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Finanzmärkte Leerverkäufe sollen eingeschränkt werden

18.09.2008 ·  „Leerverkäufer“, also Anleger, die Wertpapiere leihen, um sie in Erwartung fallender Kurse zu verkaufen, verdienten in den vergangenen Wochen viel Geld. Allerdings wird es nun schwieriger, denn ihr Spielraum soll beschränkt werden.

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Die Zentralbanken und Regierungsstellen versuchen mit beinahe allen Mitteln, die internationalen Finanzmärkte zu beruhigen und den weiteren Kursverfall an den Börsen zu stoppen.

Das gilt besonders für die Vereinigten Staaten. Dort will die Wertpapieraufsicht SEC nun von Hedge-Fonds die Offenlegung ihrer Leerverkaufspositionen verlangen und plant, dazu Aufzeichnungen der Hedge-Fonds anzufordern. Anleger, die mehr als 100 Millionen Dollar an Wertpapieren verwalten, müssten „umgehend ihre täglichen Leerverkaufspositionen öffentlich berichten“, sagte SEC-Chairman Christopher Cox am Mittwoch. Die Behörde werde auch Daten von „bedeutenden Hedge-Fonds“ in Bezug auf „Positionen in bestimmten Wertpapieren in der Vergangenheit“ verlangen, erklärte Cox.

Leerverkäufer geraten wieder einmal in Verruf

Sowohl Abgeordnete wie Christopher Dodd, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, und hochrangige Manager wie der Morgan-Stanley-Vorstandschef John Mack haben den Leerverkäufern vorgeworfen, die Krise am Aktienmarkt durch die Verbreitung von Falschinformationen und durch missbräuchliche Angriffe auf Unternehmen verschärft zu haben. Hedge-Fonds machen dagegen schlechte Geschäftsstrategien für die Krise verantwortlich.

„Viele Hedge-Fonds mögen es gar nicht, dass sie ihre Aktienpositionen offenlegen müssen, daher werden sie das auch nicht mögen“, kommentiert Sean O'Malley, früher Anwalt bei der SEC und jetzt Partner in der Kanzlei Goodwin Procter LLP in New York. „Die Hedge-Fonds werden sich ziemlich wehren, aber im derzeitigen Umfeld können sie nicht mit viel Sympathie rechnen.“

Die neuen Regelungen müssen von den fünf SEC-Kommissaren genehmigt werden, um rechtsverbindlich zu werden. Eingeführt würden sie als Notmaßnahme. Hedge-Fonds halten ihre Positionen bei Aktien möglichst geheim, um zu verhindern, dass andere Investoren ihre Strategien kopieren. Die SEC machte keine Angaben, ob die Regelung nur auf Leerverkäufe bei Stammaktien angewendet werden soll oder ob auch Optionen und andere Wertpapiere von ihr erfasst werden.

Wenn die Wertpapieraufsicht die Unterlagen der Hedge-Fonds anfordert, wäre es bereits das zweite Mal innerhalb von drei Monaten. Schon im Juni hatte die SEC Informationen von Hedge-Fondsmanagern und den großen Investmentbanken der Wall Street angefordert, da sie Beweise für Kursmanipulationen bei Finanzaktien suchte. In Großbritannien schrieb die Finanzmarktaufsicht Financial Services Authority bereits im Juni Hedge-Fonds vor, Leerverkaufspositionen offenzulegen, wenn diese im Verlauf eines Bezugsrechtsangebots mindestens 0,25 Prozent des Aktienkapitals eines Unternehmens ausmachten.

Bei einem Leerverkauf setzen die Händler auf sinkende Kurse. Dazu leihen sie sich Aktien, verkaufen diese und decken sich später mit den Titeln wieder ein. Eine Sonderform sind die sogenannten „nackten“ Leerverkäufe, bei denen sich die Händler die Aktien nicht mehr borgen. Damit könnten sie extrem viele Aktien leerverkaufen und die Kurse nach unten treiben.

Neue Regeln für die „nackten“ Leerverkäufe

Für diese „nackten“ Leerverkäufe hat die SEC am Mittwoch die Regeln verschärft und drei neue Vorschriften erlassen. Zwei neue Vorschriften sehen vor, dass Händler und Broker verliehene Aktien tatsächlich ausliefern müssen. Einer dritten Vorschrift zufolge wird es als Wertpapierbetrug unter Strafe gestellt, als Verkäufer den Broker über die Auslieferung geborgter Aktien an den Käufer zu täuschen.

Im Juli hatte die SEC bereits Leerverkäufe in insgesamt 19 Finanzwerten, darunter Lehman, Fannie Mae und Freddie Mac, über eine Notmaßnahme beschränkt. Die Vorschrift, die Händler zwang, Aktien zu leihen bevor sie sie leerverkauften, lief im August aus. Sie hat bei ihrer Einführung zusammen mit anderen Maßnahmen zumindest kurzfristig zu massiven Kursgewinnen an den Börsen geführt. Denn Anleger, die entsprechende Papiere zuvor verkauft hatten, wurden auf diese Weise gezwungen, sie zurückzukaufen. Andere sprangen auf die Entwicklung auf, um davon profitieren zu können. Auf diese Weise wurde die Aufwärtsbewegung kurzfristig verstärkt. In längerer Sicht jedoch war sie lediglich ein rasch verklimmendes Strohfeuer.

Die Aktie der zweitgrößten amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley verzeichnete am Mittwoch den stärksten Kurseinbruch der Geschichte. In einem Memo an seine Mitarbeiter erklärte Bankenchef John Mack, der Vorstand ergreife jede mögliche Maßnahme, um „dieses unverantwortliche Handeln am Markt zu stoppen.“ „Es gibt keine rationale Basis für die Kursbewegungen unserer Aktie“, schrieb Mack. „Wir sind mitten in einem von Ängsten und Gerüchten getriebenen Markt, und Leerverkäufer treiben unseren Aktienkurs nach unten.“

Morgan Stanley und Goldman Sachs Group bemühen sich derzeit, einen Ausverkauf ihrer Aktien zu stoppen, der einer der Gründe für die Notverkäufe von Merrill Lynch und Bear Stearns und die Insolvenz von Lehman Brothers Holdings war. Allerdings zeigen entsprechende Bemühungen bisher nur geringe Wirkung. Denn die Aktie von Morgan Stanley gibt am Donnerstag weitere 16 Prozent nach auf 18,25 Dollar, die Papiere von Goldman Sachs verlieren weitere zehn Prozent auf 102,4 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren.

Den beiden demokratischen Senatoren Charles Schumer und Hillary Clinton geht die Maßnahme der SEC nicht weit genug. Sie forderten die Behörde am Mittwoch auf, ein vorübergehendes Verbot von Leerverkäufen aller Finanzaktien zu erlassen. Das würde „dazu beitragen, wieder ein gewisses Maß an Stabilität in unsere Finanzmärkte zu bringen,“ argumentierten sie. Solche Argumente sind jedoch mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Denn wenn die Zweifel am Geschäftsmodell eines Unternehmens berechtigt sind, so lässt sich der Kursverfall allenfalls verzögern - und nicht verhindern.

Quelle: @cri mit Material von Bloomberg
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