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Finanzdienstleistungen Hypo Real Estate: Depfa-Übernahme ändert Marktverhältnisse nicht

23.07.2007 ·  Hypo Real Estate will für die Depfa Bank 5,7 Milliarden Euro bezahlen und mittelfristig Synergieeffekte heben. Das klingt gut, ändert aber wenig an den verhaltenen Aussichten für den Markt und der offensichtlichen Skepsis des Marktes.

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Mit deutlichen Kursgewinnen von bis zu 16,6 Prozent reagiert am Montag die Aktie der Depfa auf ein Übernahmeangebot der Hypo Real Estate. Deren Aktie dagegen steht gleichzeitig unter einem gewissen Verkaufsdruck und verliert bis zu 4,4 Prozent in den ersten zwei Handelsstunden des Tages.

Das dürfte kaum verwundern. Denn Hypo Real Estate will für die Depfa Bank 5,7 Milliarden Euro bezahlen: 6,80 Euro je Aktie in bar und 0,189 neuer HRE-Aktien. Finanziert werden soll der Kauf mit einer Kapitalerhöhung um rund 3,3 Milliarden Euro ohne Bezugsrecht und einer Wandelanleihe über 450 Millionen Euro. Das Übernahmeangebot ist an die Bedingung geknüpft, dass die HRE mindestens drei Viertel der Depfa-Anteile erhalte.

Sinnvolle Konsolidierung ....

Die neue Gruppe wird den Angaben zufolge rund 2.000 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 385 Milliarden Euro haben. Stellen sollen nicht gestrichen werden. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten beide Häuser zusammen einen Gewinn vor Steuern von 1,22 Milliarden Euro. Nach der Übernahme solle die Depfa als Tochter der HRE weitergeführt werden und als Marke bestehen bleiben, hieß es.

„Das ist eine Form der Konsolidierung, die sinnvoll ist“, sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Equities. Hypo Real Estate könne mit der Übernahme der Depfa den Aufbau des Geschäfts mit der Staatsfinanzierung beschleunigen und in großem Umfang Synergien heben. Der gebotene Preis sei gerechtfertigt.

Die Hypo Real Estate kündigte an, durch die Bündelung der Kräfte nach 2010 mit Ertragssynergien von mehr als 150 Millionen Euro jährlich zu rechnen. Bereits ein Jahr nach Abschluss der Transaktion werde daraus ein positiver Ergebnisbeitrag von etwa 40 Millionen Euro vor Steuern erwartet. Hinzu kämen Kostensynergien von 60 Millionen Euro jährlich. „Für das Jahr 2010 ist es das Ziel, eine Eigenkapitalrentabilität nach Steuern von mehr als 15 Prozent zu erwirtschaften“, versprach Hypo Real Estate. Durch den Zusammenschluss werde einer der weltweit führender Anbieter entstehen, der sich auf Finanzierungen für gewerbliche Immobilien, den öffentlichen Sektor und Infrastrukturprojekte konzentriere. Die Vereinbarung bedarf noch der Genehmigung durch den irischen High Court und der Zustimmung der Depfa-Aktionäre. Die Transaktion soll bis Anfang Oktober abgeschlossen sein.

... in einem kritischen Markt

Die positiven Effekte dürften künftig auch notwendig werden, um der Aktie des entstehenden Unternehmens wieder deutlichen Auftrieb zu geben. Denn die Charts beider Einzelwerte zeigten in den vergangenen Monaten deutliche Stagnationszeichen und liefen seitwärts. An der optischen Bewertung kann es kaum gelegen haben. Denn beide Werte scheinen mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 11,6 und knapp zehn bei der Hypo Real Estate und von 10,8 und 10,2 bei der Depfa auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr trotz der jüngsten Kursbewegungen recht vernünftig bewertet zu sein.

Allerdings kann das auch ein Zeichen dafür sein, dass der Markt nicht mit einer sonderlich dynamischen Entwicklung in den kommenden Jahren rechnet. Darauf deutet nicht nur der schwächliche Kursverlauf anderer Immobilienaktien in Deutschland hin, sondern global dürften der Höhepunkt des Zyklus längst erreicht, wenn nicht gar überschritten sein. Das gilt sowohl für den amerikanischen Markt - wo die Hypo Real Estate immerhin mit zehn Prozent ihres Finanzierungsportfolios vertreten ist -, als auch für Großbritannien mit einem Anteil am Portfolio von 14 Prozent. Satte 23 Prozent der Finanzierungen beziehen sich auf möglicherweise überbewertete Wohnimmobilien.

Auch die Depfa hat vor allem in Irland, Italienm Spanien, aber auch in den Vereinigten Staaten nach Informationen aus dem Jahresbericht des vergangenen Jahres signifikante Positionen. Aus diesem Grund dürfte auch sie kritische Blicke auf sich ziehen können. Sie werden bestätigt durch die optisch günstige Bewertung und die seitwärts tendierenden Trends.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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