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Finanzkrise Ein Anflug von Zuversicht

07.12.2008 ·  Die Wall Street widersteht dem Pessimismus. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt. Von Gerald Braunberger

Von Gerald Braunberger
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„Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“ An diesem alten Spruch müssen sich am vergangenen Freitag die Börsianer an der Wall Street orientiert haben. Nach rabenschwarzen Konjunkturnachrichten, darunter unerwartet hohen Arbeitslosenzahlen in den Vereinigten Staaten, drehten die Aktienkurse im Verlauf der Börsensitzung ins Plus. Der Dow-Jones-Index verabschiedete sich schließlich mit einem Gewinn von 3,1 Prozent ins Wochenende, während der Dax zuvor wieder einmal die Tristesse vorzog, die amerikanische Hausse aber vermutlich zu Wochenbeginn nachvollziehen wird.

Stärkste Preiseinbrüche auf den Rohstoffmärkten

Es ist durchaus interessant zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Märkte auf einbrechende Wirtschaftsindikatoren und immer pessimistischere Prognosen für die Weltwirtschaft im kommenden Jahr reagieren. An den Anleihe- und Rohstoffmärkten sind zum Teil extreme Preisveränderungen zu beobachten, während an den Aktien- und Devisenmärkten relative Ruhe herrscht.

Die stärksten Preisschwankungen weisen ausgerechnet jene Märkte auf, die den engsten Bezug zur Realwirtschaft haben sollten: die Rohstoffmärkte. Wer vor sechs oder neun Monaten prognostiziert hätte, der Preis für ein Barrel Rohöl würde bis zum Jahresende unter 40 Dollar fallen, wäre wegen seiner vermeintlichen Inkompetenz laut ausgelacht worden.

Öl bleibt unverzichtbar

Dabei spricht vieles dafür, dass die aktuellen Preise ebenso eine Übertreibung darstellen, wie es die Preise auf dem Höhepunkt der Hausse waren, als ein Barrel Rohöl 150 Dollar kostete. Ein Ölpreis von 40 Dollar oder gar 25 Dollar ist nur mit der Vision einer in einer tiefen Depression befindlichen Weltwirtschaft vereinbar, und selbst dann könnte er auf Dauer keinen Bestand haben. Denn die Wirren der Konjunktur ändern nichts an der Tatsache, dass Öl zumindest kurzfristig als Energieträger unverzichtbar bleibt.

Die derzeit niedrigen Rohstoffpreise entlasten erst einmal all jene Volkswirtschaften, die auf die Einfuhr von Rohstoffen angewiesen sind - auch wenn es dauern mag, bis sich die damit verbundenen positiven Effekte zeigen. Die Rohstoffbaisse ist somit ein kleines Lichtlein, das sich in der Konjunkturfinsternis anzünden lässt.

Historisches Tief für Bundesanleihen

Extrem geht es derzeit aber auch an den Anleihemärkten zu, wo die Renditen für deutsche Bundesanleihen im Wochenverlauf unter die Marke von 3 Prozent gefallen sind und damit ein historisches Tief verzeichneten. Auch Anleihen anderer als solide Schuldner geltender Länder wie die Vereinigten Staaten weisen als Folge starker Kursgewinne sehr niedrige Renditen aus.

Bemerkenswert ist, dass diese Tiefstände in einer Zeit erreicht werden, wo diese Staaten zusätzliche Ausgaben bekanntgeben und an die Stelle der Haushaltssanierung die nächste Runde einer hohen Neuverschuldung tritt. Eigentlich müssten die Marktteilnehmer die Staaten für eine solche Haushaltspolitik in Gestalt steigender Zinsen bestrafen, aber das genaue Gegenteil geschieht.

Man kann in der Rezession gewinnen

Bestraft wird allerdings jeder Emittent, an dessen Bonität sich auch nur die geringsten Zweifel äußern lassen. Das gilt generell für Unternehmensanleihen - mit Ausnahme der unter einer Staatsgarantie befindlichen Banken, die ebenfalls billig Geld erhalten.

Eine ganze Reihe von Anleihen zumindest halbwegs solider Unternehmen bringen derzeit zweistellige Renditen. Erinnert sei an dieser Stelle an den französischen Kaufhausmilliardär François Pinault, der einen nicht geringen Teil seines Vermögens dem Kauf spottbilliger amerikanischer Unternehmensanleihen während einer Rezession verdankt.

Derartige Chancen bietet in den kommenden Monaten mit Sicherheit auch die aktuelle Krise. Positiv gestimmt für Anleihen sind unter anderem die Analysten der niederländischen Großbank ING: „Insbesondere Investoren, die bereit sind, sich langfristig zu orientieren (über ein bis zwei Jahre), bieten sich hier attraktive Investmentgelegenheiten. Grund ist das Zusammentreffen von Risikoprämien in beispielloser Höhe mit dem Beginn einer Bilanzsanierungsphase und der Überzeugung, dass konzertierte finanzpolitische Maßnahmen eine Depression der Weltwirtschaft abwenden können. Wir bewerten Unternehmensanleihen (sowohl Investment-Grade-Papiere als auch Papiere ohne Investment- Grade-Status), Staatsanleihe-Spreads im Euro-Raum und japanische inflationsindexierte Anleihen als die attraktivsten Segmente des Rentenmarktes.“

Niedrige Zinsen als Hoffnung

Extrem verhalten sich auch die Notenbanken, wie die sehr deutlichen Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB), der Bank von England und der Schwedischen Reichsbank in der vergangenen Woche belegen. In den Vereinigten Staaten steht nach Ansicht vieler Fachleute nicht nur eine weitere Zinssenkung ins Haus; die Fed finanziert direkt Unternehmen und erwägt, durch den Kauf von Staatsanleihen neues Geld zu schaffen, was im Gegensatz zu jeder Lehrbuchweisheit stünde.

Billiges Geld allein wird vielleicht nicht zur Überwindung dieser Krise reichen, aber es erleichtert eine spätere Konjunkturerholung. Niedrige Zinsen sind unser zweites Lichtlein.

Die Aktienmärkte sind hart im Nehmen

Noch keinen rechten Reim auf die Verschärfung der Wirtschaftskrise haben sich die Aktienmärkte gemacht. „Zwischen Hoffen und Bangen“ überschreiben die Analysten der West LB ihren Kapitalmarktbericht. Und an den Anfang stellen sie den Satz: „Wohl selten war ein Ausblick auf das kommende Jahr mit so vielen Befürchtungen und so großen Sorgen verbunden wie nun am Jahresende 2008.“ Tatsache ist allerdings, dass die Aktienmärkte gut im Nehmen schlechter Nachrichten geworden sind und nicht dem schwärzesten Pessimismus frönen.

So mehren sich in diesen Tagen die Stimmen aus den Banken, die zunächst einmal eine weitere Stabilisierung und später eine leichte Erholung für möglich halten. Die West LB beispielsweise sieht den Dax trotz eines erwarteten Rückgangs der Unternehmensgewinne um 15 Prozent Ende 2009 bei 5200 Punkten. Die Börsianer sind noch nicht entmutigt. Das ist unser drittes Lichtlein - und damit sind wir perfekt vorbereitet für den kommenden dritten Advent.

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