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Finanzmärkte Banken nutzen die Lizenz zum Gelddrucken

16.10.2009 ·  Die Banken nutzen die Lizenz zum Gelddrucken, die sich aus den außerordentlichen Vorteilen ergeben, die ihnen wegen der Krise eingeräumt wurden. Die Diskussion über ihr Verhalten gewinnt jedoch an Fahrt, von „Staatsstreich“ ist gar die Rede.

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Die Banken weltweit nutzen ihre Lizenzen zum Gelddrucken, die sich aus außerordentlich tiefen Zinsen, generösen Refinanzierungsbedingungen, gelockerten Bilanzierungsregeln, ausbleibenden Restriktionen von Regulierungsseite, Staatsgarantien und den aufgrund der extrem asymmetrischen Risikoverteilung boomenden Finanzmärkten ergeben.

Wie das geht, zeigte am Donnerstag die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs. Sie finde dank der wirtschaftlichen Erholung zu alter Stärke zurück und verdiene prächtig, heißt es in den Agenturen gemeinhin. Das Geldhaus verbuchte im dritten Quartal nach eigenen Angaben dank starker Ergebnisse im Derivate-Handel und im Anleihe-Geschäft einen Gewinn von 3,03 Milliarden Dollar oder von 5,25 Dollar je Aktie und konnte damit das schwache Vorjahresergebnis mehr als verdreifachen.

Banken gehen weiterhin große Kreditrisiken ein

Jüngst vom Office of the Comptroller of the Currency vorgelegte Zahlen für das zweite Quartal des laufenden Jahres zeigen, wie das möglich ist. Sie machen deutlich, dass die großen Banken ungeachtet allen Geschwätzes über mögliche Regulierungen und Beschränkungen des Risikoappetits, der sich unter anderem aus den ex- oder impliziten Staatsgarantien ableitet, derivative Produkte in Nominalwerten nie zuvor gesehenen Ausmaßes handeln. Dabei sind die Risiken nicht nur hoch konzentriert auf wenige Banken, sondern einzelne Institute reizen ihre Bilanzen auf das Extremste aus.

Allen voran Goldman Sachs. Im zweiten Quartal lag das aus derivativen Positionen abzuleitende Kreditrisiko im Verhältnis zum risikobasierten Kapital bei 921 Prozent und damit Welten entfernt, von Konkurrenten wie JPMorgan Chase (283), der Bank of America (137), der Citibank (209) oder Wells Fargo (71). Die kolportierte Absicht, am Jahresende an Mitarbeiter Boni von mehr als 20 Milliarden Dollar ausschütten zu wollen, zeigt, wieso sie so hohe Risiken eingehen.

Gleichzeitig jedoch wurden Zweifel laut, wie lange sich Gewinne in dieser Höhe noch fortsetzen lassen. „Goldman druckt derzeit Geld. Ich frage mich jedoch, ob das ewig anhalten kann“, sagte Keith Davis von Farr Miller & Washington. Ähnlich äußerte sich Peter Jankovskis von Oakbrook Investments: „Es sind zwar echte Gewinne, aber die Frage ist, ob sie sich wiederholen lassen. Handelsgewinne kommen und gehen.“ Goldman hat wegen seiner Ertragssituation bereits milliardenschwere Staatshilfen zurückgezahlt, nützt jedoch weiterhin äußerst günstige Refinanzierungs- und Bilanzierungsmöglichkeiten, regulatorische Ausnahmen im Handelsgeschäft sowie die implizite Staatsgarantie, die vom Finanzministerium immer wieder betont wird.

JPMorgan Chase hatte schon am Mittwoch dank eines florierenden Investmentbankings optisch mit einem milliardenschweren Gewinn überrascht und die Aktienmärkte beflügelt. Der Gewinn stammte zu mehr als der Hälfte aus dem Investmentbanking, das Kreditgeschäft dagegen belastet die Bank weiter schwer.

Die zu den größten Verlierern der Finanzkrise gehörende amerikanische Bank Citigroup ist im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gestürzt. Nach nur einem Quartal im Plus verbuchte der Finanzkonzern nun unter dem Strich wieder einen Verlust von 3,2 Milliarden Dollar. Das Kreditgeschäft riss einmal mehr tiefe Löcher in die Bilanz. „Das Umfeld für Verbraucherkredite bleibt hart“, warnte Citigroup- Chef Vikram Pandit. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit können viele amerikanische Bürger ihre Darlehen nicht mehr abstottern. Die Bank musste weitere acht Milliarden Dollar an Krediten abschreiben und ihre Vorsorge um nochmals 800 Millionen Dollar aufstocken.

Diskussion über einen „Staatsstreich“ der Finanzindustrie

Die Citigroup hängt infolge der Finanzkrise weiter massiv am Tropf der amerikanischen Regierung. Im Gegenzug für milliardenschwere Hilfen ist der Staat inzwischen mit rund einem Drittel an der Bank beteiligt. Pandit betonte erneut, dass er wie schon viele Rivalen den Staatseinfluss über die Rückzahlung der Hilfen verringern wolle. Noch aber fehlt dafür das Geld und die Zustimmung der Regierung. Auf das Ergebnis drückten im vergangenen Quartal teure Schritte zur Stärkung der Kapitalbasis und Dividendenzahlungen. Ohne diese Sonderfaktoren hätte es die Bank nach eigenen Angaben knapp ins Plus geschafft.

Die Milliardengewinne bei JPMorgan und Goldman Sachs heizen nicht nur die öffentliche Diskussion über Gehälter und Boni in der Bankenbranche neu an, sondern auch die über den Einfluss der Finanzbranche auf die Regierungsgeschäfte. Sowohl personelle Verflechtungen werden kritisch betrachtet, als auch die enormen Summen, die von einzelnen Banken für Lobbyaktivitäten in Washington ausgegeben werden. Zahlen des Center for Responsive Politics zeigen, dass im vergangenen Jahr einzelne Unternehmen bis zu 14 Millionen Dollar für Lobbyisten ausgegeben haben.

An der Ausgabenspitze steht General Motors, gefolgt von AIG, der Bank of America, Chrysler, der Citigroup, JPMorgan Chase, GMAC, American Express, Goldmans Sachs, Morgan Stanley, Fidelity, Wells Fargo und Capital One. Zusammen genommen haben sie im vergangenen Jahr knapp 73 Millionen Dollar in ihre Lobbyisten investiert. Rechnet man diese Investitionen allerdings hoch auf die erhaltene Staatshilfe in Form von TARP-Geldern, so waren die Renditen traumhaft.

Kritische Marktteilnehmer reden angesichts dieser Summen und der von der amerikanischen Regierung eingeschlagenen Strategien zu Gunsten der Banken und der Unternehmen von einem „Staatsstreich“ der Finanzindustrie. Manche zweifeln sogar den volkswirtschaftlichen Nutzen der Branche an. Sollte sich diese Diskussion versteifen, könnte sie doch noch zu einer stärkeren Reglementierung der Branche und zu einer intensiveren Besteuerung führen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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