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Finanzmarkt Schneller Dax-Abstieg von VW möglich

31.10.2008 ·  So eine Woche wie diese möchte die Deutsche Börse ihrem Aushängeschild Dax nicht mehr zumuten. Die Deutsche Börse ändert ihre Regeln für die Indexzusammensetzung. Die VW-Aktie könnte in der nächsten Woche aus dem Dax fallen.

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So eine Woche wie diese möchte die Deutsche Börse ihrem Aushängeschild Dax nicht mehr zumuten. Dominiert von einer Irrfahrt der VW-Aktie entkoppelte sich der Dax tagelang von der internationalen Börsenentwicklung.

Der Frankfurter Börsenbetreiber ändert deshalb seinen Leitfaden Aktienindizes. Wie der Vorstand der Deutsche Börse AG nach Abstimmung mit dem Arbeitskreis Aktienindizes am Freitagnachmittag beschloss, sollen künftig zwei weitere Kriterien zur Mitgliedschaft im 30 Werte umfassenden Dax herangezogen werden: Von Montag an wird jeden Tag nach Handelsschluss überprüft, ob es einen Dax-Wert gibt, dessen Gewicht im Index mehr als 10 Prozent beträgt und dessen Aktienkurs besonders stark schwankt. Dies wird gemessen an der 30-Tage-Volatilität. Der Grenzwert wurde auf 250 Prozent festgelegt. Gibt es eine Aktie, die beide Kriterien erfüllt, muss sie den Index bereits zum Ende des übernächsten Handelstages verlassen und wird durch einen Nachrücker ersetzt.

Wird die VW-Aktrie in der kommenden Woche aus dem Dax genommen?

Dieses wenig erfreuliche Schicksal könnte bereits in der nächsten Woche die VW-Aktie erleiden, die auch die Ursache für die kurzfristige Anpassung des Indexleitfadens ist. Wie bereits am Dienstagabend beschlossen, wird der zwischenzeitlich auf 30 Prozent gestiegene VW-Anteil im Dax zum Handelsbeginn am Montag auf 10 Prozent gekappt. Entwickelt sich die Aktie dann bis zum Handelsende besser als der Dax, könnte ihr das den Garaus in Deutschlands erster Börsenliga machen. Dann nämlich würde die Deutsche Börse am Abend feststellen, dass das VW-Gewicht wieder mehr als 10 Prozent beträgt. Die Volatiltitätsgrenze übertrifft die Aktie des Wolfsburger Autobauers nach der turbulenten Handelswoche ohnehin.

Derzeit liegt der Wert bei 387 Prozent und damit deutlich über dem Grenzwert von 250 Prozent. Da der Grenzwert ein 30-Tage-Durchschnitt ist, wird er in jedem Falle auch noch am Montag überschritten werden. Das Dax-Gründungsmitglied würde dann am Mittwoch seinen letzten Handelstag haben. Als Ersatzkandidaten kämen nach der Rangliste mit Stand Ende September Beiersdorf, Salzgitter und Q-Cells in Frage. Die Deutsche Börse wird jedoch auf Basis der Freitagsschlusskurse in der nächsten Woche eine aktualisierte Rangliste ermitteln.

Wenn der VW-Aktienkurs sich am Montag allerdings unterdurchschnittlich entwickelt, ändert sich an der Indexzusammensetzung zunächst nichts. Die neuen Kriterien werden jedoch am Ende jeden Handelstages überprüft. Die Deutsche Börse will damit verhindern, dass ihre Marke Dax nochmals Schaden nehmen könnte. In dieser Woche war vielfache Kritik geübt worden, da mit VW eine einzelne Aktie ein derart hohes Gewicht erlangt hat, dass sie den Index völlig verzerrte. Er gab damit nicht mehr wirklich ein gutes Bild der Wertentwicklung Deutschlands 30 größter Aktiengesellschaften wider.

Andere Werte von der neuen Regel nicht betroffen

Am Montag fielen die Aktienkurse von 29 Dax-Werten, der Index schloss jedoch dank der VW-Aktie im Plus, am Mittwoch war es umgekehrt. Eine Rückkehr in den Dax wäre für VW nach einem Abstieg frühestens im Dezember möglich. Dann würde die Deutsche Börse ihre Kriterien für einen schnellen Aufstieg (Fast Entry) prüfen und gleichzeitig schauen, ob die 30-Tage-Volatilität der VW-Aktie wieder auf weniger als 150 Prozent gesunken ist.

Dass die neue Regelung noch weitere Dax-Werte betreffen könnte, ist derzeit nicht abzusehen. Mit Eon hat nur ein anderer Titel ein Gewicht von mehr als 10 Prozent. Die 30-Tage-Volatilität der Eon-Papiere liegt allerdings mit derzeit 112 Prozent deutlich unter dem Grenzwert von 250 Prozent. Siemens kommt auf ein Dax-Gewicht von gut 8 Prozent, aber auch hier schwanken die Aktienkurse bei weitem nicht so stark, um die 250 Prozent-Grenze zu reißen. Diesen Wert übertrifft außer VW nur noch die Aktie der Hypo Real Estate mit einer 30-Tage-Volatilität von 461 Prozent. Mit einem Indexgewicht von nurmehr 0,2 Prozent verzerrt die Aktie aber trotz der enormen Kursschwankungen die Dax-Entwicklung nicht. Vielmehr droht hier der Abstieg im Dezember nach der Fast-Exit-Regel wegen zu geringen Marktwerts.

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