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Finanzmarkt Frankreich und Niederlande belasten Märkte

 ·  Anleger fürchten, dass der Sparwille in Europa nach dem Rücktritt der niederländischen Regierung und dem wahrscheinlichen Wahlsiegs Hollandes wieder erlahmt. Die Aktienkurse geben nach, Bundesanleihen haussieren.

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Der mögliche Machtwechsel in Frankreich, die Regierungskrise in den Niederlanden sowie enttäuschende Konjunkturdaten im Euroraum haben am Montag die Finanzmärkte verunsichert. Der deutsche Aktienindex Dax verliert 3,4 Prozent auf 6523 Punkte, der marktbreite FAZ-Index 3,3 Prozent auf 1447 Punkte. In Paris gab der Leitindex CAC-40 um 2,8 Prozent auf 3098 Punkte nach.

In Madrid fiel der führende Aktienindex Ibex-35 bei einem Tagestief von 6811 Punkten auf das niedrigste Niveau seit März 2009. Die spanische Wirtschaft rutschte nach Angaben der Notenbank zum Jahresauftakt in eine Rezession. Auch an der Wall Street in New York kommt es zu Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verliert 1,1 Prozent auf 12.886 Punkte. Der marktbreite S&P-500-Index gibt 1,1 Prozent auf 1363 Zähler nach, der Nasdaq Composite 1,5 Prozent auf 2956 Stellen.

Furcht vor Hollande

Dass die Anleger wieder zum Krisenmodus zurückkehrten, zeigt die hohe Nachfrage nach der Bundesanleihe, die als sicherer Hafen betrachtet wird. Der Terminkontrakt Bund-Future erreichte mit 141,26 Prozent ein Rekordhoch. Entsprechend fiel die Rendite in der zehnjährigen Laufzeit auf das neue Rekordtief von 1,642 Prozent.

Der Ausgang der ersten Runde in der französischen Präsidentenwahl löste Befürchtungen aus, dass der Sozialist François Hollande die Stichwahl gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewinnen könnte. Dann könne das Misstrauen gegenüber dem Euro und den europäischen Märkten weiter wachsen, sagt Roger Peeters, Analyst der Bank Close Brothers Seydler. Auch die Gemeinschaftswährung geriet unter Druck und verbilligte sich auf bis zu 1,3120 Dollar.

An den Finanzmärkten war die Befürchtung aufgekommen, dass Hollande den europäischen Fiskalpakt stoppen könnte. Der sozialistische Politiker meint, dass Maßnahmen zur Schuldeneindämmung Europa alleine nicht aus der Krise führen können. Initiativen zur Wachstumsstimulierung müssten hinzugefügt werden. Hollande glaubt, dass er diese Forderung im Falle seines Wahlsieges durchsetzen könne, denn mit einer Mehrheit der zweitgrößten Euro-Nation im Rücken besitze er genügend politische Legitimität.

Analysten an den Finanzmärkten haben auch bemerkt, dass Hollande zwar die Neuverschuldung so wie sein Kontrahent 2013 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zurückführen will. Doch in Bezug auf die dafür nötigen Kürzungen der Staatsausgaben hat er den Weg dahin nur vage beschrieben. Hollande setzt anstelle von öffentlichen Ausgabenkürzungen insgesamt stärker auf Steuererhöhungen als Sarkozy. Auch dies beunruhigt etliche Investoren, weil dies wachstumsfeindliche Signale aussende.

Angst um Holland

Dass der europäische Fiskalpakt vor neuen Widerständen stehen könnte, lag auch an dem Rücktritt der Regierung in den Niederlanden. Dort kommt es nach den gescheiterten Haushaltsverhandlungen zu Neuwahlen. Das Ende der Minderheitsregierung von Ministerpräsident Mark Rutte birgt dem Unicredit-Anlagestrategen Christian Stocker zufolge das Risiko eines erlahmenden europäischen Sparwillens. „Denn bisher waren die Niederlande ein stabiler Partner in der Eurozone“, fügte er hinzu. Dies zeige die Probleme und die wachsenden Spannungen innerhalb der Region.

Französische Anleihen hatten schon vor der Wahl wegen des befürchteten Machtwechsels nachgegeben. Am Montag tendierten sie nahezu unverändert. Dagegen fielen die Kurse niederländischer Staatstitel. Entsprechend erhöhte sich die zehnjährige Rendite auf 2,4 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber der deutschen Anleihe stieg auf ein Dreijahreshoch.

Für Enttäuschung sorgten auch Konjunkturdaten aus dem Euroraum. Die Einkaufsmanager der verarbeitenden Industrie und des Dienstleistungssektors beurteilten die Konjunkturaussichten unerwartet skeptisch. Die eingetrübten Wachstumsaussichten belasteten konjunkturabhängige Werte. Die Aktie des Stahlkonzerns Arcelor Mittal verlor 5,3 Prozent und die des Baustoffherstellers Heidelberg Cement 5,5 Prozent. Auch Finanzwerte standen unter Druck. Die Titel der niederländischen Bank ING brachen um 6,1 Prozent ein. Der Aktienkurs der Commerzbank fiel um 5,6 Prozent, während sich die Titel der Deutschen Bank um 4,4 Prozent verbilligten.

Vorgaben aus Übersee lasten auf amerikanischen Aktien

Die negativen Vorgaben lasten auch auf dem amerikanischen Aktienmarkt. „Die europäischen Schulden dürften bei den Investoren auch weiterhin an vorderster Stelle stehen“, erwartet Steve Hammers von Compass EMP Funds. Der Ölpreis fällt im Einklang mit den Aktienmärkten um 1,7 Prozent auf 102,14 Dollar je Barrel.

Conoco Philips hat vorbörslich Geschäftszahlen vorgelegt, die mit Enttäuschung aufgenommen wurden. Zeitweise deutlichere Abschläge hat die Aktie mittlerweile aber wieder aufgeholt und liegt noch 0,4 Prozent im Minus bei 72,57 Dollar. Kellog geben um 5,1 Prozent auf 51,21 Dollar nach, nachdem der Hersteller von Frühstücksflocken seine Jahresziele gesenkt hat.

Wal-Mart fallen um 4,6 Prozent auf 59,55 Dollar. Die mexikanische Tochter des Einzelhändlers soll gegen ein amerikanisches Gesetz verstoßen haben, das amerikanischen Unternehmen Bestechung im Ausland verbietet.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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