Der Amerikaner Warren Buffett gilt gemeinhin als einer der besten Anleger weltweit. Immer wieder wird er in den verschiedensten Medien ob seiner tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Genialität gerühmt. Viele seiner Äußerungen werden aufmerksam aufgenommen.
Besonders gespannt ist man auf die Jahresberichte, die Buffett regelmäßig im März für die Aktionäre seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway veröffentlicht. Darin gibt er Rechenschaft über die Geschäftsentwicklung der verschiedenen Beteiligungen, wagt einen Ausblick auf die nähere und weitere Zukunft und geht auf gut gewählte Themen detailliert ein.
Vergleich von Buchwert und Aktienkurs bringt kurzfristig wenig
Zum Einstieg in den Bericht vergleicht Buffett regelmäßig die Entwicklung des Buchwertes je Aktie des eigenen Unternehmens mit der Entwicklung des S&P 500-Aktienindex. Dieser Vergleich fällt regelmäßig sehr gut aus. Im Jahr 2008 ging der Buchwert im Vergleich mit dem Vorjahr um knapp zehn Prozent zurück, während der S&P 500 einen Kursverlust von 37 zu verzeichnen hatte.
Dieser Vergleich hinkt allerdings. Denn der Kurs der Aktie von Berkshire Hathaway hat mit einem Minus von knapp 44 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten beinahe genauso viel verloren wie der breite Markt mit einem Wertverlust von knapp 45 Prozent. Das wird kaum verwundern. Denn die Holding des Investors blieb von der Finanzkrise nicht verschont und schaffte es am Jahresende nur knapp in die schwarzen Zahlen. Das Nettoergebnis brach im vierten Quartal um 96 Prozent auf 117 Millionen Dollar ein. Die Einnahmen fielen um zwölf Prozent auf 24,59 Milliarden Dollar.
Angesichts starker Buchverluste aus Derivategeschäften sank der Nettowert von Berkshire Hathaway im vierten Quartal um 10,9 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr rutschte der Gewinn um 62 Prozent auf rund fünf Milliarden Dollar ab. Das war das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 2002. Die Einnahmen sanken um neun Prozent auf 107,8 Milliarden Dollar.
Warren Buffett fürchtet, dass eine deutliche wirtschaftliche Erholung noch Jahre lang auf sich warten lässt. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr und wahrscheinlich noch lange darüber hinaus im Schlamassel steckenbleiben, schrieb Buffett in dem Brief an die Anteilseigner seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway. Er zeigte sich dennoch davon überzeugt, dass die Vereinigten Staaten im Laufe der Zeit dem Abwärtstrend widerstehen werden.
Auf der einen Seite ist Buffett mit seinen realwirtschaftlichen Beteiligungen deutlich betroffen von Wirtschafts- und Finanzkrise. Immerhin war und ist Berkshire stark ausgerichtet auf den amerikanischen Bau- und Immobilienmarkt. Auf der anderen profitiert das Unternehmen von der robusten Entwicklung im Versorgerbereich und von den starken Mittelzuflüssen im Versicherungsbereich.
Buffetts Philosophie: Hohe und robuste Cashflows erzielen
Buffetts Philosophie ist darauf ausgerichtet, möglichst hohe und robuste Cashflows zu erzielen, um jeder Zeit über ein hohes Liquiditätspolster zu verfügen und um mit den vereinnahmten Finanzmitteln arbeiten zu können. Das macht aus seiner Sicht das Versicherungsgeschäft so interessant, dass er es immer weiter ausbaut. Denn Versicherungsverträge führen zu regelmäßigen Einnahmen, welchen bei geschicktem Vorgehen nur eine beschränkte Zahl von Zahlungen gegenüberstehen.
Ähnliches gilt auch für die abgeschlossenen Derivatepositionen. Sie sind im Kern Wetten darauf, dass die Börsen in den Vereinigten Staaten, in Europa und in Japan langfristig über dem Niveau liegen werden, auf welchem sie beim Abschluss der Geschäfte vor kurzer Zeit lagen. Kurzfristig führen diese Kontrakte zu Buchverlusten, da die Börsen seit dem Abschluss der Geschäfte gefallen sind und ihren theoretischen Wert gemindert haben. Langfristig ist die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch groß, dass die Kurse wieder steigen werden. Schließlich ist das gesamte Wirtschaftssystem auf Wachstum und eine leicht inflationäre Entwicklung ausgerichtet. Der Clou dieser Kontrakte ist jedoch die Tatsache, dass Buffett potentielle Zahlungsverpflichtungen eingegangen ist und dafür von den Gegenseiten Prämien kassiert. Auf diese Weise hat er das Gegenparteienrisiko ausgeschaltet.
Insgesamt kann sich Buffett sich mit seiner Holding zwar nicht vom schwachen wirtschaftlichen Umfeld abkoppeln. Allerdings ist das Unternehmen alleine schon aufgrund seiner starken Liquiditätspolster und günstiger Investitionsmöglichkeiten dazu prädestiniert, solide aus der Krise herauszukommen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 13 und knapp 12 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind die Papiere optisch günstig bewertet. Allerdings dürfte sich trotz der Solidität auch der Kauf der A- oder der leichteren B-Aktien erst dann richtig reizvoll erscheinen, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung besser und vor allem auch positiver abschätzen lässt.