19.08.2008 · Das durch die Finanzkrise erschütterte Vertrauen der Anleger in die Banken schwindet weiter. Eine Verstaatlichung der Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae gilt in Amerika als ebenso realistisch wie die Pleite einer großen Bank.
Von Stefan RuhkampOhne einen weiteren Eingriff des Staates wird es in Amerika wohl nicht mehr gehen - zumindest lässt sich diese Erwartung der Anleger aus der Aktienkursentwicklung der beiden amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac schließen.
Die Kurse der halbstaatlichen und zugleich börsennotierten Agenturen sind an den vergangenen zwei Handelstagen um weitere 25 Prozent eingebrochen, nachdem sie zuvor schon binnen eines Jahres rund 85 Prozent verloren hatten. Auslöser des jüngsten Kursrutsches war ein Bericht des Börsenmagazins "Barron's", ein Eingreifen der Regierung stehe kurz bevor, was für Aktionäre und Inhaber von nachrangigen Forderungen mit hohen Verlusten verbunden wäre.
Kritischer Blick auf die großen, angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Amerikas
Wegen dieser Spekulation schossen die Preise für Absicherungsgeschäfte, die sich schon in der Vorwoche stark verteuert hatten (siehe auch: Sturmzeichen für Freddie Mac und Fannie Mae), noch weiter in die Höhe. Eine Kreditabsicherung für eine nachrangige Forderung von 10 Millionen Dollar gegen Fannie Mae oder Freddie Mac kostet derzeit rund 330.000 Euro im Jahr. Fannie und Freddie halten oder garantieren Hypothekenanleihen im Wert von mehr als 5.000 Milliarden Dollar und finanzieren so indirekt den halben amerikanischen Hypothekenmarkt. Das amerikanische Finanzministerium verwies nun zwar auf frühere Äußerungen des Ministers Henry Paulson, wonach es keine konkreten Pläne gebe, mit dem Geld der Steuerzahler Aktien zu kaufen. Gleichwohl ist aber auch klar, dass Paulson zum Eingreifen prinzipiell bereit ist. Denn er hat den Anstoß zu dem Gesetz gegeben, in dem der Rettungsplan für Freddie und Fannie vorgezeichnet ist.
Die Furcht vor weiteren Verlusten auf dem amerikanischen Kreditmarkt verunsicherte auch in Europa die Anleger, wo die Kurse der Bankenaktien stark fielen. Titel der Deutschen Postbank verloren am Dienstag knapp 6 Prozent an Wert, Deutsche Bank und Commerzbank mehr als 2,5 Prozent, während der Deutsche Aktienindex Dax um 2,5 Prozent nachgab und im späten Geschäft auf 6.270 Punkte fiel. Zur schlechten Stimmung trug bei, dass die Investmentbank Lehman zum Ausgleich von Verlusten Geschäftsteile verkaufen muss. Außerdem wies ein Analyst von J.P. Morgan darauf hin, dass in den kommenden zwölf Monaten amerikanische Finanzdienstleister Anleihen im Rekordwert von 660 Milliarden Dollar tilgen müssen. Den Banken drohe in diesem Zusammenhang eine "überwältigende Häufung von Mittelabflüssen". Angesichts der schwierigen Finanzierungslage müssten die Finanzdienstleister voraussichtlich Aktiva verkaufen oder neues Kapital einwerben.
„Die Vereinigten Staaten sind noch nicht über dem Berg“
Ein besonders düsteres Bild der Lage zeichnet der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds Kenneth Rogoff. Er prognostiziert den Kollaps einer großen amerikanischen Bank und warnt, bei der Finanzkrise stehe das Schlimmste noch bevor. „Die Vereinigten Staaten sind noch nicht über dem Berg", sagte der Harvard-Professor bei einer Finanzkonferenz: „Ich würde sogar weiter gehen und sagen: Das Schlimmste kommt noch." In den kommenden Monaten werde es nicht nur den Zusammenbruch einiger mittelgroßer Banken geben: "Es wird ein echter Klopper kommen, eine der großen Investmentbanken oder Großbanken." Weiter prognostizierte Rogoff, die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac existierten entgegen den Beteuerungen der amerikanischen Regierung in einigen Jahren nicht mehr in ihrer gegenwärtigen Form.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |