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Finanzmärkte Rückblicke nützen Anlegern wenig

23.12.2009 ·  Nähert sich das Ende eines Jahres, so kommt es zu einer inflationären Welle von „Jahresrückblicken“. Sie mögen gemeinhin interessant sein, um das Gedächtnis aufzufrischen. In Bezug auf die Geldanlage aber sind sie vergleichsweise nutzlos.

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Nähert sich das Ende eines Jahres, so lässt sich regelmäßig eine inflationäre Entwicklung an Jahresrückblicken beobachten. Diese mögen gemeinhin noch halbwegs interessant sein, um das Gedächtnis aufzufrischen. In Bezug auf die Geldanlage dagegen sind sie vergleichsweise nutzlos.

Aussagen wie „mit brasilianischen Aktien hätten Sie in den vergangenen Monaten ein Plus von knapp 130 Prozent machen können“ sind für den irrelevant, der damals nicht den Mut hatte, sie sich ins Depot legte. Hat er es getan, so weiß er das längst. Denn jeder Blick auf sein Depot zeigt, wie gut seine Entscheidung war. Hat er es dagegen nicht getan, so machen ihn sämtliche Berichte, die mit „hätte man“ beginnen, kaum wohlhabender als zuvor.

Rückblicke haben nur begrenzte Aussagekraft

Der Anleger kann zwar analysieren, wie er in der Vergangenheit sein Geld am besten angelegt hätte und welche Einzelkomponenten zu seinem Erfolg oder Misserfolg beigetragen hätten. Ob ihn das mit Blick auf die Zukunft weiterbringen kann, ist allerdings offen. So kann er etwa feststellen, dass europäische Anleger mit dem Lyxor ETF Brazil nur deswegen so hohe Kursgewinne machen konnten, weil die brasilianische Währung in den vergangenen Monaten gegen den Euro 27 Prozent aufgewertet hat. Der Bovespa an sich ist „nur“ um etwa 80 Prozent gestiegen.

Nun sorgt die starke Währung in Brasilien langsam aber sicher für wirtschaftlichen Gegenwind. Denn sie macht die Exporte des Landes im internationalen Handel weniger wettbewerbsfähig. Das zeigt sich am Mittwoch unter anderem daran, dass der Motorsägenhersteller Stihl einen Teil der Motorsägen-Produktion von Brasilien nach Deutschland zurückholt. Als Grund nannte man den starken brasilianischen Real.

Dagegen sind die theoretischen Kursgewinne an den Börsen in Russland, Indonesien, Sri Lanka, der Türkei, der Ukraine und Argentinien in Euro so fulminant ausgefallen, obwohl die Währungen dieser Staaten in den vergangenen Monaten gegen die europäische Einheitswährung schwächelten oder sich auf tiefem Niveau halten. Die ukrainische Kriwna hat seit Ende des vergangenen Jahres rund die Hälfte ihres Wertes verloren, der argentinische Peso verlor seit Jahresbeginn etwas mehr als elf Prozent, während die türkische Lira ihren Abwertungstrend fortsetzte. Die Finanzmärkte der Staaten mit abwertenden Währungen können sich in einem Umfeld mit hohem Risikoappetit und üppiger Liquiditätsversorgung gut schlagen, da sie sich mit einer schwachen Währung im internationalen Handel Wettbewerbsvorteile zu Lasten anderer einhandeln können.

Währungseffekte bestimmen auch maßgeblich die Entwicklung der Anleiheportfolios. So konnten europäische Anleger mit kurz laufenden Rentenpapieren aus Südafrika, Australien, Neuseeland und Norwegen seit Jahresbeginn Renditen von bis zu 27 Prozent erzielen. Dafür sind nur bedingt hohe Kupons und steigende Kurse, als vielmehr die sich erholenden Währungen dieser Staaten verantwortlich. Ob sich solche Erfolge werden wiederholen lassen, ist fragwürdig.

Rohstoffe: Spekulation oder reale Nachfrage?

Diese Frage stellt sich auch mit Blick auf die starken Preissteigerungen, die in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Energie- und Rohstoffkontrakten zu beobachten gewesen waren. Blei etwa ist seit Beginn des Jahres in Euro um 127 Prozent teurer geworden, Kupfer um 119 Prozent, Zucker um 118 Prozent, Zink um 97 Prozent und Rohöl um kapp 64 Prozent. Auch wenn einige dieser Märkte momentan unterversorgt sein mögen, so werden die Preise an anderen primär von spekulativen Anlegern nach oben getrieben. Das gilt für Blei, Kupfer, bedingt für Öl und vor allem auch für die Edelmetalle. Der Preis von Gold steigt nur, weil Anleger sich gegen die mögliche Folgen bisher nie gesehener fiskal- und geldpolitischer Eskapaden absichern wollen. Sollten ihre Erwartungen und Befürchtungen nicht aufgehen, so würden Preisrückschläge nicht überraschen, sobald eine Verkaufslawine einsetzte.

Ähnliches gilt auch für einzelne Aktien wie die von Dialog Semiconductor, Balda, Teleplan, Aixtron, Tipp24, Infineon, GoYellow, Asian Bamboo, Wizcom Technologies oder auch ProSieben, die in den vergangenen Monaten Kursgewinne von bis zu 1.000 Prozent hatten verzeichnen können. Durch die Tatsache, dass viele dieser Unternehmen operativ nicht überzeugen können, wird deutlich, dass die Rationalität vieler Marktteilnehmer begrenzt ist - zumindest aus fundamentaler Sicht.

Anleger, die sich fundamental orientieren und die an einer soliden langfristigen Rendite interessiert sind, werden sich weder von erratischen Kursbewegungen solcher Art noch von unnützen Rückblicken beeinflussen lassen. Sondern sie wissen, wie man über die sorgfältige Auswahl von Einzelwerten, die sich langfristig gut schlagen - zum Beispiel Nestlé, BASF, Fresenius, Eon, Total - oder die Wahl einer Strategie, die Verluste begrenzt, bei geringem Aufwand solide Langfristrenditen erzielen kann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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