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Finanzmärkte Ein Viertel weniger Dividende für die Aktionäre

15.10.2009 ·  Aktienanleger freuen sich seit März über eine rasante Kurserholung. Weniger erfreulich sind die stark sinkenden Ausschüttungen in diesem Jahr. Auch im nächsten Jahr werden sich die Unternehmen zurückhalten.

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Die jährliche Ausschüttung wird für die Aktionäre in aller Welt in diesem Jahr spürbar knapper ausfallen. Nach Daten des Informationsdienstleisters Ibes und der Société Générale werden die Dividenden für 2009 im internationalen Durchschnitt um 27 Prozent fallen, ohne die Banken gerechnet um knapp 24 Prozent. Im Jahr darauf wird es nur um 3 Prozent aufwärtsgehen. Mit 7 Prozent Zuwachs im nächsten Jahr könnte die Wiederaufstockung der Ausschüttungen in Europa etwas größer ausfallen.

Besonders amerikanische Aktiengesellschaften halten sich derzeit mit Dividenden an ihre Aktionäre sowie mit dem Rückkauf eigener Aktien zurück. Das gilt trotz des jüngsten Aufschwungs der Aktienkurse als Zeichen für eine anhaltende Unsicherheit innerhalb der Unternehmen wegen der Entwicklung von Konjunktur und Gewinnen.

Schwaches Dividendenquatal an der Wall Street

"Dividenden sind ein Zeichen finanzieller Stärke", sagt Jack Albin, der für die Anlagestrategie bei der Privatbank Harris verantwortlich ist. Es wäre ein positives Signal, wenn es wieder mehr Erhöhungen von Dividenden gäbe, meint er. Die Kürzung der Dividende ist für Konzerne eine Möglichkeit, Barmittel zu horten, da angesichts der jüngsten Finanzkrise auch Kredite knapper geworden sind.

Nach Angaben des Informationsdienstes Standard & Poor's haben im dritten Quartal dieses Jahres nur 191 der rund 7000 börsennotierten amerikanischen Unternehmen ihre Dividende angehoben. Das Resultat lag um knapp 45 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres und war das schwächste dritte Quartal in der Geschichte der Wall Street. Gleichzeitig haben 113 Unternehmen die Dividende gekürzt oder ganz ausgesetzt. Für das Gesamtjahr rechnet Standard & Poor's mit einem Rückgang der Dividendenzahlungen um 25 Prozent auf 192 Milliarden Dollar. Für Anleger bedeutet das weitere Unsicherheit, weil Dividenden ein Stoßdämpfer während Phasen starker Schwankung sind. Seit 1926 haben Dividenden 44 Prozent zum Gesamtertrag an der Wall Street beigetragen.

Auch die Rückkäufe eigener Aktien sind laut der jüngsten Erhebungen von Standard & Poor's auf den niedrigsten Stand seit 1998 gefallen. Rückkäufe sind neben Dividenden eine zweite Möglichkeit für Unternehmen, sich zugunsten der Aktionäre von Kapital zu trennen.

Der Dienst bezifferte die Aktienrückkäufe bei im Aktienindex S&P 500 abgebildeten Titeln im zweiten Quartal auf rund 24 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im dritten Quartal 2007, also kurz vor der Eskalation der Finanzkrise, hatten Unternehmen den Rekordbetrag von 172 Milliarden Dollar für eigene Aktien aufgewendet. "Unternehmen bauen weiter Barreserven auf, um so durch die Rezession zu kommen", begründet Howard Silverblatt, Analyst bei Standard & Poor's, diese Entwicklung. Konzerne nutzen Aktienrückkäufe normalerweise, um den Aktienkurs zu stützen.

Auch in Deutschland gegen die Ausschüttungen zurück - Einzelwerte mit hohen Renditen

Silverblatt rechnet auf absehbare Zeit mit einer anhaltend schwachen Tendenz bei Rückkäufen, auch wenn die Unternehmensgewinne wieder steigen sollten. Auch für die Dividenden sei vorerst keine Trendwende zu erwarten. "Selbst wenn die Konjunktur auf die verschiedenen Stützungsprogramme reagiert, könnte es mehrere Quartale mit tatsächlich vorgelegten Ergebnissen dauern, bis sich Unternehmen bei der Erhöhung oder dem Beginn von Dividendenzahlungen wohl fühlen", sagte Silverblatt.

Durch den Anstieg der Aktienkurse und der gleichzeitigen Reduzierung der Dividenden sei es schwieriger geworden, attraktive Aktien für eine "Kaufen-und-Halten-Strategie" zu finden, heißt es in einer Studie der französischen Bank Société Générale. 17 Prozent der im Index FTSE World vertretenen Unternehmen hätten in diesem Jahr gar keine Dividende gezahlt. Der Anteil mit Dividendenrenditen von mehr als 4 Prozent sei wegen der Kursgewinne von 48 auf 28 Prozent gefallen. Diese Anteile sind in den vergangenen Monaten zwar deutlich gefallen, liegen aber immer noch über ihren langjährigen Durchschnittswerten.

Im deutschen Aktienindex sind die Ausschüttungen nach den Hauptversammlungen des Jahres 2009 nach Zählung dieser Zeitung um 18 Prozent auf 22 Milliarden Euro gefallen. Die größte Summe schüttete mit 3,4 Milliarden Euro die Deutsche Telekom aus, gefolgt von den Versorgern Eon und RWE mit 2,9 beziehungsweise 2,4 Milliarden Euro. Auf Basis der aktuellen Kurse und der Annahme, dass die Ausschüttungen konstant bleiben, ist die Dividendenrendite der BASF-Aktie mit 7,6 Prozent derzeit am höchsten. Die Aktien von Thyssen-Krupp, RWE und Deutsche Telekom bieten ebenfalls Ausschüttungsrenditen von mehr als 7 Prozent.

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