29.04.2009 · Die Aktien von Banken sind derzeit nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Trotz guter Quartalszahlen ist die Branche noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Sorgen über steigende Kreditausfälle stehen einer nachhaltigen Kurserholung entgegen.
Die Aktien von Banken sind derzeit nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Den Kursgewinnen am Mittwoch gingen in den Tagen zuvor deutliche Verluste voraus. Trotz guter Quartalszahlen ist die Branche noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Das sieht auch Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, so. Die Bankenkrise sei noch nicht vorbei, warnte er am Dienstag bei der Präsentation eines überraschend hohen Gewinns von 1,2 Milliarden Euro im ersten Quartal. Denn in der sich verschärfenden Rezession werden nach Ansicht von Ackermann die Kreditausfälle bei Firmen- und Privatkunden zunehmen. Dies spricht gegen eine nachhaltige Kurserholung der Bankaktien.
Mit ihren Stresstests untersuchen die amerikanische Regierung und die Notenbank Fed derzeit die Widerstandsfähigkeit der 19 größten Banken des Landes gegenüber einer länger andauernden Rezession. Zwar will die Fed ihre Ergebnisse erst am kommenden Montag veröffentlichen, doch schon jetzt versetzen Gerüchte über neue Kapitalmaßnahmen die Investoren in Aufregung. Mindestens sechs der 19 Institute benötigten zusätzliches Kapital, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg Kreise, die mit den Stresstests befasst seien.
Banken brauchen frisches Kapital
Der sorgenvolle Blick richtet sich vor allem auf die einstigen Flaggschiffe der amerikanischen Bankenbranche, die Citigroup und die Bank of America. Die beiden Institute haben bereits von der amerikanischen Regierung Kapitalhilfen über jeweils 45 Milliarden Dollar erhalten. Doch die Mittel reichen offenbar nicht für die aktuellen Stresstests aus. Um für die drohenden Verluste und Risiken gewappnet zu sein, brauchen Citigroup und Bank of America amerikanischen Presseberichten zufolge frisches Kapital. Für die Bank of America prognostizierte Paul Miller, Analyst der Investmentbank Friedman, Billings, Ramsey Group, einen Kapitalbedarf zwischen 60 und 70 Milliarden Dollar.
Auch die Analysten der Deutschen Bank sehen die Bank of America, die im September auf Drängen der amerikanischen Regierung die Investmentbank Merrill Lynch für 19 Milliarden Dollar übernommen hatte, unter Druck. Sie halten eine signifikante Kapitalerhöhung für wahrscheinlich. Die Spekulationen sind gewiss nicht die Einstimmung, die sich Kenneth Lewis, Vorstandschef der Bank of America, für die Hauptversammlung am Mittwoch gewünscht hat. Gegen seine Wiederwahl sprachen sich der kalifornische Pensionsfonds Calpers und der Aktionärsdienstleister Riskmetrics, der institutionelle Investoren bei Abstimmungen auf Hauptversammlungen berät, aus.
Bankentitel wieder positiver einschätzen
Auch bei der Citigroup brodelt die Gerüchteküche. Die „Financial Times“ berichtete, dass die Bank den Aufsichtsbehörden den Verkauf von Geschäftseinheiten, die Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien und die Reduzierung der Bilanzsumme zugesagt habe. Mit diesen Maßnahmen soll die sich aus den Stresstests ergebende Kapitallücke geschlossen werden. Inzwischen bemüht sich die Citigroup bei der amerikanischen Regierung, die Limits bei Bonuszahlungen für die Mitarbeiter der hochprofitablen Energiehandelssparte aufzuheben.
Die jüngste Kurserholung bei Bankaktien, die Citigroup-Chef Vikram Pandit am 9. März durch zuversichtliche Äußerungen ausgelöst hatte, hat diese erst auf ein Niveau geführt, das noch immer deutlich unter dem vor der Kriseneskalation im vierten Quartal 2008 liegt. Der DJ-Stoxx-600-Banken-Index notiert aktuell um 62 Prozent unter seinem Stand Anfang 2008. Die Rezessionssorgen dürften den Bankaktien mittelfristig einen volatilen Kursverlauf bescheren, was starke Nerven der Anleger erfordert. Sollte sich der Eindruck verstärken, dass der konjunkturelle Tiefpunkt erreicht worden ist, dürften die Investoren auch die Bankentitel wieder positiver einschätzen. Doch die jüngsten Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt, dass im ersten Quartal auf das Jahr hochgerechnet, um 6 Prozent geschrumpft ist, deuten eher auf eine Verschärfung der Rezession hin.
Festere Tendenz an Wall Street
Dies erklärt auch die Skepsis der Analysten zur Deutschen Bank. Die Aktie hatte am Dienstag trotz des hohen Quartalsgewinns 7 Prozent verloren. Am Mittwoch gewann der Kurs - beflügelt durch eine festere Tendenz an Wall Street - 2,1 Prozent. Viele Analysten empfehlen den Titel zum Verkauf. JP Morgan bezweifelt die Nachhaltigkeit der Ergebnisse im ersten Quartal. Denn sie kamen im Wesentlichen aus dem schwankungsanfälligen Investment Banking, das im Vorjahr noch verantwortlich für den Rekordverlust von 3,9 Milliarden Euro war. In den stabilen Geschäftsfeldern, zum Beispiel dem Privatkundengeschäft, sanken dagegen die Erträge. Zudem wies die Deutsche Bank eine deutlich höhere Risikovorsorge aus. Ackermann stimmte die Öffentlichkeit auf fortdauernde Schwierigkeiten im Bankgeschäft ein.
Um 3,4 Prozent legte die Commerzbank-Aktie am Mittwoch zu. Der Kurs profitierte von den guten Zahlen der polnischen Tochtergesellschaft BRE Bank. Deren Gewinn sank im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um 77 Prozent. Aber auf dem Markt wurde dies als positive Überraschung gewertet, zumal die BRE Bank im vierten Quartal 2008 noch einen Verlust ausgewiesen hatte. An der Börse in Warschau sprang der BRE-Bank-Kurs um 9 Prozent nach oben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |