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Finanzkrise Ist am Aktienmarkt nun das Schlimmste vorbei?

19.09.2008 ·  Der Dax verzeichnet Kursgewinne. Acht Dax-Aktien gewannen mehr als 10 Prozent an Wert. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Aktienstrategen und Vermögensverwalter gefragt. Sie äußerten sich auffallend verhalten.

Von Daniel Mohr
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Um 6 Prozent hat der Dax am Freitagnachmittag gegenüber dem Vortag zugelegt. Acht Dax-Aktien gewannen mehr als 10 Prozent an Wert. Die Aktien der Commerzbank (plus 25 Prozent), der Deutschen Bank (plus 24 Prozent) und der Allianz (plus 17 Prozent) ragten heraus. Die Börse feierte die Aussicht auf eine staatliche Lösung der gröbsten Probleme der Finanzkrise in Amerika. Doch Marktbeobachter warnen vor allzu viel Euphorie.

„Der Gedanke an eine umfassende Lösung der Probleme im Bankensektor, der über Einzelfalllösungen hinausgeht, erfreut die Börse natürlich“, sagt Gerhard Schwarz, Aktienstratege der Unicredit. „Es kommt jetzt natürlich aber auf die Details der Pläne an.“ So sei entscheidend, in welchem Umfang und zu welchem Preis der Staat die Banken von Problemkrediten befreien werde. „Dies wird sicherlich nicht zu besonders hohen Preisen geschehen und die Banken zu weiteren Abschreibungen und Kapitalerhöhungen zwingen“, meint Schwarz.

Gefahr noch nicht gebannt

Nach dem Kursrutsch seit Wochenanfang auf neue Jahrestiefststände deuteten viele Indikatoren am Aktienmarkt nun auf eine Erholung hin, länger als wenige Wochen dürfte diese aber wohl nicht dauern. „In vielen Regionen der Welt schwächt sich das wirtschaftliche Wachstum ab, das bleibt nicht ohne Auswirkung für die Unternehmensbilanzen“, sagt Schwarz. „Die Quartalszahlen und vor allem die Ausblicke der Unternehmen dürften daher düsterer ausfallen als bisher und die Aktienmärkte belasten.“

Die Bereitschaft der Investoren, sich in Aktien zu engagieren, sei derzeit gering und dürfte sich wohl bis zum Jahresende kaum verbessern. „Das mittelfristige Umfeld ist angespannt und wird es so lange bleiben, bis sich die Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung wieder verbessern“, sagt Schwarz. „Bis dahin ist die Gefahr noch nicht gebannt, dass uns die schlechten Nachrichten noch mal auf neue Jahrestiefstkurse drücken.“

Ralf Zimmermann, Aktienstratege des Bankhauses Sal. Oppenheim, rechnet zunächst mit einer kurzfristigen Erholung der besonders stark gefallenen Aktienkurse. „Schwerwiegende Finanzkrisen wurden in der Vergangenheit häufig erst dadurch überwunden, dass der Staat, und damit der Steuerzahler, die Risiken übernimmt. Ein derartiger Schritt wäre wichtig, um das massive Misstrauen in die Bankbilanzen zu überwinden“, sagt Zimmermann. „Dafür ist aber ein langfristiger Preis zu zahlen.“ So müsste die amerikanische Regierung zur Finanzierung ihres Engagements andere Ausgaben senken und die Steuern erhöhen. „Das beschneidet das langfristige Wachstumspotenzial“, sagt Zimmermann. Außerdem werde der Preis für die Banken auch nicht zu niedrig ausfallen. „Der Finanzsektor wird stärker reguliert werden und die erzielbaren Renditen werden fallen.“

Die Chancen stehen gut

Auf mittelfristige Sicht würde Zimmermann nun jene Aktien kaufen, die eine besonders gute Qualität bieten. Diese misst er an Kriterien wie Verschuldungsgrad, den Mittelzuflüssen der Unternehmen und deren Abhängigkeit vom Wirtschaftszyklus. Beiersdorf, Nokia und SAP nennt er als Beispiele guter Qualität, auch Telekom, United Internet und Altana. Innerhalb der Finanzwerte bevorzugt er risikoärmere Aktien wie Münchener Rück. „Werte wie TUI und Infineon würde ich allerdings meiden“, sagt Zimmermann. „Die sind entweder hoch verschuldet oder besonders vom sich abschwächenden Wirtschaftswachstum betroffen.“

Die Chancen für eine temporäre Erholung am Aktienmarkt stehen nach Ansicht von Ulrich Reitz, dem Leiter der Kapitalmarktanalyse der BHF-Bank, derzeit gut. Dann allerdings würden sich die Börsianer wieder des wenig vorteilhaften Umfeldes für die Aktienmärkte bewusst werden. „Die fundamentalen wirtschaftlichen Probleme sind durch staatliche Eingriffe in den Bankenmarkt ja nicht gelöst“, sagt Reitz. „Wir stehen am Beginn einer Phase globaler wirtschaftlicher Abschwächung.“

Vom Wachstum in Schwellenländern profitieren

Die richtig schlechten Konjunkturdaten im Euro-Raum würden noch anstehen. Außerdem müssten die Gewinnerwartungen noch ein ganzes Stück nach unten revidiert werden. Beides würde die Aktienmärkte belasten. „Wir halten derzeit Aktien im Portfolio untergewichtet, wollen die Quote aber auch nicht weiter reduzieren“, sagt Reitz. „Für eine nachhaltige Erholung der Börsen müsste die Ertragsdynamik drehen, und das ist momentan noch nicht in Sicht.“

Vermögensverwalter Georg Thilenius erwartet hingegen unverändert einen Dax-Anstieg bis zum Jahresende auf 7200 Punkte. „Der Spruch, dass es vor Sonnenaufgang immer am finstersten ist, passt auf die derzeitige Lage ganz gut“, sagt Thilenius. „Sämtliche Wirtschaftskrisen wurden bislang binnen 18 Monaten gelöst, so dass wir im Laufe des Jahres 2009 das Gröbste überwunden haben dürften.“ Bis dahin müssten Anleger noch mit einigen Kursturbulenzen rechnen, könnten derzeit aber auch schon einige Schnäppchen machen. „Die Deutsche Bank, Daimler oder auch die Allianz sind große deutsche Konzerne, die so niedrig bewertet werden wie seit Jahrezehnten nicht und die zudem sehr hohe Dividendenrenditen bieten“, sagt Thilenius. Die großen, international aufgestellten Konzerne dürften vom starken Wachstum in den Schwellenländern profitieren. „Das wird noch zehn Jahre überdurchschnittlich bleiben.“

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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