Home
http://www.faz.net/-gv7-qhuh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Finanzmarktregulierung Gerüchte um Kapitalregeln treiben Bankaktien

17.12.2009 ·  Mit großer Spannung warten die Banken auf Details der neuen Kapitalvorschriften. Doch bei den strengeren Anforderungen zeichnen sich Übergangsfristen ab. Die Hoffnung darauf führte zu kräftigen Kursbewegungen der Bankaktien.

Von Stefan Ruhkamp und Markus Frühauf
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Gerüchte über einen jahrelangen Aufschub bei der Umsetzung schärferer Regeln für die Bankenaufsicht haben am Mittwoch zu kräftigen Kursaufschlägen bei Bankaktien geführt. Der deutsche Leitindex erreichte im Handelsverlauf mit 5901 Punkten ein neues Jahreshoch. Auslöser war der Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei", wonach es eine zehnjährige Übergangsfrist für die Einführung der schärferen Kapitalregeln in der Bankenaufsicht geben solle.

Daraufhin sprangen zunächst die Kurse japanischer Banken in die Höhe. Die Aktien von Mizuho Bank gewannen 15 Prozent, die Titel der Shinsei Bank legten um 13 Prozent zu. Später folgten die europäischen Bankenwerte der Tendenz. Der Stoxx-Branchenindex legte im Verlauf rund 1,5 Prozent zu.

Aktienkurs der Commerzbank legt deutlich zu

Aktien der Commerzbank notierten mit 7 Prozent im Plus, die der Deutschen Bank mit gut 5 Prozent. "Wenn sich der Bericht bestätigen würde, wäre das gut für die Banken, denn das würde ihnen mehr Luft verschaffen", kommentierte ein Aktienhändler die Kursbewegungen. Ein weiterer Händler wies auf die möglichen Effekte für die Wirtschaft hin: "Wenn die Banken entspannt sind, dann wird sich auch die Kreditvergabe entspannen."

Im Umfeld von Aufsichtsbehörden und Notenbanken hieß es, dass bei den strengeren Kapitalregeln "angemessene Übergangsfristen" vorgesehen sind. Man habe nicht feste Fristen vereinbart. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der die neuen internationalen Regeln vorantreibt, hatte sich am 8. und 9. Dezember getroffen. Dort wird an diesem Donnerstag über den Zwischenstand berichtet. Es habe keine neuen Entscheidungen über den geplanten Ablauf der Umsetzung der neuen Regeln gegeben, hieß es im Umfeld des Baseler Ausschusses. Maßgeblich seien weiterhin die Beschlüsse der G 20, der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Diese zielen darauf ab, die Qualität und die Menge des Bankenkapitals zu erhöhen. Die Regeln sollen bis Ende 2010 festgelegt werden und dann in Kraft treten, sobald die Erholung der Wirtschaft gesichert sei. Zeitliches Ziel der Umsetzung ist Ende 2012. An diesem geplanten Ablauf habe sich nichts geändert, heißt es.

Verschärfung der Regulierung führt zu höherem Kapitalbedarf

Bundesbank-Präsident Axel Weber hatte in der vergangenen Woche eine Auswirkungsstudie zu den neuen Kapitalregeln für das erste Halbjahr 2010 angekündigt. Seiner Ansicht nach müssen die Konsequenzen in der Änderung der Eigenkapitalregeln deshalb genau analysiert werden, weil die Auswirkungen diametral entgegenwirken können. Bei den Beratungen zu den derzeit geltenden Kapitalregeln Basel II riefen Auswirkungsstudien in der Regel neuen Diskussionsbedarf hervor mit dem Resultat weiterer Auswirkungsstudien.

Für die Banken führt die Verschärfung des regulatorischen Rahmens zu einem höheren Kapitalbedarf. Der Risikovorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, bezifferte am Dienstag gegenüber Investoren den daraus resultierenden Kapitalbedarf für sein Institut auf 5 Milliarden Euro. Bänziger zeigte sich zuversichtlich, dass die Deutsche Bank diesen Mehraufwand aus eigener Kraft stemmen kann. Doch andere Institute hätte dies vor Probleme gestellt, wenn die Kapitalregeln überstürzt eingeführt würden. Gerade mit Blick auf die befürchtete Kreditklemme haben Bankenvertreter und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass eine höhere Eigenkapitalunterlegung für Banken erst dann eingeführt werden dürfe, wenn die Krise tatsächlich abgeschlossen sei. Eine vorzeitige Einführung höherer Kapitalanforderungen hätte den Aufschwung stoppen können, weil die Kreditvergabekapazitäten der Banken drastisch zurückgegangen wären.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%