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Finanzwerte Bank of America: Es bleiben Zweifel

23.07.2008 ·  Das besser als befürchtet ausgefallene zweite Quartal stützt Argumente, dass die Großbank die Kreditkrise meistern kann. Analysten sorgen sich jedoch über weitere Verluste des von der Bank übernommenen Hypothekenfinanzierers Countrywide Financial.

Von Ben Steverman
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Kenneth Lewis, Vorstandschef der Bank of America (BofA), ist der festen Überzeugung, dass seine Bank - die größte der Vereinigten Staaten - die Kreditkrise erfolgreich meistert.

Allerdings teilt nicht jeder diese Überzeugung, selbst wenn sie von den Zweitquartalszahlen der Bank gestützt werden: Am 21. Juli meldete die BofA einen Gewinn von 0,72 Dollar je Aktie, was zwar deutlich unter den 1,28 Dollar des Vorjahreszeitraums, aber merklich über den von Analysten erwarteten 0,53 Dollar je Anteilsschein lag. Damit gesellt sich die BofA neben Citigroup, JP Morgan Chase und Wells Fargo in die Reihe jener Banken, denen es gelingt, die niedrigen Erwartungen der Wall Street für das zweite Quartal zu schlagen.

Wie Lewis in einer Analystenkonferenz am 21. Juli erläuterte, wurden diese Gewinne trotz schleppender Konjunktur und rauer Kreditbedingungen erwirtschaftet. „Die Tatsache, dass wir Kreditausfälle im Volumen von 3,6 Milliarden Dollar, weitere Abschreibungen in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar und Rückstellungen für Kreditausfälle im Umfang von 2,2 Milliarden Dollar schultern können und dennoch einen Gewinn von 3,4 Milliarden Dollar erzielen, sollte Investoren einen kleinen Eindruck von der Stärke und Kontinuität unserer Ertragskraft vermitteln“, so Lewis.

Kein unmittelbarer Kapitalerhöhungsbedarf

Er betonte jedoch, dass er das Ausmaß der bevorstehenden Probleme „nicht leugne“. „Die Kreditausfälle nehmen weiter zu, bleiben angesichts der gegenwärtig zu beobachtenden Entwicklung jedoch überschaubar“, sagt Lewis. Er unterstrich, dass er zur Stärkung der Kapitaldecke auf absehbare Zeit nicht von weiterem Kapitalerhöhungsbedarf oder von Dividendenkürzungen ausgehe.

Die Quartalszahlen wurden von Anlegern als gute Nachricht gewertet und am 21. Juli mit einem Anstieg der BofA-Aktie um 3,75 Prozent auf 28,52 Dollar quittiert. Damit nahm ein weiterer guter Tag für Bankaktien seinen Lauf. In der vergangenen Woche zog das Papier von BofA um mehr als 40 Prozent an.

Zu den positiven Zeichen der vorgelegten Quartalszahlen zählt, dass niedrigere Zinssätze Banken wie der BofA helfen, bei der Darlehensvergabe höhere Gewinnmargen zu erzielen. Die BofA weitet ihr gewerbliches Kreditgeschäft aus und ist aufgrund der Kreditklemme in der Lage, von Kreditnehmern höhere Zinsen zu verlangen und auf weniger riskante Vergabebedingungen zu bestehen, merkt Morningstar-Analyst Jaime Peters an.

Deutlicher Anstieg der Handelsgewinne

Nach mehreren schwierigen Quartalen für die Handelsabteilungen der BofA stiegen die Handelsgewinne im zweiten Quartal deutlich an. Morgan-Stanley-Analystin Betsy Graseck schrieb, dass alleine die starken Handelsaktivitäten der Bank, insbesondere im Bereich festverzinslicher Wertpapiere, dafür verantwortlich waren, dass die BofA die in sie gesetzten Gewinnerwartungen übertreffen konnte.

Handelsgewinne sind jedoch schwer vorherzusagen. Sie hängen sowohl von den richtigen Handelsstrategien als auch von den Höhen und Tiefen volatiler Märkte ab. Aus diesem Grund äußert sich Graseck skeptisch über die „Nachhaltigkeit“ der Handelsgewinne der BofA. S&P-Aktienanalyst Stuart Plesser ist ähnlicher Meinung und bezweifelt die „Ertragsqualität“ der BofA.

Dies ist ein Teil der größeren Probleme, die weiterhin drohend über der BofA-Aktie schweben. Die Bank kann die Anleger zwar mit einem guten Quartal erfreuen, doch wird sie diese Leistung auch halten können? Nach Ansicht der meisten Analysten findet sich die Hauptantwort hierauf in der Kreditqualität, wobei es im Kern darum geht, wie schnell sich die Qualität der Kredite im Portfolio der BofA verschlechtert.

Übernahme von Countrywide samt zugehörigen Problemen

Deutsche-Bank-Analyst Mike Mayo merkt positiv an, dass sich die Ausfälle noch nicht zu weit über den Immobilienbereich hinaus erstrecken. „Bislang haben sich die Probleme in Umfang und Intensität weniger stark als befürchtet jenseits dieses Bereichs ausgebreitet“, schrieb Mayo.

Die Probleme der BofA im Immobilienfinanzierungsgeschäft sind zahlreich. Ganz oben auf der Liste rangieren die stark unter den sinkenden Häusermarktpreisen leidenden Eigenheimkredite. Die für die BofA größte Herausforderung könnte jedoch ihre am 1. Juli abgeschlossene Übernahme von Countrywide Financial sein. Auf lange Sicht will die BofA mit dem Erwerb dieses größten amerikanischen Hypothekenfinanzierers eine führende Rolle in der Hypothekenbranche spielen. Auf kurze Sicht geht diese Übernahme für die BofA indes mit großen Problemen einher. So ist die Qualität der Kredite von Countrywide wesentlich schlechter als jene der BofA. Am 21. Juli teilte die BofA mit, dass bei Countrywide notleidende Hypothekenkredite im Umfang von 40 Milliarden Dollar zu bewältigen seien.

Als die BofA die Kredite von Countrywide auf die eigenen Bücher nahm, erfolgte dies mit einem Wertabschlag von satten 15 Prozent. Die BofA nimmt also bereits ein beträchtliches Volumen künftiger Kreditausfälle des Countrywide-Portfolios vorweg. Die Ausfälle von Countrywide werden die Gewinne der BofA demnach nicht schmälern, solange sie nicht über dieses antizipierte Niveau hinausgehen. Daneben hat die BofA Rückstellungen in Milliardenhöhe gebildet, um sich für zukünftige Ausfälle der eigenen Kredite zu wappnen. Zudem sammelte die BofA im vergangenen Quartal mit der Ausgabe neuer Aktien rund sieben Milliarden Dollar frisches Kapital ein.

Countrywide drohen juristische Probleme

Plesser zufolge könnte die BofA allerdings selbst mit diesem Schritt noch immer nicht ausreichend für große Kreditausfälle gerüstet sein. Er behält drei Faktoren im Blick, die das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Verschlechterung der Kreditqualität bestimmen dürften: Die Arbeitslosenquote, das Benzinpreisniveau und die sinkenden Eigenheimpreise.

Die Übernahme von Countrywide bleibt weiterhin „ein großes Fragezeichen“, sagt Peters von Morningstar. Während sich einige Analysten um künftige Verluste des Kreditportfolios von Countrywide sorgen, besteht Peters zufolge die größte Sorge der Anleger jedoch in den „derzeit noch nicht absehbaren Problemen“, insbesondere die bezüglich der Vergabepraktiken von Countrywide eingeleiteten zahlreichen Gerichtsverfahren und behördlichen Untersuchungen.

In der vergangenen Woche haben sich die Anleger mit zuvor stark gebeutelten Bankaktien eingedeckt. Der Kurs der BofA-Aktie liegt allerdings noch immer 31 Prozent unter dem Niveau zu Jahresbeginn. „Der Markt hat unsere Branche über einen Kamm geschert“, sagt BofA-Chef Lewis. „Mit scheint, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen diversifizierten Banken und solchen, in denen sich Probleme im Finanzierungsgeschäft konzentrieren.“

Die Stärkeren werden stärker

Die Berichtssaison könnte Anlegern Aufschluss darüber geben, welche Banken gut aufgestellt sind, um die Kreditkrise zu überleben. „Die stärkeren Banken werden stärker“, sagt Plesser von S&P. „Und die Schwächeren werden schwächer“, vor allem jene Banken, die „in diesem Umfeld ihr Kapital erhöhen müssen“.

Leider wird eine präzise Einschätzung der wirklichen Stärke der Bank of America durch die Konjunkturprobleme, die steigenden Kreditausfälle und vor allem durch die Übernahme von Countrywide Financial erschwert.

Ben Steverman ist Redakteur bei BusinessWeek

Quelle: Business Week Online
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