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Finanzdienstleistungen Restrukturierung stärkt Allianz-Aktie höchstens langfristig

22.06.2006 ·  Hoffentlich nicht Allianz-beschäftigt, möchte so mancher Arbeitnehmer am Donnerstag in seinen Bart murmeln. Der Konzern will 7.500 Stellen streichen und so seine Wettbewerbsfähigkeit sichern. Doch die Erträge werden sich eher langfristig zeigen.

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Der Dax soll am Donnerstag seinen Abwärtstrend knacken. Stützen könnte ihn die Aktie der Allianz, die vorbörslich mit 121 zu 122 Euro nach 119,62 Euro zum Handelsschluß am Mittwoch getaxt wird. Grund sind angekündigte Restrukturierungen in Deutschland, die nach Einschätzung von Händlern etwas weiter gehen als erwartet.

Der Stellenabbau in Deutschland entspreche den Erwartungen, bei der Dresdner Bank falle er aber höher als erwartet aus. Und da die Restrukturierungskosten unter den Prognosen lägen, ergebe sich ein leicht positives Bild.

Kampf gegen den Marktanteilsverlust

Konkret will der Konzern bei seinen Versicherungen in Deutschland und bei der Dresdner Bank insgesamt 7.500 Stellen streichen. Mit der Straffung der Strukturen sollen die Kosten um rund 800 Millionen Euro gesenkt werden. Dabei sollen die bislang eigenständigen Sparten Sach-, Lebens- und Krankenversicherung zusammengeführt und die Vertriebswege gebündelt werden.

Die vereinfachte Struktur der Allianz sei kundenfreundlicher und senke die Kosten um 500 bis 600 Millionen Euro. Durch Standardisierung und Spezialisierung der Geschäftsprozesse solle die Effizienz gesteigert und der Aufwand gesenkt werden.

Der Vorstandschef der neuen Holding Allianz Deutschland AG, Gerhard Rupprecht, sagte: „Das sind schmerzliche, aber notwendige Schritte, um die Wettbewerbsfähigkeit der Allianz nachhaltig zu sichern.“ Die Allianz verliere seit Jahren Marktanteile.

5.000 Arbeitsplätze sollen offenbar weitgehend ohne Entlassungen abgebaut werden, da die Allianz den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zumindest Ende 2007 zugesagt hat. Allerdings müssen sich viele Beschäftigte auf räumliche Veränderungen einstellen, da die Allianz-Führung tiefe Einschnitte in das weit verzweigte Niederlassungsnetz plant: Die Zahl der Verwaltungsstandorte soll auf zehn von bisher 21 verringert werden.

Neue Kur für die Dresdner Bank

Bei der Dresdner Bank sollen bis 2008 fast 2.500 Stellen eingespart werden, je zur Hälfte in der Geschäftsabwicklung und Kundenbetreuung und in Steuerungsfunktionen. Betroffen seien 1.980 Arbeitsplätze in Deutschland. Offen ließ die Bank, ob es im Zuge des Stellenabbaus zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. Details würden nun mit den Arbeitnehmern verhandelt. Seit Anfang des Jahrzehnts hat die Bank nach eigenen Angaben bereits rund 18.000 der einst über 45.000 Vollzeitstellen gestrichen.

Die Dresdner Bank schaffe klar differenzierte Unternehmensbereiche für vermögende Privat- und mittelständische Firmenkunden, für Investmentbanking und Konzerne sowie für zentrale Dienstleistungen und Abwicklung. Im Massengeschäft sei die Einführung weiterer einfacher Bankprodukte geplant. „Mit unserem neuen Geschäftsmodell wollen wir wachstumsstärker und kostengünstiger werden“, erklärte Bankchef Herbert Walter.

Für 2008 rechne die Bank mit Einsparungen von 250 Millionen und mit Synergien von 350 Millionen Euro. Die neue Aufstellung stelle die Weichen für eine Rendite von zwölf Prozent nach Steuern im Jahr 2008.

Schering-Verkauf erleichtert Maßnahmen

„Was wir heute auf den Weg bringen, ist die Basis für zukünftiges profitables Wachstum unserer Gesellschaften in Deutschland“, erklärte Allianz-Chef Michael Diekmann. Trotz der Milliardengewinne des Konzerns sei ein Umbau notwendig. „Heute können wir dies aus einer Position der Stärke tun. Wer notwendige Maßnahmen auf die lange Bank schiebt, kommt später um so stärker unter Druck und muß dann deutlich drastischere Maßnahmen ergreifen“, betonte er. Ziel sei es, alle Gesellschaften des Konzerns so zu positionieren, daß sie langfristig wettbewerbsfähig seien.

Die Restrukturierungskosten will die Allianz bis Ende des Jahres voll in der Bilanz verbuchen. Etwa ein Zehntel sei bereits 2005 zurückgestellt worden. Der Buchgewinn aus dem Verkauf des Anteils an Schering werde helfen, den Umbau ohne Belastungen für das Konzernergebnis darzustellen. Nach Schätzungen von Analysten wird der Buchgewinn rund 600 Millionen Euro betragen.

Inwieweit die Streichung von Stellen notwendig ist, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu erhalten und ob sie nicht, wie manche Kritiker vermuten, vor allem dazu dient, zugunsten der Bezieher von Gewinneinkommen umzuverteilen, läßt sich schwer beurteilen. Daß solche Umverteilungseffekte auftreten, ist jedenfalls zwangsläufig so. Den Aktienanlegern kann es nur recht sein, denn wenn die Pläne des Konzerns aufgehen, so werden sie davon profitieren.

Erträge werden sich nur langfristig zeigen

Robert Mazzuoli, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz bewertet die Schritte als sinnvoll und notwendig, um die Wettbewerbssituation in Deutschland zu verbessern. Die Restrukturierung der Dresdner Bank gehe deutlich weiter als erwartet und dürfte zudem recht teuer werden. Skeptisch ist er, was die Realisierbarkeit der erhofften Ertragssynergien betrifft. Mit der Fokussierung auf das Mittelstandsgeschäft folge die Dresdner Bank lediglich dem Weg, den andere Banken bereits beschritten hätten. Es sei daher fraglich, ob dadurch Marktanteile gewonnen werden könnten.

Insofern sind die Nachrichten des Tages aus Aktionärssicht eigentlich nur teilweise positiv, zumal sich fragen läßt, warum die Allianz Sparten bündelt, während der allgemeine Trend eher dazu geht, Sparten auszugliedern und zu verselbständigen. Zunächst ist das Restrukturierungsprogramm erst einmal eine Ankündigung und verursacht Kosten. Ob das Ziel, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu stärken, tatsächlich erreicht wird, muß sich erst langfristig zeigen.

Am Donnerstag sind die anfänglichen Kursgewinne der Aktie bei einem Plus von 2,6 Prozent auf 122,70 Euro fast moderat. Indes gab es Berichte über Stellenstreichungen schon in der vergangenen Woche. Und seitdem ist die Notiz um zwölf Prozent geklettert.

Begeisterung hält sich in Grenzen

Falls die Aktie am Donnerstag noch ein wenig zulegen kann, gelingt es ihr endgültig wieder aus dem kurzfristigen Abwärtstrend auszuscheren. Schafft sie es über 123 Euro, so könnte sie sogar wieder in den langfristigen Aufwärtstrend einschwenken, den sie Mitte 2004 ausgehend vom 30-Monats-Tief bei 73,87 Euro eingeschlagen hatte.

Für die Aktie spricht auch eine mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der jüngsten Analystenprognosen von rund zehn für das laufende und kommende Jahr. Indes ist von höheren Gewinnen für diesen Zeitraum erst einmal nicht auszugehen, da die Maßnahmen langfristiger Natur sind und ihre Wirksamkeit noch nicht erweisen - vor allem nicht bei der Dresdner Bank, die für chronisch Unzufriedenheit sorgt.

Bereits zu Anfang des Jahres hatte die Dynamik des Aufwärtstrend erheblich nachgelassen, auch wenn Anfang April noch einmal ein 45-Monats-Hoch bei 139,53 Euro erreicht wurde. Daher gibt es auch keinen Anlaß, davon auszugehen, daß die Aktie das Potential hat, in absehbarerer Zeit die Marke von 140 Euro zu übertreffen.

Das zeigt sich auch darin, daß die Notierung innerhalb der ersten Stunde des Handels von den anfänglichen gewinnen deutlich wieder abgab und wieder unter die Marke von 122 Euro zurückfiel, sich also die Begeisterung offenbar in Grenzen hält.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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