie vor sehr aktiv, wie beispielsweise der Übernahmekampf der niederländischen Brauereikette Inbev um den amerikanischen Wettbewerber Anheuser-Busch zeigt. Doch das Volumen wäre noch kräftiger eingebrochen, würde nicht die 113 Milliarden Dollar schwere Abspaltung des internationalen Geschäfts des Tabakkonzerns Philip Morris dazugezählt.
Viele der gerade in Europa durchaus kapitalkräftigen Unternehmen sind zwar an größeren Übernahmen interessiert, stehen aber gleichwohl noch an der Seitenlinie, weil sie auf einen weiteren Rückgang der Bewertungen hoffen. "Für Unternehmen hat sich die Wettbewerbssituation als Käufer entspannt. Sie können daher in Preisverhandlungen leichter auf Zeit spielen", sagt Berthold Fürst, Leiter der deutschen Fusions- und Übernahmeberatung der Deutschen Bank.
Kauflust dürfte so schnell nicht zurückkommen
Der Investmentbanker rechnet auch nicht damit, dass die Unternehmen und Finanzinvestoren in den kommenden Monaten zur Kauflust zurückfinden. „Ich sehe keinen Trendwechsel für das zweite Halbjahr", sagt Fürst. Er befürchtet, dass angesichts der schlechten Konjunkturaussichten und der Finanzkrise auch im kommenden Jahr die Vorzeichen nicht allzu positiv sind. „Das kann schon bis ins Jahr 2009 hineinreichen."
Allerdings ist der Vergleich mit dem Jahr 2007 auch ein wenig trügerisch. Denn im vergangenen Jahr waren Unternehmen und Finanzinvestoren bis zum Platzen der Kreditblase im Sommer außergewöhnlich aktiv. "Das Volumen dieses Jahres ist ähnlich wie in den eigentlich guten Jahren 2005 und 2006", sagt Calvert von Thomson Reuters.
Einige Unternehmen nutzen durchaus die Chancen der mittlerweile stark gefallenen Bewertungen an den Aktienmärkten. „Die Übernahmeprämien sind drastisch angestiegen", sagt Calvert weiter. Im zweiten Quartal bezahlten die Käufer im Durchschnitt eine Prämie von 30 Prozent auf den Aktienkurs. Das gilt als ein Zeichen dafür, dass die börsennotierten Unternehmen als unterbewertet angesehen werden. Dagegen berichten Beteiligungsmanager, dass außerhalb der Börse die Preise für Unternehmen auf einem äußerst hohen Niveau verharrten. "Die Verkäufer haben ihre Preisvorstellungen noch nicht an das geänderte Marktumfeld angepasst", sagt ein Beteiligungsmanager.
Derweil wird der Kampf der Investmentbanken um den immer kleiner werdenden Gebührenpool härter. Weil die lukrativen Großtransaktionen fehlen, wildern die Marktführer nun in den Revieren der Beratungsboutiquen: „Die großen Investmentbanken buhlen jetzt um die kleineren Transaktionen", sagt Calvert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |