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Finanzmärkte Die Deutschen kaufen wieder Aktien

14.01.2010 ·  Die Zahl der Aktionäre ist im Verlauf des Jahres 2009 um mehr als 200 000 auf 3,6 Millionen gestiegen. Auch Aktienfonds werden wieder gekauft. Bei der Verbreitung von Aktien in der Bevölkerung bleibt Deutschland aber Entwicklungsland.

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Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2000 wieder gestiegen. Aus den monatlichen Umfragen von NFO-Infratest im Auftrag des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ergab sich für das zweite Halbjahr 2009 eine durchschnittliche Zahl von 3,6 Millionen Aktionären in Deutschland. Das waren 230 000 mehr als im Durchschnitt des ersten Halbjahres. Letztmals gab es einen signifikanten Anstieg der Zahl der Aktionäre in der Börseneuphorie des Jahres 2000, als mit 6,2 Millionen Aktionären gleich 1,2 Millionen mehr als im Jahr 1999 registriert werden konnten.

"Nach einem kontinuierlichen Rückgang der Zahl der direkten Aktionäre seit dem Höchststand vor 10 Jahren deutet sich erstmalig eine Trendwende an", sagt Rüdiger von Rosen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DAI. Auch die erheblichen Mittelzuflüsse in Aktienfonds im Lauf des Jahres 2009 deuten eine Hinwendung der Privatanleger zu Aktien an.

Mehr Geld in Aktienfonds - allerdings von weniger Anlegern

Bis November wurden 13 Milliarden Euro mehr in Aktienfonds angelegt, als daraus abgezogen wurden. Einen höheren Mittelzufluss hatte es zuletzt ebenfalls im Jahr 2000 gegeben, als allerdings unter dem Strich 65 Milliarden Euro neu in Aktienfonds angelegt wurden. Auch hier war eine jahrelange Durststrecke zu verzeichnen, die in Mittelabflüssen von zusammen mehr als 22 Milliarden Euro in den Jahren 2007 und 2008 gipfelte. Insgesamt waren Ende November in Aktienfonds in Deutschland 185 Milliarden Euro angelegt. Die Zahl der Besitzer von Aktien- und/oder Mischfonds sank nach den Erhebungen des DAI allerdings trotz der erheblichen Mittelzuflüsse im zweiten Halbjahr 2009 um 240 000 auf knapp 6,6 Millionen.

Die Hinwendung der deutschen Anleger zu Aktien kommt überraschend, wurde den Privatanlegern doch stets nachgesagt, antizyklisch zu handeln. Ihre wesentliche Begründung findet diese These, Privatanleger kauften stets Aktien zu Höchstkursen und stießen sie dann wieder am Tiefpunkt der Kursentwicklung ab, im Anlegerverhalten des Jahres 2000, als zahlreiche Anleger zum Höhepunkt der Euphorie um die Aktien von Internet- und Mobilfunkunternehmen erstmals Aktien kauften und damit den denkbar ungünstigsten Einstiegszeitpunkt erwischten. Eine Vielzahl von Aktienkursen hat bis heute nie wieder annähernd ihre Niveaus aus dem Frühjahr 2000 erreicht.

Aus Enttäuschung über ihre Fehlinvestitionen zogen sich immer mehr Anleger vom Aktienmarkt zurück. Diese Entwicklung vollzog sich kontinuierlich und unabhängig von dem zwischenzeitlichen Dax-Tief im Jahr 2003 und wurde auch nicht im Aktienaufschwung der Jahre 2003 bis 2007 gebremst. Vielmehr sank die Aktienverbreitung in Deutschland auf den tiefsten Stand seit der deutschen Einheit. Lediglich im Jahr 1988 zählte das Aktieninstitut in Westdeutschland mit 3,2 Millionen noch weniger Aktionäre als Anfang 2009.

Deutsche Anleger mögen Aktien weniger als andere

Der jüngste Anstieg der Zahl der Aktionäre ist in einer langfristigen Betrachtung auch nur eine leichte Verbesserung. In kaum einem Industrieland wird Geld so risikoscheu und damit so wenig rentierlich angelegt wie in Deutschland. Weniger als 6 Prozent der Deutschen im Alter ab 14 Jahren besitzen Aktien. In fast allen anderen entwickelten Ländern liegt die Quote höher. In Skandinavien, Großbritannien, der Schweiz, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Japan und vielen anderen Industriestaaten werden Aktionärsquoten von deutlich höher als 20 Prozent ermittelt.

Zu einer grundsätzlich anderen Einstellung der Deutschen zur Geldanlage in Aktien ist es auch trotz des Anstiegs der Aktionärszahlen und der Mittelzuflüsse in Aktienfonds nicht gekommen. In der jüngsten regelmäßigen Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der DZ Bank zum Anlageverhalten der Deutschen antworteten nur 18 Prozent der Privatanleger, dass für sie eine Geldanlage in Aktien überhaupt in Frage komme. In der Gesamtbevölkerung dürfte die Quote damit nochmals geringer sein. Die Mehrheit der Privatanleger gab zwar an, mit steigenden Aktienkursen in den nächsten sechs Monaten zu rechnen, bei ihrer Geldanlage wollten aber 76 Prozent der Befragten kein Risiko eingehen.

Dabei mussten mit einem breitgestreuten Aktienkorb aus deutschen Standardaktien in den vergangenen Jahrzehnten nur in den wenigsten Jahren Verluste verkraftet werden. Wer zudem Aktien als langfristige Geldanlage begreift, kam in den ungünstigsten Fällen aus zehn Jahren Aktienanlage unter dem Strich mit einer Null heraus. Im langjährigen Durchschnitt liegt die Aktienrendite in Deutschland jedoch bei mehr als 8 Prozent. (Kommentar, Seite 22)

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