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Finanzmärkte Flucht aus den Bankaktien

17.03.2008 ·  Die Rettung von Bear Stearns und die jüngsten Liquiditätsspritzen der amerikanischen Notenbanken haben an den Finanzmärkten die Befürchtungen über weitere Bankschieflagen bestärkt. Anleger stoßen Bankaktien ab. Die Nervosität ist groß.

Von Benedikt Fehr und Norbert Kuls
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Die Rettung der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns und die zusätzlichen Liquiditätsspritzen der amerikanischen Notenbanken haben an den Finanzmärkten die Befürchtungen über weitere Bankschieflagen noch bestärkt.

Rund um den Globus verloren Bankaktien zum Wochenauftakt in einem äußerst nervösem Handel oft deutlich an Wert. An den Finanzmärkten werde befürchtet, dass die Abwärtsspirale Eigendynamik gewinne und immer mehr Institute in den Strudel reiße, sagte Guido Hoymann, Bankanalyst der Privatbank Metzler. Für zusätzliche Nervosität sorgte die andauernde Talfahrt des Dollar.

Papiere von Lehman und Goldman in der Defensive - JP Morgan Chase im Plus

In New York kursierten zum Handelsauftakt Gerüchte, dass auch die große Investmentbank Lehman Brothers in Liquiditätsnöten sei. Die Bank wies dies zurück. Gleichwohl sackte die Lehman-Aktie um mehr als 46 Prozent ab. Die Papiere des Branchenführers Goldman Sachs verloren ebenfalls stark. Hingegen stiegen die Aktien der Großbank JP Morgan Chase, die Bear Stearns übernimmt, um fast 10,8 Prozent. Das trug dazu bei, dass der Dow-Jones-Index zunächst nur rund ein Prozent im Minus lag.

In Europa erlitten die Titel fast aller Großbanken kräftige Kurseinbußen. Der hohe Abschreibungsbedarf einiger Häuser in den vergangenen Monaten habe gezeigt, dass viele europäische Institute - neben Banken auch Versicherer - am amerikanischen Markt engagiert seien, erläuterte Hoymann. Da sich die Krise dort verschärfe, dürfte der Abschreibungsbedarf wohl noch zunehmen. Dies wiederum dürfte die Bereitschaft zur Kreditvergabe dämpfen, was die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könne. Auch dies verdüstere den Ausblick für Bankaktien.

Zu den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex Dax zählten die Titel von Hypo Real Estate, die fast 10 Prozent verloren. Über die Tochtergesellschaft Depfa, einen großen Staatsfinanzierer, sei das Institut möglicherweise stark in den Anleihen der amerikanischen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae engagiert, war dazu am Markt zu hören. Commerzbank-Aktien gaben gut 5 Prozent nach; auch hier wird spekuliert, dass den Tochtergesellschaften Eurohypo und Hypothekenbank in Essen Verluste bevorstehen. Seit Ausbruch der Krise im vergangenen Juli hat die Commerzbank-Aktie fast die Hälfte an Wert verloren (siehe Graphik). Auch die Titel der Deutschen Bank büßten 5 Prozent ein. Das Institut zählt zu den globalen Marktführern im Investmentbanking, dem ein Abschwung bevorsteht.

Prognosen für die Wertpapierbranche zurückgenommen

Am Handelsende lag der Deutsche Aktienindex Dax 4,2 Prozent im Minus und damit auf dem tiefsten Stand seit Herbst 2006. Angeführt von den Verlusten der Bankaktien verlor der europäische Leitindex Stoxx-50 fast 4 Prozent. UBS sackten in der Spitze um 15 Prozent ab. Nach dem Bericht einer Sonntagszeitung plant das Institut angeblich den Abbau von 8000 Arbeitsplätzen. Die Titel der skandalgebeutelten französischen Großbank Société Générale verloren weitere 9 Prozent.

An der Wall Street stehen in dieser Woche die Quartalsergebnisse der amerikanischen Investmentbanken im Mittelpunkt des Interesses. Goldman Sachs und Lehman Brothers werden am Dienstag den Auftakt der Berichtssaison für das erste Quartal machen. Am Mittwoch folgt dann Morgan Stanley. Analysten hatten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen für die Wertpapierbranche zurückgenommen. Die Auguren rechnen mit weiteren Wertberichtigungen bei Hypothekenanlagen. Die steigenden Zahlungsausfälle besonders bei zweitklassigen, sogenannten Subprime-Hypotheken belasten den Wert von Anleihen in den Portefeuilles der Banken. Zudem drohen Abschreibungen bei Krediten für die Finanzierung von Übernahmen sowie bei Engagements in Geschäftsimmobilien, die unter der schleppenden Konjunktur leiden.

Analysten malen insgesamt ein düsteres Bild wegen der schwierigen Lage sowohl an den Kredit- als auch an den Aktienmärkten. Starke Ergebnisse erwarten Analysten nur in bestimmten Bereichen des Handelsgeschäfts, etwa bei Rohstoffen. Roger Freeman, Analyst bei Lehman Brothers, glaubt, dass der Druck auf die Investmentbanken noch mehrere Quartale anhalten wird. Für Goldman Sachs prognostizieren Analysten im Durchschnitt einen Rückgang des Gewinns im ersten Quartal um 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Lehman erwarten Analysten einen ähnlich hohen Gewinnrückgang um 63 Prozent. Die durchschnittlichen Prognosen für Morgan Stanley liegen bei einem Minus von 53 Prozent.

Quelle: F.A.Z., 18.03.2008, Nr. 66 / Seite 19
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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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