Home
http://www.faz.net/-gv7-15ihf
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Finanzmärkte Aktienstrategen rechnen mit Kurserholung

18.02.2010 ·  Die Griechenland-Debatte überlagert am Aktienmarkt alle anderen Themen. Das wird sich bald ändern, sagen Aktienstrategen. Gute Nachrichten aus der Wirtschaft und von Unternehmen dürften den Dax über 6000 Punkte tragen.

Von Daniel Mohr
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Die Debatte um die ausufernden Staatsschulden in Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern hat den Start der Aktienmärkte ins Jahr 2010 verdorben. Bis auf knapp 6100 Punkte war der Dax Anfang Januar gestiegen, bevor die Sorge um die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zum beherrschenden Thema an den Finanzmärkten wurde. Die Verunsicherung der Anleger sorgte für Kursabschläge am Aktienmarkt und ließ den Dax bis auf gut 5400 Punkte fallen.

Mittlerweile steht der Dax wieder bei mehr als 5600 Punkten. Die Kurserholung dürfte sich nach Ansicht der meisten Aktienstrategen zumindest bis zum Sommer fortsetzen. "Die guten Nachrichten der vergangenen Wochen sind völlig vom Thema Griechenland überlagert worden", sagt Stefan Bielmeier, Aktienstratege der Deutschen Bank: "Dies wird sich in den nächsten Wochen ändern. Wir rechnen bis zum Sommer mit deutlichen Kurszuwächsen, die den Dax auf weit mehr als 6000 Punkte führen dürften."

Überzeugende Quartalsberichte

Mehr als die Hälfte der Unternehmen habe mit ihren Quartalszahlen positiv überrascht. Nicht nur die Kosteneinsparungen machten sich bemerkbar. Es seien auch wieder positive Anzeichen für eine Belebung auf der Umsatzseite zu erkennen. "Die Markterwartungen sind insgesamt zu vorsichtig", sagt Bielmeier: "Wir rechnen damit, dass sie überboten werden." Die Wirtschaft befinde sich zwar noch nicht in einem selbsttragenden Aufschwung, dessen bedürfe es aber auch gar nicht, um an den Aktienmärkten Kurssteigerungen auszulösen. Die Aktienbewertung sei derzeit attraktiv, mit Blick auf 2011 sogar sehr attraktiv.

Stefan Keitel, globaler Chefanlagestratege der Credit Suisse, rechnet bis zur Jahrsmitte ebenfalls mit deutlichen Kurszuwächsen insbesondere in Deutschland. "Das Wachstum in den Schwellenländern und den Vereinigten Staaten beschleunigt sich gerade und auch die Unternehmensergebnisse waren im Schnitt besser als erwartet", sagt Keitel: "Dies ist in den Aktienkursen noch nicht ausreichend berücksichtigt." Deutschland profitiere als Exportnation besonders von der weltwirtschaftlichen Belebung und dem schwächeren Euro. Die Bewertung von Aktien sei nach der jüngsten Kurskorrektur und den guten Unternehmensergebnissen zudem wieder günstig. Ein weiterer Pluspunkt sei der Mangel an Anlagealternativen. "Noch immer ist ein Drittel der Kapitalvermögen im Geldmarkt geparkt", sagt Keitel: "Das ist derzeit unglaublich unattraktiv."

Matthias Jörss, Aktienstratege von Sal. Oppenheim, hält das Chance-Risiko-Verhältnis am Aktienmarkt derzeit dagegen für nicht besonders lukrativ. Das wahrscheinlichste Szenario seien zwar moderate Kursgewinne bis zum Sommer. Dieses Szenario unterstelle aber eine Lösung der Finanzierungsprobleme in Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern. "Sollte es anders kommen, reden wir nicht mehr darüber, ob der Dax auf 5500 oder 5600 Punkten steht, sondern dann wird die erste Ziffer mit Sicherheit keine 5 mehr sein", sagt Jörss. "Bei einer starken Zuspitzung der Lage, die eindeutig nicht unser Szenario ist, wäre ich mir nicht einmal mehr sicher, ob dann noch die 4 vorne hält."

Deutsche Privatanleger eher skeptisch gestimmt

Grundsätzlich sei es zwar sinnvoll auch in unsicheren Situationen Aktien zu kaufen, dafür müsse dann auch die Renditeaussicht entsprechend sein, für den Fall, dass alles gutgeht. Das sei derzeit am Markt aber nicht gegeben, zumal es in den südeuropäischen Ländern nicht bloß um Budgetprobleme gehe, sondern um eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder. Zudem erwartet Jörss eine Ernüchterung auf der Konjunkturseite: "Wir rechnen auf längere Sicht mit einem extrem mauen Wachstum, das derzeit nur durch kurzfristige Lagereffekte etwas höher ausfällt."

Auch die deutschen Privatanleger blicken mittlerweile skeptischer auf die Aktienmärkte. In einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der DZ Bank rechnen nurmehr 39 Prozent der deutschen Privatanleger in den nächsten sechs Monaten mit steigenden Aktienkursen. In der November-Umfrage hatten noch 46 Prozent mit höheren Kursen gerechnet. Nur 20 Prozent der Anleger ziehen derzeit bei ihrer Geldanlage den Kauf von Aktien überhaupt in Betracht. Gleichwohl gilt eine hohe Skepsis der Anlegerschaft stets als gutes Zeichen für steigende Aktienkurse. Ebenso wird es als positiv gewertet, dass der Dax sich oberhalb seines Durchschnittswertes der vergangenen 200 Tage behaupten konnte (siehe Grafik). Ein signifikantes Durchbrechen der 200-Tage-Linie nach unten war in den vergangenen Jahren stets ein Zeichen für einen längeren Abwärtstrend.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
17.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.848,03 +1,42%
 OK
17.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.848,03 +1,42%
FAZ-INDEX 1.526,72 +1,43%
TecDAX 778,36 +0,73%
MDAX 10.441,40 +1,41%
SDAX 5.048,27 +1,17%
REX 422,26 −0,26%
Eurostoxx 50 2.520,31 +1,24%
F.A.Z. EURO INDEX 81,56 +1,37%
Dow Jones 12.949,90 +0,35%
Nasdaq 100 2.584,24 −0,31%
S&P500 1.361,23 +0,23%
Nikkei225 9.384,17 +1,58%
EUR/USD 1,3138 +0,07%
Rohöl Brent Crude 119,95 $ −0,08%
Gold 1.723,00 $ +0,58%
Bund Future 138,50 € −0,16%