Home
http://www.faz.net/-gv7-qxg4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Finanzdienstleistungen Für eine Trendwende dürfte es bei der Allianz-Aktie nicht reichen

03.08.2007 ·  Als „stark“ werden die Zahlen bezeichnet, die die Allianz am Freitag für das erste Halbjahr vorlegte. Doch es gibt auch einige kritische Punkte. Zudem ist das Klima für Finanzwerte weiterhin alles andere als günstig.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Die Allianz ist sicher Deutschlands bekanntester Versicherungskonzern. Doch Bekanntheitsgrad und Erfolg sind nicht immer Geschwister. das wissen Allianz-Langzeitaktionäre nur allzu gut.

Die großen Erfolge des Papiers liegen mittlerweile zehn Jahre zurück. Damals erlitt die zuvor eher langweilige Notierung einen Höhenrausch, der sie binnen dreier Jahre von rund 150 Euro bis auf 441,16 Euro nach oben führte - ein Kursniveau, von dem Anleger mittlerweile nur noch träumen können.

Aufwärtstrend unterbrochen

Der Kurs des Papiers stürzte zwischen dem März 2000 und dem Frühjahr 2003 um fast neunzig Prozent ab. Wer damals allerdings einstieg, konnte sich dann vier Jahre lang über Kursgewinne freuen, die ihren vorläufigen Höhepunkt aber mit dem Fünf-Jahres-Hoch Ende Juni bei 178,64 Euro erreichten.

Seitdem hat der Kurs wieder um über zwölf Prozent nachgegeben. Auslöser waren mehrere schlechte Nachrichten, vor allem en Bericht der FAZ über mögliche Sammelklagen in den Vereinigten Staaten, wo die Tochter Allianz Life Rentenversicherungen mit falschen Bonusversprechungen vermarktet haben soll. Analyst Nick Holmes von der Investmentbank Lehman Brothers bezifferte seinerzeit die potentiellen Belastungen für den Konzern auf 900 Millionen Euro.

In der Folgezeit wurden die Nachrichten nicht besser, vor allem als der Konzern sich abermals zur Dresdner Bank bekannt. Deren Kauf sollte einst der Grundstein für einen modernen Allfinanzkonzern sein, doch scheint sich bis heute nicht recht auszuzahlen. Unter 1.000 Kunden des Konzerns kaufen nur vier Produkte aller drei Konzernsparten Versicherung, Bank und Fondsgesellschaft. Und so wurde im Zuge der Restrukturierungsbemühungen auf einen Verkauf der „DreBa“ spekuliert, was den Kurs trieb. Nicht besser macht es das allgemein schlechte Klima für Finanzwerte aufgrund der krisenhaften Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Englische Flut belastet Schadensgeschäft

Der Freitag ist indes wieder ein besserer Tag. Der Kurs der Aktie steigt zur Eröffnung um immerhin 1,8 Prozent, nachdem der Konzern Gute Zahlen für das erste Halbjahr vorlegte und erstmals eine Gewinnprognose für 2007 abgab. „Wir erwarten in diesem Jahr einen Überschuss von rund acht Milliarden Euro“, sagte Vorstandschef
Michael Diekmann am Freitag. Schon 2006 hatten die Münchner mit sieben Milliarden Euro ein neue Rekordmarke gesetzt und so viel verdient wie kein anderes deutsches Unternehmen.

Bis Juni summiert sich der Nettogewinn bereits auf über 5,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal verzeichnete die Allianz allerdings einen Gewinnrückgang um sechs Prozent auf 2,14 Milliarden Euro. Damit wurden die Analystenerwartungen dennoch leicht übertroffen.

Hauptgrund für den Rückgang war ein schlechteres Ergebnis im wichtigsten Konzernbereich, der Schaden-Unfallversicherung. Hier fiel der Überschuss im zweiten Quartal um zwölf Prozent auf 1,38 Milliarden Euro und die „Combined Ratio“ (Schaden-Kosten-Quote) stieg um einen Punkt auf 92,9 Prozent. Verantwortlich dafür macht die Allianz die starken Regenfälle in England.

Hana-Verkauf treibt Gewinne

In den restlichen Divisionen verzeichnete der Konzern auf den ersten Blick deutliche Zuwächse. So stieg der Überschuss in der Lebens- und Krankenversicherung um fast die Hälfte auf 479 Millionen Euro und in der Vermögensverwaltung erzielte die Allianz ein Plus von fast 50 Prozent auf 134 Millionen Euro. Begünstigt wurde das Ergebnis auch durch den Verkauf der knapp fünfprozentigen Beteiligung an dem südkoreanischen Versicherer Hana Financial. Der Großteil des Buchgewinns sei im zweiten Quartal verbucht worden, sagte eine Sprecherin. Genaue Zahlen nannte sie zunächst nicht. Analysten schätzen den Buchgewinn auf insgesamt rund 300 Millionen Euro.

Zulegen konnte die Allianz im zweiten Quartal überraschend auch beim Gesamtumsatz des Konzerns. Er stieg von 24,1 Milliarden Euro auf 24,3 Milliarden Euro. Hier war ein Rückgang erwartet worden. Der Überschuss sank aber wegen nicht so hoher Erlöse aus Anteilsverkäufen wie erwartet um sechs Prozent auf 2,14 Milliarden Euro.

Die Dresdner Bank konnte ihren Überschuss auf 395 Millionen Euro mehr als verdoppeln, macht aber dennoch weiter Kummer. Denn der Anstieg des operativen Gewinns um 79 Prozent auf 427 Millionen Euro und der Erträge um neun Prozent auf 1,77 Milliarden Euro gründet nicht zuletzt auch wieder auf der Auflösung von Positionen der Risikovorsorge sowie weiteren Sondereffekten.

Kerngeschäft der Dresdner Bank schwächer

Hingegen verzeichnete die Bank trotz des freundlichen Kapitalmarktumfelds in den beiden Kern-Sparten einen niedrigeren operativen Gewinn als vor einem Jahr. Das Geschäft mit Privatkunden sowie kleinen und mittleren Unternehmen brachte zwischen April und Ende Juni operativ 188 Millionen Euro und damit knapp drei Prozent weniger als vor einem Jahr ein, geht aus einer am Freitag veröffentlichten Analystenpräsentation der Allianz hervor. Die operativen Erträge der Sparte legten nur leicht auf 884 von 875 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum zu. Die anteiligen Kosten stiegen zudem von 75,3 auf 75,7 Prozent.

Im Investmentbanking musste die Dresdner Bank gegen den Branchentrend einen deutlichen Ertragsrückgang verbuchen. Die operativen Erträge sanken um zwölf Prozent auf 760 Millionen Euro, der operative Gewinn fiel um 25 Millionen Euro auf 153 Millionen Euro. Das schüttet dann doch Wasser in den Wein von Zahlen, die ansonsten als gut eingeordnet wurden. NordLB-Analyst Steffen Haack etwa sagte, die Prognose für das Gesamtjahr sei höher als erwartet ausgefallen. Branchenkenner hätten nur mit 7,5 Milliarden Euro gerechnet.

Neue Nahrung für Zerschlagungsspekulationen

Positiv ist zu vermerken, dass gerade über die Zukunft des Investmentbankings innerhalb des Allianz-Konzerns seit längerem spekuliert wird. Nach dessen nicht so positiven Abschneiden könnte dies wiederum Zerschlagungsspekulationen beflügeln - auch wenn Allianz-Chef Achleitner sie noch soft dementiert.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,2 für das laufende und 8,5 für das kommende Jahr erscheint die Aktie derzeit recht günstig bewertet. Indes ist das Sentiment durch die Kreditkrise belastet und so dürfte auch eine Rolle spielen, ob und wie sich der Konzern zu möglichen Ausfällen bei synthetischen Anleihen (CDOs, CLOs), auch und vor allem bei der Dresdner Bank äußert, wie Marktteilnehmer meinen.

Charttechnisch ist die Situation momentan etwas wackelig. Im Zuge der Kursverluste der laufenden Woche fiel dieser unter die exponentielle 200-Tage-Linie, konnte dies aber am Freitag wieder wettmachen. Im Laufe des Tages wird man weiteren Aufschluss erhalten, ob sich die Notierung behaupten kann. Eine Chance den kurzfristig negativen Trend gibt es indes erst wieder bei Kursen über 165 Euro und es ist fraglich, ob die Notierung am Freitag wird soviel zulegen können.

Insofern bleibt noch einiges abzuwarten und angesichts des ungünstigen Umfelds für Finanzwerte erscheint momentan nicht der günstigste Zeitpunkt zu sein, um neue Positionen aufzubauen. Neuerliche Hiobsbotschaften vom Kreditmarkt dürften unweigerlich Abschläge nach sich ziehen und somit die Etablierung eines nachhaltigen Aufwärtstrend in den kommenden Wochen verhindern. Die Reihe von Belastungsfaktoren dürfte dann auch mitverantwortlich dafür sein, dass die Notiz die ersten Kursgewinne zunächst recht rasch wieder abgab und das Plus auf 0,7 Prozent dahinschmolz.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%