Unverhoffte Ergebnisse auf dem EU-Gipfel in Brüssel haben dem deutschen Aktienmarkt am Freitag auf die Sprünge geholfen. Der Dax zog um 4,3 Prozent auf 6.416 Punkte an. Der marktbreite FAZ-Index gewann 4,1 Prozent auf 1390 Punkte.
Nachdem der Markt die Hoffnung auf Entscheidungen schon begraben hatte, gab es doch noch Lösungsansätze für die Schuldenkrise. Die Banken der Eurozone sollen nun direkten Zugriff auf die Mittel des Rettungsschirms ESM bekommen, sobald eine einheitliche Aufsicht installiert ist. Außerdem sollen die Ansprüche des ESM nicht vorrangig vor denen anderer Gläubiger behandelt werden. Spanien und Italien seien die Gewinner des Gipfels auf Kosten von Deutschland, merkte der Devisenmarktexperte Sean Callow von Westpac an.
Auch Skepsis
Es gab daher auch skeptische Stimmen. „Die direkte Banken-Rekapitalisierung kann zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür verkommen“, wertete Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann die Ergebnisse. In Ländern, in denen die Geschäftsbanken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen, könnten die fiskalischen Probleme so auf den Bankensektor abgewälzt werden. Dieser erhalte dann Kapital vom Rettungsschirm ESM - womöglich ohne makroökonomische Auflagen.
An den Anleihemärkten sorgten die Nachrichten für Entspannung. Nachdem die Renditen für spanische Anleihen am Vortag zwischenzeitlich in den kritischen Bereich von 7 Prozent gestiegen waren, kamen sie mit den Gipfel-Ergebnissen deutlich zurück. Bei Zinsniveaus um die 7 Prozent, die als dauerhaft nicht finanzierbar gelten, waren Irland und Portugal unter den Rettungsschirm der EU geschlüpft.
Banken gefragt, Adidas unter Druck
Finanzwerte waren die großen Gewinner des Gipfels. Die Aktien der Deutschen Bank stiegen um 5,9 Prozent auf 28,50 Euro, die der Commerzbank um 6,2 Prozent auf 1,34 Euro. Auch konjunktursensible Werte waren gefragt. Sie waren in den vergangenen Tagen wegen der wachsenden Unsicherheiten, die ein Folge der Schuldenkrise sind, unter Druck geraten. So legten Heidelbergcement um 6,6 Prozent auf 37,77 Euro zu.
Die Aktien von Adidas hinkten dagegen mit praktisch unverändertem Kurs hinterher. Belastet wurden sie von enttäuschenden Geschäftsergebnissen des Konkurrenten Nike. Analysten gaben aber Entwarnung. Mark Josefson von Silvia Quandt Research sieht sogar
Einstiegschancen. „Adidas gewinnt Marktanteile von Nike“, sagte der Analyst.
Spannung um Rhön-Klinikum
GEA profitierten von einer Investorenverantaltung. „Das Management unternimmt die richtigen Schritte für eine bessere Profitabilität“, stellten die Analysten von Hauck & Aufhäuser fest. Positiv sei auch, dass der Auftragseingang nach einer Schwäche im April im Mai wieder angezogen habe. Die Titel gewannen 5,9 Prozent auf 20,97 Euro.
Die Aktie von Rhön-Klinikum stieg nach anfänglichen Verlusten um 8,1 Prozent auf 18,88 Euro an. „Auffallend ist das schon, denn eigentlich ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Übernahme klappt“, meinte ein Händler. Die Übernahme durch Fresenius, die den Besitz von 90 Prozent plus einer Aktie voraussetzt, ist mit dem Kauf von 5,01 Prozent der Aktien an Rhön durch Asklepios schwieriger geworden.
EU-Gipfel lockt Wall Street aus der Defensive
Erleichterung über das Ergebnis des EU-Gipfels lässt die Anleger auch an den amerikanischen Märkten risikofreudiger agieren. Aktien und Rohstoffe sind gefragt. Gleichzeitig ist ein Rückzug aus amerikanischen Staatsanleihen zu beobachten. Der Dow-Jones-Index (DJIA) gewinnt 1,7 Prozent auf 12.817 Punkte. Der S&P-500 steigt um 1,9 Prozent auf 1354 Punkte, und der Nasdaq Composite legt um 2,2 Prozent auf 2.913 Punkte zu.
Die amerikanischen Konjunkturdaten des Tages zeigten keine einheitliche Tendenz. Während der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago besser ausgefallen ist als erwartet, schwächelt der für die amerikanische Wirtschaft so wichtige Konsum. Der von der Universität Michigan ermittelte Index des Verbrauchervertrauens sank in der zweiten Umfrage im Juni überraschend deutlich. Daten zu den persönlichen Ausgaben deuten zudem darauf hin, dass sich die amerikanischen Bürger beim Geldausgeben zurückhalten.
Die Aktien von Nike brechen um rund 10 Prozent ein, nachdem der Sportartikelhersteller am Donnerstag nach Börsenschluss enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und sich pessimistisch zum Wachstum des China-Geschäfts geäußert hat. Research in Motion hat ebenfalls schwache Geschäftszahlen vorgelegt. Der Hersteller des Blackberry hat erstmals seit sieben Jahren ein Quartal mit Verlust abgeschlossen. Der Kurs fällt um 19 Prozent.
Aktien von Ford ermäßigen sich um 4,6 Prozent. Der Automobilhersteller rechnet wegen der schwachen Konjunktur in Europa mit einem Gewinnrückgang im zweiten Quartal. Optimistischer blickt der Waffenhersteller Smith & Wesson in die Zukunft, dessen Aktienkurs um 15 Prozent in die Höhe schießt. Das Unternehmen erfreut sich stetiger Absatzsteigerungen. Seine Ertragsprognosen liegen über den Schätzungen der Analysten.
Börsenhausse nicht nur wegen Europa
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 30.06.2012, 17:52 Uhr
Märkte bejubeln Gipfel-Einigung
Uwe Bussenius (uwebus)
- 29.06.2012, 18:59 Uhr
Gut so
Wolfgang Press (Wolf1104)
- 29.06.2012, 13:27 Uhr
Natürlich steigen die Renditen,
Closed via SSO (Malchik)
- 29.06.2012, 13:21 Uhr
Was würden die institutionellen Anleger machen,
Dr. Michael Menzel (DrMurke)
- 29.06.2012, 11:29 Uhr