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Finanzplatz Hongkong Chinas Dufthafen lockt nicht nur Parfümhersteller

03.05.2011 ·  Nirgendwo sonst gibt es so viele Börsengänge wie in Hongkong. Die chinesische Sonderverwaltungszone zieht auch immer mehr internationale Konzerne an. Der Riesenmarkt China und die Liquidität der Anleger überzeugen.

Von Christian Geinitz
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Hongkong heißt auf Chinesisch Xiang Gang, duftender Hafen. Das ist ein passender Name für einen Finanzplatz, den sich gleich drei der bekanntesten Luxuswaren- und Parfümhersteller der Welt für ihren Börsengang ausgesucht haben. Vor genau einem Jahr sammelte hier der französische Kosmetikkonzern L'Occitane 790 Millionen Dollar ein, jetzt folgt die Mode- und Duftwassermarke Prada aus Italien. Nach Angaben der Agentur Bloomberg strebt auch der florentinische Lederwaren- und Aromenanbieter Salvatore Ferragamo aufs Hongkonger Parkett.

Prada, wie Ferragamo ein Familienbetrieb, wolle im Juli rund 2 Milliarden Dollar einsammeln, heißt es. Dass der Konzern dazu nicht die Heimatbörse in Mailand bemüht, hat nicht nur etwas mit dem Niedergang der italienischen Finanzmärkte zu tun, sondern vor allem mit der Attraktivität der chinesischen Sonderverwaltungszone. „Die Börse in Hongkong wird immer beliebter für internationale Notierungen“, sagt Neville Lam, Direktor der Bewertungsgesellschaft American Appraisal in Schanghai. Sein Unternehmen, das einige der Börsengänge begleitet, spürt seit etwa einem Jahr ein stark wachsendes Interesse. „In den letzten Monaten hat das noch einmal angezogen.“

„Üppige Liquidität unter den Anlegern“

In den Gesprächen nennen die Unternehmen viele Gründe, die für Hongkong sprechen. China und sein internationaler Finanzplatz seien verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen, hätten Stabilität und Verlässlichkeit bewiesen. Japanische und südkoreanische Aktiengesellschaften mieden seit der Umweltkatastrophe in Japan die Börse in Tokio, „aus psychologischen Gründen“, wie Lam sagt.

„Die Hauptmotive für einen Börsengang in Hongkong sind aber die Nähe zum Riesenmarkt China und die üppige Liquidität unter den Anlegern“, weiß der Berater. Prada, das erste italienische Unternehmen, das es nach Hongkong zieht, bestätigt das. Man wolle dichter an die Wachstumsregionen heranrücken und die besten Möglichkeiten nutzen, die der internationale Kapitalmarkt zu bieten habe, sagte der Vorstandsvorsitzende Patrizio Bertelli.

Über 100 Börsengänge erwartet

China ist schon seit einigen Jahren der beliebteste Ort der Welt für neue Notierungen. In Schanghai und Shenzhen versorgten sich im vergangenen Jahr 347 chinesische Unternehmen mit rund 73 Milliarden Dollar; ausländische Kandidaten sind in Rotchina bisher nicht zugelassen. Zum Vergleich: In New York gab es 148 Börsengänge im Volumen von 40 Milliarden Dollar, in London sammelten 88 Gesellschaften 13 Milliarden ein. Am ertragreichsten unter allen Finanzplätzen war wieder einmal Hongkong: Hier entlockten 94 Konzerne den Anlegern die Rekordsumme von 58 Milliarden Dollar. Das Volumen je Börsengang war mehr als doppelt so hoch wie anderswo.

Price Waterhouse Coopers (PWC), das diese Daten erhoben hat, erwartet auch für dieses Jahr von Hongkong einen Spitzenplatz. Es rechnet mit 110 Börsengängen im Volumen von rund 45 Milliarden Dollar. „Die Hongkonger Finanzmärkte bleiben die Hauptplattform für internationale Investoren, um nach China zu gehen“, bestätigt der PWC-Partner Edmond Chan aus Hongkong. „Auch die Zahl ausländischer Unternehmen, die in Hongkong gelistet werden wollen, steigt weiter.“ Zwar entfällt der Großteil der Börsengänge nach wie vor auf Unternehmen aus Rotchina, Macao und Hongkong selbst. Aber während sich 2009 nur ein einziger Ausländer aufs Hongkonger Parkett wagte, waren es 2010 immerhin sechs.

Dort Geld aufnehmen, wo es verdient wird

In diesem Jahr könnten es deutlich mehr werden. Interessiert sind nach Neville Lams Erfahrung vor allem Gesellschaften aus den Branchen Konsumgüter und Bergbau. Tatsächlich könnte nach L'Occitane, Prada und Salvatore Ferragamo auch der Kofferhersteller Samsonite noch in diesem Jahr in Hongkong an die Börse gehen. Der Finanzinvestor CVC, dem die Traditionsmarke gehört, will damit angeblich eine Milliarde Dollar erlösen.

Die japanische Modekaufhauskette Baroque Japan gilt ebenfalls als interessiert daran, sich in Hongkong mit frischem Geld zu versorgen. Sie unterhält in China 26 Häuser und will dort besonders stark wachsen. „Das Luxus- und Konsumgütersegment boomt nirgendwo so wie in China“, sagt Lam. „Die Hersteller wollen das Geld dort aufnehmen, wo sie es verdienen. Zugleich nutzen sie den Börsengang, um ihre Marken in Fernost bekannter zu machen.“

Offenbacher Lackfabrik in Hongkong notiert

Ähnliches gilt für die Rohstoffbranche. Chinas Hunger nach Energie, Metallen und Baumaterialien hat das Land zum größten Markt für Bodenschätze gemacht. Die internationalen Konzerne wollen ihren wachsenden Absatz mit entsprechenden Börsengängen flankieren. Den Anfang machte 2010 der russische Aluminiumkonzern Rusal, der sich in Hongkong 2,24 Milliarden Dollar besorgte. Zunächst eine Enttäuschung unter den Anlegern, hat sich der Kurs mittlerweile gefangen. Etwa zur gleichen Zeit erreichte die brasilianische Minengesellschaft Vale in Hongkong eine Zweitnotiz. Mongolian Mining aus dem nördlichen Nachbarland sammelte 750 Millionen Dollar ein.

Hongkong macht sich Hoffnung auf einen weiteren großen Fisch aus der Mongolei. Man erwartet, dass die dortige Regierung den Börsengang der staatlichen Erdenes-Tavan Tolgoi Co. für Ende dieses Jahres oder zu Beginn 2012 ankündigt. Dem Unternehmen gehören die größten Koksvorkommen der Welt. Auf der Liste stehen in Hongkong auch der südafrikanische Kohleförderer Lontho Coal sowie die kasachische Kupfermine Kazakhmys. Bestätigt ist, dass der weltgrößte Rohstoffhändler, die Schweizer Glencore-Gruppe, in London und Hongkong eine Doppelplazierung plant. Damit will sie rund 12 Milliarden Dollar erlösen. Das erste deutsche Unternehmen, das in Hongkong notiert, ist die Offenbacher Lackfabrik Schramm. Der Automobilzulieferer wagte den Schritt Ende 2009.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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