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Finanzmärkte Rußlands Börse hat die Yukos-Affäre abgehakt

20.01.2004 ·  Die Verhaftung des Chef des Ölkönzern Yukos im Oktober hat an der Moskauer Börse für viel Verunsicherung gesorgt. Doch inzwischen sind die Anleger zur Tagesordnung übergegangen, und die bedeutet steigende Kurse.

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Die Verhaftung des russischen Oligarchen Michail Chodorkowskij hatte bei internationalen Anlegern hohe Wellen geschlagen. Doch inzwischen sind die Investoren offenbar zu dem Schluß gekommen, daß die Affäre um Chodorkowskij und den Ölkonzern Yukos Oil ein Einzelfall war. Russische Aktien und Anleihen sind wieder gefragt. Die Investoren setzen darauf, daß das seit fünf Jahren andauernde Wirtschaftswachstum weitergehen wird.

In der vergangenen Woche erklomm das Börsenbarometer RTS-Index den höchsten Stand seit dem 21. Oktober, der Kurs der russischen Benchmarkanleihe mit Fälligkeit 2030 ist im Januar vier Prozent gestiegen und notiert bei pari. In den drei Monaten seit der Verhaftung Chodorkowskijs ist der Kurs um acht Prozent auf ein Sechsmonatshoch gestiegen, die Rendite fiel von 7,1 Prozent am 31. Dezember auf 6,7 Prozent. Der Rubel notiert mit 28,78 Rubel je Dollar auf dem höchsten Stand seit Mai 2001. Seit der Festnahme Chodorkowskijs hat die russische Währung fast vier Prozent zugelegt.

Börse wertet Yukos-Affäre als Einzelfall

„Der Markt sieht das als Einzelfall mit nur einem Opfer", erklärt Dimitry Chatzoudis, Fondsmanager bei ABN Amro. „Das russische Wirtschaftswachstum steht nicht in Frage. Und das ist der wichtigste Anziehungsfaktor." Rußland rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum von 5,2 Prozent. Im Vorjahr stieg das russische Bruttoinlandsprodukt um 6,8 Prozent.

„Wir gehen davon aus, daß russische Staatsanleihen weiter kräftige Unterstützung von den stabilen und immer besser werdenden Finanzdaten des Landes erhalten, unter anderem von den steigenden Devisenreserven", bekräftigt Mohamed El-Erian, Fondsmanager bei der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co. in Newport Beach, Kalifornien.

Gestiegene Exporteinnahmen sorgten in den sieben Wochen zum 26. Dezember für einen Anstieg der russischen Devisen- und Goldreserven um bis zu 13 Milliarden Dollar auf über 77 Milliarden Dollar. Damit steigt die Fähigkeit Rußlands, seine Fremdwährungsschulden zu bedienen. Außerdem verzeichnete Rußland im vergangenen Quartal 2003 einen Kapitalzufluß von 2,5 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal waren hingegen 8,7 Milliarden Dollar aus dem Land abgeflossen, so viel wie seit 2001 nicht mehr.

Moody's Investors Service hatte die Bonitätsnote für russische Bonds am 8. Oktober zwei Stufen auf Investmentgrade angehoben, ein weiterer Beleg für die wirtschaftliche Wende. Fünf Jahre zuvor hatte der russische Staat Rubelanleihen im Volumen von 40 Milliarden Dollar nicht mehr bedient.

Am Aktienmarkt hat ein gewisser Favoritenwechsel stattgefunden

In den Tagen nach Chodorkowskijs Verhaftung waren die Kurse russischer Aktien und Anleihen eingebrochen, belastet durch Spekulationen, daß Unsicherheit über die Eigentumsrechte für einen Rückgang der ausländischen Investitionen in die boomende Öl- und Metallindustrie des Landes sorgen werde. Chodorkowskij, der immer noch in Haft ist, bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn als politisch motiviert, weil er Oppositionsparteien unterstützt hatte. Am 27. Oktober, dem Montag nach der Festnahme Chodorkowskijs, verzeichnete der RTS Index mit minus 14 Prozent den größten Tagesverlust, seit der damalige Präsident Boris Jelzin im Mai 1999 Ministerpräsident Jewgeni Primakow entließ.

Mit Ausnahme der Yukos-Aktien, deren Kurs seit der Festnahme Chodorkowskis 22 Prozent gefallen ist, ging es am russischen Aktienmarkt seitdem jedoch wieder aufwärts. Die Anleger haben in den vergangenen Monaten auch verstärkt Interesse an russischen Aktien außerhalb der Ölbranche gezeigt, weil sich die Weltwirtschaft erholt und dies für eine höhere Nachfrage nach Rohstoffen sorgt. Rohstoffaktien haben einen Anteil von mehr als 70 Prozent am russischen Aktienmarkt.

Amerikanische Aktienzertifikate von Rußlands größtem Gaskonzern Gazprom haben seit Jahresanfang 13 Prozent auf ein Rekordhoch zugelegt. Die Titel von Norilsk Nickel, dem größten Nickelproduzenten weltweit, kletterten seit dem 1. Januar bis zu 8,1 Prozent auf ein Rekordhoch. Lukoil haben in diesem Jahr bis zu 5,6 Prozent gewonnen. „Das Interesse an rohstoffnahen Werten ist kräftig gestiegen, und der russische Aktienmarkt ist in einer einzigartigen Position, um davon zu profitieren", erläutert John Coast Sullenger, Fondsmanager bei Lombard Odier & Cie. in Genf.

Der Chart zeigt die Entwicklung beim russischen Aktienindex RTS.

Quelle: @JüB
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