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Finanzwerte Bei Italiens Banken sind weitere Übernahmen denkbar

06.02.2006 ·  Die italienischen Banken verbuchen am Montag nach einer Kaufofferte von BNP Paribas für die Bank Banca Nazionale del Lavoro deutliche Kursgewinne. Sie sind nicht unberechtigt, denn weitere Übernahmen scheinen wahrscheinlich zu sein.

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An den europäischen Börsen geht am Montag wieder einmal die Post ab. Die verschiedenen Indizes liegen zum Teil deutlich im Plus, allen voran der italienische S&P/MIB Index mit einem Plus von 1,16 Prozent auf 36.840 Punkte im späten Vormittagshandel.

Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern, denn mit dem überraschenden Übernahmegebot für die sechstgrößteitalienische Bank Banca Nazionale del Lavoro (BNL) hat die französische Großbank BNP Paribas in Europa wieder einmal die Fusions- und Übernahmephantasien angeregt und die Finanzwerte europaweit deutlich geflügelt, vor allem in Italien. Aber auch in Deutschland liegen die Werte der Deutschen Bank und der Commerzbank unter den Tagesgewinnern im Dax.

Italienische Banken verbuchen deutliche Kursgewinne

Die Capitalia verbucht ein Plus von 5,5 Prozent, die Mediobanca ein Plus von 3,6 Prozent, die Aktien der Banca Intesa, der Banco Populare und der Sanpaolo Imi liegen mit etwas mehr als drei Prozent und auch die anderen Banken und Versicherungswerte legen zu. Dagegen verbucht die Aktie von BNL ein Minus von 2,75 Prozent auf 2,8875 Euro, ebenso wie die Aktie von BNP Paribas mit einem Minus von 1,91 Prozent auf 71,75 Euro.

Hintergrund dieser Entwicklung sind dir bei solchen Gelegenheiten schnell aufkommenden Gerüchte und Überlegungen, nun sei möglicherweise der Startschuß für eine Konsolidierungswelle auf dem italienischen Bankensektor gefallen. Denn schon seit längerem gelten italienische Banken als interessante Übernahmekandidaten für ausländische Wettbewerber. Analysten hatten jedoch mit einem Beginn kleinerer Akquisitionen frühestens ab 2007 oder 2008 gerechnet. Die neun Milliarden Euro schwere Akquisition der BNL durch die BNP kam jedoch schon Wochen, nachdem die Italienische Zentralbank rechtliche Hindernisse für grenzüberschreitende Übernahmen aus dem Weg geräumt hatte.

Marktbeobachter sehen den BNP-BNL-Deal als eine Art Test dafür, wie der neue Vorsitzende der Italienischen Zentralbank, Mario Draghi, gegenüber ausländischen Beteiligungen am italienischen Bankensektor eingestellt ist. Ein Gesetz, das Ende Dezember verabschiedet wurde, hatte den Weg für den neuen Vorsitzenden der Italienischen Zentralbank, Mario Draghi, geebnet und gleichzeitig die Mitbestimmungsrechte des Zentralbank-Obersten bei Übernahmen und Fusionen eingeschränkt. Die Mitsprachebefugnis muß er nun mit der italienischen Kartellbehörde teilen, die vor allem auf Kosteneinsparungen durch mehr Wettbewerb im Bankensektor aus ist. Draghi gilt als Verfechter der Marktöffnung für ausländische Investoren - ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Antonio Fazio.

Gegenwind wird lediglich aus Rom erwartet. Dort fürchtet man gerne populistisch um Arbeitsplätze und eine restriktivere Kreditvergabe, obwohl gerade Italien in punkto Reformbedarf deutlich hinter Europa liegt. Insbesondere auch der öffentliche Sektor hat hier noch massiven Nachholbedarf.

Weitere Übernahmephantasien bei kleineren und mittleren Banken

Zwei Banken, die bereits in Teilen in den neunziger Jahren von ausländischen Banken übernommen wurden, stehen nach den neuesten Entwicklungen nun ganz oben auf der Liste der Übernahmekandidaten: die Banca Intesa, die zu einem Fünftel der französischen Credit Agricole gehört und die Sanpaolo IMI, die zu knapp zehn Prozent der Banco Santander gehört. Im vergangenen Jahr hatte bereits ABN Amro die Antonveneta übernommen, während der Versuch der spanischen BBVA, auf dem italienischen Bankensektor Fuß zu fassen, scheiterte.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp 20 und 17 auf Basis der Gewinnschätzungen scheint die BNL-Aktie inzwischen angesichts der bisherigen Ertragsentwicklung etwas teuer geworden zu sein.. Auf der anderen Seite dürfte sich die Effizienz aufgrund der vergleichsweise hohen Margen und des unterentwickelten Marktes verbessern lassen. BNP Paribas ist schon länger in Italien aktiv und kann auf diese Weise unter anderem seine Vertriebsplattform erweitern. Kenner vermuten, daß sie aus diesem Grund weitere kleinere und mittlere Banken übernehmen wird.

Im Gespräch sind vor allem kleinere und mittlere Volksbanken in Norditalien. In diesem Sinne können Werte wie die Banc Monte Dei Paschi, die Banco Populare Di Verona, die Banco Populare Di Milano, die Banco Populare Di Spoleta oder auch die Credito Emiliano und Credito Bergamo für Anleger interessant sein. Wobei die zweitgenannte mit einer relativ vernünftigen Bewertung besticht.

Ebenso wie die BNP Paribas selbst. Denn mit Kurs-Gewinnverhältnissen von zehn auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr ist sie noch günstig. Aufgrund der Wachstumsstrategie zumindest längerfristig.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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