29.06.2011 · Die Hoffnung auf Sparmaßnahmen in Griechenland belebt den Risikoapptit der Anleger kurzfristig. Selbst der Athens Stock Exchange General Index legt um 3,3 Prozent zu. Grundsätzlich bietet der Markt aber nur wenige reizvolle Werte.
In der Hoffnung auf die Zustimmung des griechischen Parlaments für die geplanten Sparmaßnahmen der griechischen Regierung hat der Risikoappetit der Anleger weltweit nach Wochen der Bedenken eine Renaissance erlebt.
Nun gehen kurzfristig viele davon aus, dass die Zustimmung die Refinanzierung des Landes durch Garantien und Zahlungen von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds zumindest auf Sicht sichern werden.
„Risk on“
Diese Erwartung bringt die Anleger kurzfristig dazu, sich quer durch die Bank und ohne Rücksicht auf Logik und fundamentale Faktoren Aktien, Währungen sowie Energie- und Rohstoffkontrakte in ihre Depots zu legen, die in solchen Phasen üblicherweise und hoch korreliert Preis- und Kursgewinne verbuchen können.
Während auf der anderen Seite die Staatsanleihen der bisher noch als solide geltenden Länder wie Deutschland und die Vereinigten Staaten verkauft werden, können vor allem die Finanzwerte deutliche Kursgewinne verbuchen. Immerhin deutet vieles darauf hin, dass die sie die Risiken, die sie sich in der Vergangenheit mit dem Kauf griechischer Staatsanleihen in fahrlässiger Verkennung der Fakten beziehungsweise im Bewusstsein, sich im Extremfall auf die Hilfe der Steuerzahler verlassen zu können, genau bei diesen werden loswerden können.
In diesem Rahmen verbuchen die Aktien von europäischen Banken und Versicherungen deutliche Kursgewinne. Allen voran die Papiere griechischer Banken. Die Anteilsscheine der Alpha Bank legen um 6,4 Prozent zu, die der EFG Eurobank um 5,8 Prozent und die der National Bank of Greece um 5,5 Prozent. Allerdings sind das kurzfristige Kursbewegungen, die wenig über die mittel- und längerfristige Entwicklung aussagen.
Die zeichnet sich dadurch aus, dass Griechenland wirtschaftsstrukturell tief in der Krise steckt, aus der das Land selbst beim besten Willen nicht auf die Schnelle wird herauskommen können, selbst wenn es versprochene Maßnahmen umsetzen und notwendige Reformen durchführen würde. Die Historie lässt genau daran starke Zweifel aufkommen, denn zu oft ist schon zu viel versprochen worden, ohne es zu halten. Aus diesem Grund dürften Anleger die Anteilsscheine vieler Unternehmen des Landes weiterhin mit der notwendigen Skepsis betrachten.
Auf der anderen Seite jedoch gibt es Unternehmen, die sich trotz der Krise operativ robust entwickeln und deren Papiere für langfristig orientierte Anleger Reize haben können. Dazu zählen beispielsweise die Aktien von Hellenic Petroleum (GRS298343005). Das Unternehmen konnte in den vergangenen Jahren den Umsatz im Trend steigern und zumindest im Durchschnitt solide Gewinne erzielen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp zehn und gar 6,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sowie mit einer Dividendenrendite - die Ausschüttung ist schon seit Jahren relativ konstant - von knapp sieben Prozent sind sie vernünftig bewertet.
Robust entwickelte sich bisher auch das Lotterieunternehmen OPAP. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von sechs und einer Dividendenrendite von knapp 15 Prozent sehen die Aktien des Unternehmens optisch geradezu unglaublich günstig aus. Allerdings ist fraglich, ob die griechischen Konsumenten künftig angesichts fallender Einkommen und hoher Arbeitslosigkeit noch das nötige Kleingeld übrig haben, um in diesem Bereich aktiv zu werden. Die entsprechende Skepsis wird bestätigt durch den langfristigen Abwärtstrend, in dem sich die Aktie befindet. Eine deutliche Kurserholung wurde in den vergangenen Wochen in Form massiver Kursverluste wieder bereinigt.
Kommt „Privatisierungsphantasie“ auf?
Selbst die Papiere der Thessaloniki sowie der Piraeus Port Authority (GRS427003009, GRS470003013) bieten nur dann Reize, wenn die Unternehmen im Gegensatz zu den vergangenen Jahre die Erlöse steigern und effizienter werden könnten. Da bisher jeweils 75 Prozent der Anteile im Besitz des klammen griechischen Staates befinden, könnte zumindest auf Sicht eine gewisse „Privatisierungsphantasie“ aufkommen. Die Papiere der Piraeus Port Authority sind allerdings jetzt schon massiv überbewertet.
Die Aktien des Spielzeugherstellers Jumbo (GRS282183003) zeichnen sich durch eine überaus solide Bewertung aus, die sich wiederum aus einer ebenso soliden Umsatz- und Gewinnentwicklung ableitet. Das Risiko besteht darin, dass das Unternehmen operativ bisher zu stark alleine auf den griechischen Markt ausgerichtet ist.
Reizvoll sehen auch die Aktien der Metka S.A. (GRS091103002) aus. Das Unternehmen, das unter anderem im Infrastruktur-, Energie-, Minen- und Verteidigungsbereich komplexe mechanische Strukturen plant und baut, konnte in den vergangenen Jahren sowohl Umsatz als auch den Gewinn steigern und ist vergleichsweise international ausgerichtet. Die Papiere sehen nach einem Ausverkauf in den vergangenen Monaten optisch sehr günstig aus.
Es gibt sie schon, man muss nur danach suchen
Gerd Rost (gerdrostelpasotexasusa)
- 01.07.2011, 06:24 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.264,38 | −0,26% |
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| TecDAX | 751,01 | −0,01% |
| MDAX | 10.147,80 | −0,59% |
| SDAX | 4.823,45 | +0,10% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.118,94 | +0,13% |
| F.A.Z. EURO | 68,54 | −0,23% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.524,87 | −0,49% |
| S&P500 | 1.310,33 | −0,23% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2347 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 101,54 $ | −0,08% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |
| Bund Future | 145,92 € | +0,31% |