08.08.2006 · Überrascht hat am Montag abend der Finanzdienstleister MLP in mehrfacher Hinsicht - und in keiner positiv. Schlechte Quartalszahlen und deutliche Prognosensenkungen lassen die Aktie abstürzen - und sie ist immer noch hoch bewertet.
Überrascht hat am Montag abend der Finanzdienstleister MLP in mehrfacher Hinsicht - und in keiner positiv. So legte der Konzern Eckdaten ungeplant für das abgelaufene Jahresviertel vor und kündigte an, den detaillierten Bericht bereits am Dienstag morgen einen Tag früher als geplant zu veröffentlichen.
Schon die Eckdaten fielen schwach aus, die Quartalszahlen waren noch etwas schlimmer. Der Finanzdienstleister kappte daraufhin sein Gewinnziel für das laufende Jahr um ein Viertel. Im Maklergeschäft, dem mit Abstand wichtigsten Geschäftsfeld des auf Akademiker und Besserverdienende spezialisierten Unternehmens, stiegen die Quartalserträge nur geringfügig und verfehlten damit die Analystenerwartungen. MLP passe auch seine „ehrgeizigen Ziele“ für 2007 an, teilte das Unternehmen in der Pflichtmitteilung am Montag abend mit.
„Marktpotential nicht ausgeschöpft“
Die Erträge aus dem Maklergeschäft lagen mit 91,5 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres von 91,2 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten hier einen Anstieg auf 95,6 Millionen Euro erwartet. „Mit der Entwicklung unseres Maklergeschäfts im zweiten Quartal sind wir nicht zufrieden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Uwe Schroeder- Wildberg. Da das Marktpotential in der Altersvorsorge nicht ausgeschöpft worden sei, liege MLP nun einige Wochen hinter der eigene Vertriebsplanung zurück. Im Juli hat MLP eigenen Angaben zufolge bereits Vertriebsmaßnahmen eingeleitet, um die Wachstumsdynamik im Maklergeschäft wieder zu erhöhen.
Gesamterträge und Ergebnis verbesserten sich zwar, blieben aber zumindest bei den Gesamterträgen (Umsatz) hinter den Analysten-Erwartungen zurück. Von April bis Juni stiegen diese um fünf Prozent auf 116,8 Millionen Euro. Sieben von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten im Konsens mit 117,3 Millionen Euro gerechnet.
Damit erhöhten sich die Gesamterträge in den ersten sechs Monaten auf 246,6 (Vorjahr: 219,6) Millionen Euro. Allerdings macht dies zum Halbjahr nur etwa 36 Prozent der im Gesamtjahr 2006 ursprünglich angestrebten Gesamterträge von 675 Millionen Euro aus.
Vertriebsvorstand abberufen
Das Ergebnis vor Steuern stieg im zweiten Quartal auf 14,0 (Vorjahr: 9,3) Millionen Euro und lag damit über der Analysten-Schätzung von 12,2 Millionen Euro. In den ersten sechs Monaten betrug das Vorsteuerergebnis damit 28,4 (Vorjahr: 15,4) Millionen Euro, macht aber lediglich knapp 24 Prozent des bis dahin angestrebten Jahresergebnis von 120 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern lag im ersten Halbjahr den Angaben zufolge bei 20,5 (Vorjahr: 7,8) Millionen Euro.
Finanzvorstand Nils Frowein ergänzte, daß MLP trotz der Delle im zweiten Quartal überzeugt sei, weiterhin langfristig auf stabilem Wachstumskurs zu bleiben. Diesem Zweck sollen wohl auch die personellen Konsequenzen dienen. Vertriebsvorstand Eugen Bucher wurde mit sofortiger Wirkung abberufen. Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg verantwortet nun das Vertriebsressort selbst, bis ein Nachfolger für Bucher gefunden ist.
Die Analysten der Dresdner Kleinwort reagierten am Dienstag mit der Senkung ihrer Empfehlung für die Aktien auf „reduce“ von zuvor „hold“. Das Kursziel wurde auf 12,80 Euro von 19,50 Euro zurückgenommen. Die Gewinnschätzungen je Aktie nahmen die Analysten um 16 Prozent für 2006 und um 27 Prozent für 2007 zurück. Zuvor hatte schon die HVB ihr Kursziel auf 14 von 16 Euro zurückgenommen, zugleich aber die Anlageempfehlung „neutral“ bestätigt.
Hoch bewertete Aktie hat noch Abwärtspotential
Am Dienstag fallen die Aktien des Unternehmens steil um teilweise fast zehn Prozent, können sich dann aber erholen und liegen noch über sechs Prozent im Minus bei 13,85 Euro. Grund der heftigen Reaktion ist nicht zuletzt die stets hohe Bewertung der Aktie, die auf Basis der früheren Analystenschätzungen und nach dem Kursrutsch noch immer ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 für das laufende und über 15 für das kommende Jahr aufwiese.
Auf Basis einer um den von der Dresdner Kleinwort vorgegebene Prozentsatz reduzierten Prognosen beträgt das KGV für das laufende Jahr 24,6 und für das Jahr 2007 rund 21 - was angesichts des offenbar geringeren Wachstumspotentials der Branche an sich, was auch an der zuletzt schwachen Entwicklung beim Wettbewerber AWD abzulesen ist, einfach immer noch zu hoch ist.
Dies gilt, obwohl die Aktie im Mai bereits um rund 30 Prozent von ihrem Vier-Jahres-Hoch abstürzte. Charttechnisch ist die Lage insofern nicht kritisch, als die langfristige Unterstützung bei zehn Euro nicht gefährdet ist. Andererseits hat die Aktie beim aktuellen Jahrestief weiter Luft nach unten und läßt Signale vermissen, aus denen man eine Aufwärtsbewegung ableiten könnte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |