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Finanzmärkte Börsen von Attentaten nur wenig beeindruckt

 ·  Die Börsen sind nach den Attentaten in Istanbul zunächst abgetaucht, zeigten sich dann aber relativ robust. Allerdings wurde der nach wie vor vorherrschende Optimismus etwas gedämpft.

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Mit deutlichen, aber keineswegs dramatischen Kursverlusten haben die europäischen Börsen am Donnerstag nach einem zunächst etwas freundlicheren Start auf die neuen Attentate in Istanbul reagiert. Der Dax verlor im Extrem gerade einmal knapp 2,6 Prozent auf 3.576,52 Zähler im Tagestief. Und selbst das wurde nur deswegen erreicht, weil das Weiße Haus in Washington kurzzeitig geräumt worden war. Danach konnte sich der Markt allerdings erholen und ging mit einem leichten Minus von 0,39 Prozent aus dem Handel, nachdem die Frühindikatoren in Amerika mit einem Plus von 0,4 Prozent im Oktober etwas besser ausgefallen waren als erwartet.

Diese erstaunliche Robustheit macht zumindest den Markttechnikern etwas Mut, obwohl sich das Umfeld mit der nachlassenden Dynamik und auf Grund der neu aufgekommenen terroristischen Qualität zumindest stimmungsmäßig eingetrübt hat. Vor allem auch der am Mittwoch im Tagesverlauf vollzogene Richtungswechsel - schwacher Start, Erholung zum Handelsende hin - in Verbindung mit zunehmenden Umsätzen bei steigenden Kursen wird positiv bewertet. Ähnliches dürfte für den Donnerstag gelten, da die Anschlußbewegung nur durch den terroristischen Zwischenfall unterbrochen wurde.

Charttechniker zeigen noch Hoffnung ...

Nichtsdestotrotz möchten die Charttechniker von Staud-Research erst dann von einer Stabilisierung reden, wenn der Dax wieder die Marke von 3.677 Zählern überwinden kann. Sollte das nicht der Fall sein, würden sich die Perspektiven für die kommenden Wochen deutlich eintrüben. Das „Konsolidierungspotential“ liegt bei 3.440 Punkten, das „Marktrisiko“ bei 3.260 Zählern. Ähnliches dürfte auch für die amerikanischen Märkte gelten. Denn auch dort muß mit Blick auf den S&P 500 von einer Verschlechterung des technischen Bildes gesprochen werden. Vor einer grundsätzlichen Verschlechterung übergeordneter Perspektiven würden aber Techniker erst reden, wenn der Index unter 962 Zähler fallen sollte.

Fundamental betrachtet sind Experten nach wie vor relativ optimistisch. Christian Jasperneite von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg geht davon aus, daß sich die amerikanische Wirtschaft weiterhin erholen kann. Auf dieser Basis seien die Unternehmen in der Lage, ihre Gewinne zu steigern. Das wiederum sollte aus seiner Sicht zu weiter steigenden Kursen führen. Kurzfristig ist allerdings die Stimmung auf Grund der Attentate etwas eingetrübt worden. Ging er ursprünglich von einer richtigen Jahresendrally aus, so hält er jetzt Gewinnmitnahmen für denkbar. Da die Unsicherheit etwas zugenommen habe, könnten die Anleger auf Nummer sicher gehen und ihre bisher erzielten Erträge realisieren.

... auch fundamental ist noch gewisser Optimismus da ...

Er rechnet zwar damit, daß der Euro gegen den Dollar weiter zulegen wird. Allerdings sei das nicht weiter dramatisch, da europäische Unternehmen in der Vergangenheit schon mit deutlich höheren Kursen zurecht gekommen seien. Außerdem seien die negativen Effekte für deutsche Unternehmen auf Grund des europäischen Binnenmarktes nicht so dramatisch, wie in der Vergangenheit. Gleichzeitig habe der stärkere Dollar auch positive Seiten. So würden beispielsweise Importe - etwas in Dollar denominierte Rohstoffe - günstiger. Skeptisch blickt er auf den Rentenmarkt. Dort rechnet er mit steigenden Renditen und fallenden Kursen.

Ganz im Gegensatz zu Gregor Beckmann von HSBC Trinkaus & Burkhard. Er blickt vergleichsweise skeptisch auf die amerikanische Konjunkturentwicklung. Da es dort zu Enttäuschungen kommen werden, sollten die Renditen nicht weiter anziehen - im Gegensatz zum Dollar. Der Greenback werden neben dem enormen Zahlungsbilanzdefizit belastet durch die zunehmend protektionistischen Tendenzen.

... allerdings wurde er gedämpft

Insgesamt dürften die Analysten von Merrill Lynch die entscheidende Frage stellen: Ob die Anschlagsserie in der Türkei weiter andauern wird oder nicht. Sollte es sich nur um isolierte Einzelfälle handeln, rechnen sie nicht mit größeren ökonomischen Auswirkungen und sind weiterhin positiv für die türkischen Finanzmärkte.

Insgesamt dürfte es damit ratsam sein, die Entwicklung im terroristischen Bereich sorgfältig zu beobachten und gleichzeitig die Stimmung an den Märkten und die Technik im Auge zu behalten. Sollte sich der „gesamte Komplex“ verschlechtern, dann könnten trotz allem Optimismus Gewinnmitnahmen ratsam sein.

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