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Finanzunternehmen Aktie von American Express bleibt riskant

 ·  Das Kreditkartenunternehmen American Express spürt die Wirtschafts- und Kreditkrise. Der Umsatz stagniert, der Gewinn geht zurück. Im dritten Qaurtal fiel er etwas besser aus als befürchtet. Skepsis scheint jedoch angebracht zu sein.

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Nach den dramatischen Verwerfungen in der Finanzbranche wirkt es inzwischen schon positiv, wenn ein Unternehmen der Branche geringe Erwartungen nicht verfehlt. So legte die Aktie von American Express am Montag im nachbörslichen Handel um 6,6 Prozent zu, obwohl das Unternehmen angesichts steigender Rückstellungen für Kreditausfälle und rückläufiger Verbraucherausgaben im dritten Quartal einen 24-prozentigen Rückgang beim Nettogewinn verbuchte.

Der Kreditkartenkonzern veröffentlichte am Montag nach dem Ende des offiziellen Handels ein Ergebnis von 815 Millionen Dollar oder 0,70 Dollar je Aktie. Im Vorjahr waren unter dem Strich noch 1,07 Milliarden Dollar oder 0,90 Dollar je Aktie geblieben. Analysten hatten im Konsens nur mit einem Gewinn von 0,59 Dollar je Aktie gerechnet.

Schwaches Wachstum - zunehmende Ausfallraten

American Express steigerte in den zurückliegenden drei Monaten die Erlöse um gerade einmal 0,5 Prozent auf 8,01 Milliarden Dollar. Vor Zinskosten lag das Wachstum bei drei Prozent auf 7,16 Milliarden Dollar. Dagegen fiel die Eigenkapitalrendite mit 27,8 Prozent nach 38,2 Prozent deutlich schmäler aus als noch im Vorjahr. Der Konzern erhöhte zudem seine Rückstellungen für Kreditrisiken verglichen mit dem Vorjahr um die Hälfte auf 1,37 Milliarden Dollar. Das kann als ein Zeichen dafür genommen werden, dass die Kunden des Konzerns wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten.

American Express erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 51,3 Prozent seiner Erlöse im amerikanischen Binnenmarkt. Dort galten im dritten Quartal 5,9 Prozent der ausgereichten Kredite als uneinbringlich nach 5,3 Prozent per Ende Juni und drei Prozent vor einem Jahr. Insgesamt seien 3,9 Prozent der aktuellen Kreditsumme mehr als 30 Tage überfällig. Vor einem Jahr lag die Quote noch bei 2,4 Prozent. In den nächsten zwei Quartalen rechnet Finanzvorstand Dan Henry mit weiter steigenden Kreditausfällen, wie er im Anschluss an die Bilanzvorlage in einer Telefonkonferenz sagte. Das heißt, das Unternehmen kann in dieser Region in einem sich deutlich verschlechternden Umfeld kaum noch wachsen.

Die Welle der Kreditausfälle und -abschreibungen haben American Express zwar vergleichsweise spät erreicht. Denn alle anderen Kreditkartenanbieter leiden schon seit geraumer Zeit darunter, dass Verbraucher ihre persönlichen Ausgaben reduzieren und mit den Rückzahlungen in Verzug geraten. Doch das Unternehmen scheint besonders verwundbar zu sein, weil der Konzern einer der wenigen reinen Kreditkartenunternehmen ist.

Zum eigenen Schutz hat American Express bereits vor einiger Zeit immerhin die Bedingungen für jene Verträge verschärft, bei denen die Kunden einen Teil der Kreditsumme von Monat zu Monat behalten. Jetzt trifft es auch die Kunden jener reinen „Charge Cards“, deren Saldo monatlich ausgeglichen werden muss. CFO Henry kündigte weitere „Preismaßnahmen“ an. So soll der jährliche Zins für „bestimmte Kundengruppen“ um zwei bis drei Prozentpunkte angehoben werden.

Verbraucher- und Geschäftsvertrauen verschlechtert sich

Vorstandschef Kenneth Chenault erklärte, die jüngsten Finanzmarktturbulenzen hätten American Express in der Einschätzung bestärkt, dass Verbraucher- und Geschäftsvertrauen sich weiter verschlechtern werden und dass es zu einer Abschwächung der Konjunktur bis weit in das Jahr 2009 hinein kommen dürfte. Solche Einsichten sind nicht neu, sondern schon seit längerem absehbar.

American Express will offenbar mit Kostensenkungsmaßnahmen auf diesen Trend reagieren. Der Konzern erklärte, er stehe kurz vor dem Abschluss eines Planes, der durch eine Senkung der operativen Kosten und eine Verringerung der Belegschaft finanzielle Ressourcen freisetzen werde. Details nannte das Unternehmen mit Sitz in New York nicht. Im vierten Quartal sollen bereits die Kosten des Programms verbucht werden.

Angesichts der der globalen Wachstumsschwäche und der Notwendigkeit vieler Konsumenten, ihre Gürtel enger zu schnallen - vor allem auch in den Vereinigten Staaten, wo die Sparquote in den vergangenen Jahren sogar negativ gewesen war - dürften die Wachstumsaussichten des Unternehmens allenfalls verhalten ausfallen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 9,6 und 9,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und einer Dividendenrendite von knapp drei Prozent sieht die Aktie zwar vergleichsweise attraktiv aus.

Allerdings dürfte es riskant sein, sich die Papiere ins Depot zu legen. Wahrscheinlich wird sich das Kreditportfolio des Unternehmens noch weiter verschlechtern. Zudem bleibt das Umfeld auf der Finanzzierungsseite wahrscheinlich schwierig. Immerhin beträgt das Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital mehr als 600 Prozent. Das Chartbild sieht verheerend aus.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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