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Finanzwerte Aktie der Allianz arbeitet am Ausbruch

10.08.2005 ·  Die Allianz liefert einen überraschend starken Quartalsgewinn und eine sinkende Kostenquote. Gleichzeitig ist die Aktie zumindest optisch sehr vernünftig bewertet. Allerdings kann sie charttechnisch bisher nicht überzeugen.

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Versicherungswerte hatten es an den Börsen in den vergangen Jahren nicht einfach. Denn odt waren die Unternehmen in den 90er-Jahren zu spät zu teuer an der Börse eingestiegen und mußten das in der folgenden Baisse büßen. Denn mit fallenden Kursen wurden nicht nur die Erträge aus ihren Anlagen negativ, sondern gleichzeitig schwanden auch ihre Bewertungsreserven mit dem Wert der damaligen Beteiligungen.

So wurden die Unternehmen zu zum Teil drastischen Abschreibungen und Restrukturierungen gezwungen. Nicht selten fiel das auch zusammen mit Skandalen der verschiedensten Art, die zu einem Wechsel im Management führten. Nun scheint allerdings das Pendel so langsam wieder auf die andere Seite auszuschlagen.

Sinkende Kostenquote bei der Allianz

Denn mit steigenden Kursen und auch aufgrund eines gewissen Basiseffektes könnten die Unternehmen der Branche wieder mit positiven Nachrichten aufwarten. So auch der deutsche Versicherungsriese Allianz.

„Der Finanzkonzern Allianz hat seinen Gewinn im zweiten Quartal sprunghaft gesteigert und dabei die Erwartungen von Analysten bei weitem übertroffen,“ lauten denn am Mittwoch die Schlagzeilen der Agenturen. Der Nettogewinn sei vergleichbar gerechnet um 65 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Dienstagabend vorzeitig in München mit. „Zu dieser positiven Geschäftsentwicklung tragen alle Geschäftssegmente bei“, hieß es. Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn von 1,087 Milliarden Euro erwartet.

Auch aus seinen verschiedenen Geschäftssparten berichtete der Finanzkonzern von durchweg positiven Entwicklungen. So habe sich die Schaden-Kosten-Quote im Sachversicherungsgeschäft im zweiten Quartal auf 89,8 Prozent nach 92,1 Prozent im Auftaktquartal verbessert. Die Quote ist ein zentraler Indikator für die Ertragskraft des reinen Versicherungsgeschäfts. Bei Quoten bis 100 Prozent sind Schäden und Kosten allein durch die Prämieneinnahmen gedeckt - also noch ohne die Erträge aus Kapitalanlagen.

Im Lebensversicherungsgeschäft und in der Vermögensverwaltung verzeichne das Unternehmen weiter zweistellige Wachstumsraten, teilte die Allianz mit. Im Bankgeschäft mit der Tochter Dresdner Bank sei eine vorübergehende Schwäche im Handelsergebnis durch eine Senkung der Kosten und eine günstige Entwicklung bei der Risikovorsorge für faule Kredite ausgeglichen worden.

Aktie vernünftig bewertet - magere Dividende

Der operative Gewinn des gesamten Allianz-Konzerns wuchs im zweiten Quartal um 18,8 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro, während die Beitragseinnahmen um 6,6 Prozent wuchs. In dem sprunghaft gestiegenen Nettogewinn sind nach Angaben des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen bei zugleich auch niedrigeren Abschreibungen auf die Investments enthalten. Zudem sei die Steuerquote niedriger ausgefallen. Das Vorjahresergebnis hat die Allianz um die damals noch verbuchten regelmäßigen Abschreibungen auf Firmenwerte bereinigt, so daß der Zuwachs des Nettogewinns nach der Änderung der Bilanzierung in diesem Jahr vergleichbar gerechnet ist. Durch den starken Ertragszuwachs kletterte auch das Eigenkapital der Allianz im bisherigen Jahresverlauf kräftig. In der ersten Jahreshälfte sei das Eigenkapital der Gruppe ohne Anteile Dritter um mehr als ein Fünftel auf nunmehr 36,8 Milliarden Euro angestiegen.

Insgesamt scheint das Unternehmen nun von einem positiven Zyklus zu profitieren. Er wird einerseits fundiert, durch einen gewissen Basiseffekt. Gleichzeitig spielen effizientere Kostenstrukturen, die steigenden Kurse an den Börsen und Sondereffekte beim Lebensversicherungsgeschäft eine Rolle. So lange diese Bedingungen anhalten, dürfte sich das Unternehmen gut schlagen können.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 10,5 und 9,8 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr scheint die Aktie noch sehr vernünftig bewertet zu sein. Allerdings ist die Dividendenrendite von 1,65 Prozent eher mager. Gleichzeitig kann der Chart bisher nicht überzeugen. Die Aktie hat sich zwar deutlich von ihrem Tief bei 40,27 Euro im März des Jahres 2003 erholt. Allerdings befindet sie sich nun seit mehr als einem Jahr in einem volatilen Seitwärtstrend und dürfte erst dann richtig interessant werden, wenn es gelingen sollte, ihn nach oben zu überwinden. Immerhin befindet sie sich im Moment am oberen Rand der „Range“, die entscheidende Marke liegt bei 112,25 Euro.

Angesichts der in der Baisse gemachten Erfahrungen dürften sich bei einem Kauf der Aktie Absicherungsstrategien empfehlen. Denn Finanzwerte scheinen für Kursrückschläge besonders empfindlich sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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