27.11.2009 · Nach der beinahe schon euphorischen Stimmung der vergangenen Monate werden die Finanzmärkte von der Realität eingeholt und korrigieren deutlich. Die Finanzkrise im Golfemirat Dubai zeigt, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt.
Nach der beinahe schon euphorischen Stimmung der vergangenen Monate werden die Finanzmärkte von der Realität eingeholt und korrigieren deutlich. Die Finanzkrise im Golfemirat Dubai zeigt, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt. Die staatliche Holding Dubai World hatte am Donnerstag ihre Gläubiger um einen Aufschub bis mindestens Mai des kommenden Jahres gebeten und damit die Weltfinanzmärkte in Aufregung versetzt. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 60 Milliarden Dollar.
Anleger haben die Tendenz, kritische Entwicklungen solcher Art in ihrem grenzenlosen Optimismus so lange auszublenden, bis die Fakten offensichtlich werden. So stellt sich auch in anderen Regionen nicht die Frage, ob eine Korrektur von Fehlentwicklungen nötig ist, sondern was sie wann auslösen wird. Zum Beispiel auch am chinesischen Immobilienmarkt.
„Die Finanzkrise ist wieder zurück“
„Die Finanzkrise ist wieder zurück“, kommentiert ein Teilnehmer die Entwicklung. Risiken würden nun zumindest kurzfristig wieder neu bewertet, heißt es weiter. Das zeigt sich nicht nur an den Börsen, sondern auch an den Rohstoff-, Renten- und Devisenmärkten. Nach den Aktienkursverlusten am Donnerstag in Europa und Lateinamerika gehen die Notierungen am Freitag weiter nach unten. Der japanische Nikkei verlor mehr als drei Prozent, der südkoreanische Kospi-Index gab um 4,7 Prozent nach, in Indien verliert der Sensex 30 im späten Handel mehr als drei Prozent, währen der Hang Seng in Hongkong sogar mehr als fünf Prozent nachgeben. In Europa liegt der MSCI Euro im frühen Handel mit einem Minus von 1,2 Prozent bei 822 Punkten.
Im Energie- und Rohstoffbereich verliert der Ölpreis mehr als sechs Prozent, der Goldpreis gibt um 3,9 Prozent nach, während die Preise von Silber und Kupfer sogar mehr als fünf Prozent nach unten gehen. Am Devisenmarkt wertet der Yen außerordentlich deutlich auf, der Dollar zeigt kurzfristig seine Funktion als Krisenwährung und erholt sich etwas von den Kursverlusten der vergangenen Wochen, während andere Währungen schwächer tendieren, die in den vergangenen Wochen gut bis sehr gut gelaufen waren. Dazu zählen Euro, der australische- und der Neuseeland-Dollar, die norwegische Krone, die osteuropäischen Währungen - und nicht zuletzt auch der südafrikanische Rand. Gegen den Yen hat der Dollar in der Nacht ein neues 14-Jahrestief bei 84,82 Dollar markiert, konnte sich seitdem aber wieder etwas erholen. Dagegen kommt es an den Rentenmärkten zu deutlichen Kursgewinnen.
Korrektur im Rahmen eines Bullenmarktes?
Mark Mobius, der bekannte und erfahrene Fondsmanager von Templeton Asset Management, erklärt, er rechne mit einer deutlichen Korrektur in den Schwellenländern. Sollte Dubai tatsächlich zahlungsunfähig werden, könne es zu einer Reihe weiterer Insolvenzen kommen. Die Turbulenzen würden noch verstärkt durch die massive Währungsabwertung in Vietnam und nicht zuletzt auch von eine „Lawine“ an Börsengängen, erklärte er. Grundsätzlich bleibe er jedoch optimistisch. Er redet von einer Konsolidierung im Rahmen eines „Bullenmarktes“. Dagegen äußert die Bundesbank Zweifel an optimistischen Annahmen, nach welchen sich das Wirtschaftsniveau der Boomjahre 2006 und 2007 trotz der ernormen monetären und fiskalischen Impulse auf die Schnelle wieder erreichen lassen werde, da es auf außergewöhnlichen, nicht wiederholbaren Rahmenbedingungen basiert habe.
Tatsächlich lassen größer werdende makroökonomische Ungleichgewichte und merkantilistische Strömungen, die sich unter anderem in kompetitiven Abwertungen zeigen, zusammen mit den rasant zunehmenden Staatsschulden sowie der anhaltend starken Verschuldung vieler Unternehmen und Konsumenten daran zweifeln, ob das volkswirtschaftliche „Geschäftsmodell“ des konsumgetriebenen Wachstums der vergangenen Jahrzehnte tragfähig ist. Kurzfristig mögen die Wetten darauf reflexartig immer wieder neu belebt werden, weil viele Marktteilnehmer nichts anderes kennen. Langfristig dagegen nehmen die Risiken zu.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |