27.07.2005 · Die Stimmung an den Börsen ist gut, technische Analysten haben ihre Kursziele nach oben revidiert. Dagegen stehen die Insidertransaktionen. Zumindest in Amerika haben im Finanz- und Technologiebereich die Verkäufe zugenommen.
Internet-, Technologie- und auch Biotechwerte faszinieren die Anleger wieder einmal. Spätestens seit der Nasdaq-Composite-Index den starken Widerstand bei 2.100 Punkten überwunden und sich daran gemacht hat, neue Mehrjahreshochs zu machen, scheint Anlegern klar sein, daß eine neue Rally in diesem Bereich bevorstehe.
Allerdings gibt es auch warnende Gegenbeispiele und -argumente. So haben in Amerika die Insiderverkäufe im Technologie- und auch im Finanzbereich im vergangenen Quartal deutlich zugenommen. Das heißt, Unternehmensmanager tendieren zunehmend dazu, die Aktien der eigenen Unternehmen zu verkaufen. Das ist kein sonderlich gutes Zeichen, denn sie haben in der Regel einen besseren Überblick über die künftige Ertragsentwicklung als außenstehende Personen, zum Beispiel die notorisch optimistischen Analysten.
Insider tendieren zu Verkäufen ...
Das heißt, Insider betrachten das von Optimisten unterstellte Gewinnwachstum tendenziell skeptisch. Das dürfte kaum verwundern, denn die Ertragsmargen vieler Unternehmen befinden sich auf Rekordhoch und dürften nicht nur kaum mehr gesteigert werden können, sondern im Rahmen eines Normalisierungsprozesses eher zurückgehen. Sollte sich das bestätigen, könnte sich das Gewinnwachstum in den kommenden Monaten abschwächen und auf diese Weise die gegenwärtige Aktienrally unterminieren.
Am Dienstag gab es in Amerika ein konkretes Beispiel für diese Gefahr: Die Aktie von Infospace. Sie verlor nachbörslich mehr als 32 Prozent, nachdem das Unternehmen eine Umsatz -und Gewinnwarnung für das dritte Quartal ausgegeben und gleichzeitig die Umsatzprognose für das Gesamtjahr reduziert hat. Infospace geht davon aus, im dritten Quartal 15 bis 20 Cents je Aktie verdienen zu können. Das ist unter Umständen sogar etwas weniger als die Hälfte dessen, was der Markt bisher erwartet hatte.
Der Umsatz werde im dritten Quartal zwischen 75 und 80 Millionen Dollar liegen, nach bisherigen Erwartungen von 94 Millionen Dollar. Im Gesamtjahr werde der Umsatz voraussichtlich zwischen 330 und 340 Millionen Dollar liegen, nach bisherigen Schätzungen von 375 bis 395 Millionen Dollar. Der Gewinn werde zwischen 44 und 47 Millionen Dollar liegen. Bisher war man von einem Gewinn von 67 bis 75 Millionen Dollar ausgegangen.
... wenn der Zeitpunkt dafür reif zu sein scheint
Solche Anpassungen mögen extrem sein und bei einzelnen Unternehmen immer wieder vorkommen. Sollte das Phänomen jedoch auf mehr und mehr Firmen übergreifen und zu entsprechenden Kursreaktionen führen, so wäre das kein gutes Vorzeichen für die weitere Kursentwicklung an den Börsen. Dazu paßt auch das zyklische Bild: In der Vergangenheit kam es im Herbst immer wieder zu einer Anpassung von zu euphorischen Prognosen, was regelmäßig zu schwierigen Börsenphasen führte. So könnte eine gewisse Vorsicht angebracht sein.
Die Aktie von Infospace mag zwar nach den nachbörslichen Kursverlusten optisch zunächst günstig aussehen. Werden allerdings die Gewinnerwartungen ebenso deutlich nach unten revidiert und berücksichtigt man das angeschlagene Vertrauen der Anleger, so dürfte sich die Aktie nicht gerade aufdrängen. Auch die Charttechnik sieht nicht sonderlich günstig aus. Das Papier befindet sich seit November des vergangenen Jahres nach einer mehrjährigen Zwischenerholung wieder in einem Trend nach unten. Manche Marktteilnehmer scheinen eine gute Nase gehabt zu haben, da sie rechtzeitig verkauft haben. Dazu zählten im Oktober und November des vergangenen Jahres unter anderem die Unternehmens-Insider.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |